Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Ulrike von Moritzwerk erzählt

09:37 Mein gewisses Etwas 3 Comments


Mein letzter Gast in meiner Sonntagsrunde musste ganz schön geduldig sein. Erst kam das Weihnachtsfest mit ganz viel Familienzeit dazwischen und dann ein plötzlicher Krankenhausaufenthalt meines "Babys". Aber auch wenn heute nicht Sonntag ist, darf nun endlich Ulrike von Moritzwerk zu Wort kommen.

Liebe Ulrike, ich danke Dir für Deine Geduld und freue mich sehr, dass Du es trotz drei kleiner Hüpfer zu mir in die Sonntagsrunde geschafft hast.

1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen? 

Hallo, Ihr Lieben, ich hoffe, Ihr hattet einen guten Rutsch in das neue Jahr?
Ich freue mich besonders, dass Ihr den Weg zu Sindys Sonntagsrunde gefunden habt, denn heute darf ich über meinen Sinn des Nähbloggens philosophieren. Vielen Dank für die Einladung, liebe Sindy! Na dann, kommt mal mit:



Moin, ich bin Ulrike, Designerin und Betriebswirtin, zur Zeit hauptberuflich Mama und nebenbei Bloggerin. Auf moritzwerk.de berichte ich über meine kleinen und großen kreativen Projekte. Mit meinem Mann, unseren zwei Töchtern (3 und 4 Jahre) und unserem Söhnchen (heute genau zwei Monate alt) lebe ich in einem alten Haus am Moritzberg in Hildesheim. Neben Haus, Garten, drei Kindern und dem Nähbloggen bleibt wenig Zeit für weitere Hobbies. Früher habe ich gern und viel gemalt und gezeichnet. Aber Stift und Pinsel schwinge ich jetzt fast nur noch, um Wände zu streichen und den weiteren Ausbau unseres Hauses zu planen oder um geplante (Näh-)Projekte zu visualisieren. Ich hoffe, das wird irgendwann mal wieder mehr!

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht? 

Mich hat ES ganz klassisch gepackt, als meine Töchter da waren. Überall sah ich die tollen Werke der kreativen Nähmuddis, deren Blogs ich gespannt verfolgte. Das wollte ich auch! Ich habe mir also die alte Veritas von meiner Mama "ausgeliehen" und einfach losgelegt. Die ersten Kleidungsstücke, die ich aus ausrangierten Shirts von Herrn Moritzwerk upcycelte, waren keineswegs perfekt (Halloho - die Veritas hatte nicht mal einen Stretchstich!), aber meine Töchter haben sie mit Freude getragen. Irgendwann hatte ich es endlich geschafft die Veritas zu schrotten und eine neue Maschine (Jerseystich, olé!!!) zog hier ein. Das war im Dezember vor zwei Jahren. Seitdem nähe ich (fast) täglich. Und ich liebe es! Weil ich es nämlich liebe, etwas mit meinen Händen zu erschaffen. So ganz analog und echt. Und ganz meins! Wenn aus einem rechteckigen Stück Stoff plötzlich eine Bluse wird, ist das nicht jedes Mal wie ein kleines Wunder?! Irgendwann geriet ich mit dem Nähen und Lesen von Nähblogs aber an einen Punkt, an dem ich nicht mehr nur passiv zuschauen und die Ideen der anderen aufsaugen wollte. ich wollte mit anderen nähenden Mädels (und Jungs?) in Dialog treten, meine Arbeiten präsentieren und bestenfalls selbst andere inspirieren. Eine ganze Zeitlang habe ich geplant, verworfen, überlegt, gezweifelt und nachgedacht, bis mein Mann endlich Nägel mit Köpfen gemacht und mich in mein Moritzwerk geschubst hat. Das Moritzwerk ist dabei gar nicht als Nähblog gestartet sondern als Kreativblog. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich in so kurzer Zeit so anspruchsvolle Kleidungsstücke würde nähen und präsentieren können. Das hätte ich ohne den Blog und die damit verbundenen Kontakte und Projekte wohl nicht geschafft. Und so wird das eine vom anderen gepusht: das Bloggen motiviert mich, auch schwierigste Projekte in Angriff zu nehmen und mit dem nächsten Projekt füttere ich wieder den Blog. Der Betriebswirt in mir würde sagen: eine Win-Win-Situation.



3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel? 

Auf der einen Seite macht es mir einfach Spaß. Ich habe schon zu Schulzeiten gern geschrieben (wenn ich nicht Design studiert hätte, wäre ich vielleicht Journalistin geworden) und fotografiert (meine erste Spiegelreflexkamera bekam ich mit 15), dazu noch ein bisschen Layout, Bildbearbeitung und ein wenig Marketing - das alles mache ich gern! Für mich ist das Moritzwerk aber noch mehr: Ich bin eine Mama mit drei kleinen Kindern. Das bin ich gern und das ist schön so. Aber das allein reicht mir nicht. Ich bin eben auch Designerin und Betriebswirtin und hätte gern Karriere gemacht, aber leider (oder zum Glück?!) blieb mir das bisher verwehrt. Anspruchsvolle Teilzeitstellen, wo seid ihr? Der Blog hilft mir zum einen, beruflich nicht einzurosten (Stichwort Online Marketing, Software etc.), außerdem verschafft er mir ein Gefühl von "Arbeit". Ich kann Mama sein und habe dank meiner Posts und vor allem dank des Probenähens gewisse "Termine" und "Deadlines". Und gleichzeitig rastet kein kinderloser Chef aus, wenn sich mal ein Projekt verschiebt oder ganz ausfällt. Ich habe mir quasi meinen Traumjob selbst gebastelt und vielleicht werde ich ihn so weiter entwickeln, dass ich eines Tages sogar damit Geld verdienen kann. Wenn meine Posts am Ende dazu führen, meine Leser zu unterhalten, zu inspirieren oder zu motivieren, haben alle was davon.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen? Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt? 

