Luft holen.

09:58 Mein gewisses Etwas 18 Comments

Welche Bloggerin kennt das nicht: immer mal wieder kommt der Gedanke auf, ob sich das Bloggen wirklich "lohnt", ob das wirklich jemanden interessiert und ob man seine Zeit nicht "sinnvoller" nutzen könnte.

Auch ich hinterfrage in regelmäßigen Abständen den Sinn meines Blogs. Das mach ich mit vielen Bereichen meines Lebens. Das ist auch wichtig, denn nur so kann mich sich weiterentwickeln und halte nicht an bereits verstaubten Dingen fest.

Ganz im Vordergrund stand für mich beim Bloggen immer der Spaß an der Sache. Natürlich fand ich auch die Vernetzung großartig, konnte ich mich doch in meiner Kleinstadt wenig mit Gleichgesinnten austauschen. Dazu noch ein bisschen Stolz, die selbstgenähten Sachen zu zeigen und teil der MeMade-Bewegung zu sein. Das ergab bis jetzt ein tolles rundes Gesamtpaket. Alle Faktoren, spielten ganz wunderbar ineinander und ergaben einen Sinn.

Seit einiger Zeit schleicht sich aber ein kritischer Unterton in all das was ich hier so tue. Irgendetwas ist anders. Es scheint, als ob mein Blog mit seinen Themen nicht mehr zu mir passt.

Ich war schon immer ein eher minimalistisch veranlagter Mensch. Viel Besitz verstört mich und ein Kleiderschrank, der einen 30m² Raum einnehmen könnte, würde mich schlichtweg erschlagen. Ich bin kein hipper Mensch. Viele angesagte Sachen interessieren mich nicht. Viele Stoff- und Schnittneuheiten gefallen mir schlichtweg nicht. Meine selbstgenähten Kleidungsstücke, die ich regelmäßig trage, passen auf eine 1,5m lange Stange. 

15 Shirts. 
9 Röcke. 
4 Hosen. 
3 Strickjacken. 
2 Übergangsjacken. 
1 Winterjacke. 

Das Näh-(bloggen) hat mich mit all seinen Randthemen und Aktionen dazu gebracht, an meiner Idee, nur noch selbst zu nähen, dranzubleiben. Vieles habe ich für den Blog ausprobiert und gerade deswegen zu Ende gebracht, weil ich unbedingt zu Sew-Along-Finale das fertige Kleidungsstück zeigen wollte. Mit den #myspringessentials fand ich endlich meinen Stil und finalisierte meine Farben. Damit habe ich mir einen Kleiderschrank aufgebaut, der bedingungslos zu mir passt. Was nicht (mehr) passt, wird zeitnah aussortiert. Da das aber mittlerweile sehr selten passiert, bleibt die Stange gut gefüllt. Kein Grund also, massenweise nachzuproduzieren. Je weiter ich also meinen Weg mit dem Blog gehe, desto weniger nähe ich. Einfach, weil das was da ist reicht. 

Doch was blogge ich dann? Zeige ich Euch jedes neue T-Shirt was nach meinem für den Blog langweiligen Grundschnitt entsteht und noch nicht mal aus einem top angesagten Stoff besteht? Oder zeige ich nur noch komplette Outfits? Und was erzähle ich Euch dazu?

Am Anfang war da dieses Gefühl: das erste selbstgenähte Shirt, was auch wirklich passt. Yeah. Es gab so viele erste Male. So viele Herausforderungen. So viele neue Blogger. Alles war neu. Nun gibt es irgendwie nur noch deren "Abklatsch". Ich habe nicht mehr das Gefühl, das xte T-Shirt zu fotografieren und zu zeigen. Es hat sich einfach so davon geschlichen. Ich habe noch lange probiert, es zu halten. Irgendwann fehlten mir einfach die Argumente.

Das Nähen war die letzten 7 Jahre ein großer Bestandteil meines Lebens und wird es aus heutiger Sicht immer bleiben. Die Idee, meine Sachen ausschließlich selbst zu nähen, ist ein fester Grundpfeiler meines Lebens. Das Nähen macht mich unendlich glücklich und rundet mich perfekt ab. Es ist das Puzzlestück, was ich sehr lange Zeit gesucht habe. Es ist die kreative und zugleich produktive Handarbeit, die meine geliebte kopflastige Arbeit im Büro ausgleicht. Die mich als Kopfmensch ausgleicht.

Das Nähbloggen hat mich zu der wertvollen Erfahrung gebracht, mit dem Nähen eine zeitlang eines Teil des Lebensunterhalts zu verdienen. Das war schon immer ein großer rosafarbener Traum. 1,5 Jahre wurde aus dem leuchtenden Rosa langsam ein graues Rosa. Als sich dann die Möglichkeit bot, mich mit der kopflastigen Arbeit weiterzuentwickeln, war ich nicht wirklich enttäuscht, das gewerbliche Nähen stark zurückzufahren und wieder die Freuden das Nähhobbys in vollen Zügen genießen zu können - jetzt mit der Erfahrung und dem genauen schnellen Nähen bedingt durch die vielen gewerblichen Nähstunden.

Back to Basic.
(.. wie es auch Spunkynelda vor ein paar Tagen so treffend beschrieb. Ein sehr lesenswerter Post übrigens, der nur zufällig das gleiche Thema behandelt.)

Mein Blog und ich nehmen uns nun eine Auszeit. Zur Findung. Zur Erholung. Zur Erneuerung. Ich fühle wie Nele die warme Hand auf meiner Schulter. Ich bin angekommen. Die Phase, in der mich der Blog unterstützt und weitergebracht hat, ist beendet. Das, was der Blog begleiten sollte, ist erreicht. Etwas neues, undefiniertes, noch nicht blogbares hat begonnen.

Es tut gut, nun loszulassen und nicht mehr zu hetzen, bei dem Versuch dranzubleiben, lesenswert zu bleiben, beliebt zu sein. Die Angst, den Kontakt zu verlieren, ist nicht mehr da. Das was geht, darf gehen. Das was bleibt, ist herzlich willkommen.

Mit diesen letzten Worte bedanke ich mich für all den wunderbaren Austausch der letzten Jahre, für Eure lieben Worte im Kommentar oder als Email. Vielen lieben Dank, es war eine wunderschöne, sehr prägende Zeit. Und ich freue mich, Euch auf Instagram wiederzusehen. Denn zu zeigen gibt es noch jede Menge.


18 Kommentare:

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