Bisher habe ich immer tagsüber genäht, wenn die Kinder in der Kita waren. Das ist der pure Luxus, denn ich hatte täglich fünf bis sechs Stunden, die ich mir ganz frei einteilen konnte. Jetzt wo ich ein Baby zuhause habe, beschränkt sich meine Nähzeit auf seine Schlafzeit oder zumindest die Zeit, in der er wach aber friedlich ist. Momentan ist das gleich Null, aber irgendwann werden wir schon einen Rhythmus finden. Blogposts bereite ich in der Regel abends vor, wenn die Kinder im Bett sind und ich ohnehin keinen "Krach" mehr machen kann. Ich habe nämlich kein Nähzimmer (mehr) und nähe und arbeite wahlweise im Schlafzimmer, im Wohnzimmer oder in der Küche. Das Bloggen raubt mir also keine Nähzeit, es ergänzt das Nähen.



5. Was nähst Du alle selbst? Bist Du eher ein "Seflish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich? 

Angefangen habe ich wie beschrieben mit Kinderkleidung. Noch immer macht das einen großen Teil meiner Näharbeiten aus. Aber ich nähe inzwischen mehr und mehr auch für mich selbst. Und sogar Herr Moritzwerk greift hin und wieder mal ein Teil ab. Mein Ziel ist es, möglichst alles selbst nähen zu können. Tatsächlich habe ich im letzten Jahr keine Kleidung für mich selbst gekauft (mit Ausnahme einer Umstandshose aus dem Second Hand Laden) und mir alles, was ich brauchte oder wollte selbst genäht habe. Nur bei den Kindern komme ich nicht immer mit dem Nähen hinterher. Die wachsen gerade schneller aus den Sachen raus, als ich neue produzieren kann. Inzwischen kann ich behaupten so ziemlich alles nähen zu können. Jeanshosen möchte ich noch ausprobieren und Unterwäsche wäre interessant.



6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben? 

Ich denke, es ist rüber gekommen, dass Nähen und Bloggen inzwischen wichtige Aspekte meines Lebens sind. Ich habe aber auch gelernt, die Prioritäten so zu setzen, dass ich mich vom Nähbloggen nicht stressen lasse. Anfangs tendierte ich schon dazu mich zeitlich zu überfordern. Hier ein Probenähen, da eine Blogtour und zusätzlich noch ein Beitrag für RUMS oder Creadienstag und und und... im Rausch der Freude am Nähen und Bloggen habe ich oft unterschätzt, wie viel Zeit tatsächlich in einem Post steckt, sodass es auch mal stressig und ungemütlich wurde. Inzwischen weiß ich, was und wie viel ich mir (und meiner Familie) zumuten kann. Ich habe gelernt, nein zu sagen. Klar, manchmal bricht es mir fast das Herz, wenn ich eine Anfrage ablehnen muss. Und es nervt, wenn Facebook mir erzählt, dass meine Abonnenten schon seit drölfzigmillionen Tagen nichts mehr von mir gehört haben. Ich musste erst mal lernen, mich davon nicht verrückt machen zu lassen. Reichweite, who cares?! Dafür konzentriere ich mich jetzt umso mehr auf eine handverlesene Auswahl an Projekten. In die stecke ich aber mein ganzes Herzblut.

7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht? Muss es denn Sinn machen? 

Schokolade hat ja aus ernährungstechnischer Sicht auch wenig Sinn und ist trotzdem - Sorry! - leider geil. Ich persönlich habe meinem Blog so viel Schönes und Gutes zu verdanken, dass ich nicht freiwillig auf ihn verzichten würde. Ob Bloggen dem Einzelnen etwas bringt, hängt meiner Meinung nach sehr von der individuellen Situation und dem Charakter des Bloggers ab. Wer Mühe beim Fotografieren und Texten hat, nicht gern mit anderen (fremden) Personen interagiert und die sozialen Medien (verab-)scheut, wird als Blogger nicht glücklich werden. Außerdem darf man den eigenen Blog nicht zu wichtig nehmen und sich von seinen Statistiken nicht verrückt machen lassen, sonst erleidet man in kürzester Zeit den Bloggerburnout und ist ganz schnell wieder weg vom Fenster. Wer aber Spaß hat am Schreiben, gern kommuniziert und den Blog mit Herzensprojekten füllt, wird eine schöne Zeit haben.

Apropos "schöne Zeit": Raus mit Euch und habt ein wundervolles neues Jahr! Macht das Beste draus! Ich freue mich, Euch bald im Moritzwerk wieder zu sehen.

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Kommentare:

  1. Vielen Dank für die Einladung und für den Extrasonntag am Dienstag! ;-)
    Liebe Grüße, Ulrike

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  2. Wie nett. Moritz Werk auch immer wieder gern von mir besucht. Ich lese dort sehr gerne mit. Ich hoffe, dass der Krankenhausaufenthalt gut verlaufen und schnell vorüber. Alles Gute Euch und Euren Familien in 2017!

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  3. Liebe Ulrike, liebe Selina,
    wieder ein Beitrag , in dem ich viele Gleichheiten bei den Bloggern erkennen und doch wieder Neues, Anderes und Einzigartiges. Toll deine Sichtweise auf Beruf, Karriere und "Mama sein", in Kombination mit dem Bloggen. Bitte mach weiter so, daich mir deine Werke auch super gern anschaue.
    LG Kirsten

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