Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Hella von Miss Margerite erzählt

11:20 Mein gewisses Etwas 1 Comments


Heute freue ich mich Hella von Miss Margerite bei mir zu Besuch zu haben.
Miss Margerite war eines der ersten Nähblogs, auf die ich damals aufmerksam geworden bin. Schon von Beginn an habe ich Hellas komplexe und durchdachten Werke bewundert. Dazu nahm sie sich immer die Zeit, noch ausführlich über ihre Erfahrungen zu Schnitt und Stoff zu schreiben. Ich habe viele Ideen von ihr mitgenommen und habe so so gern verfolgt, wie sie 2-fache Mama wurde.
Dieser persönliche Faktor hat mir immer ganz besonders gut gefallen. Deswegen freue ich mich auch sehr, dass man sie nun auch bei Instagram findet und trotz fehlender Blog-Zeit, ihre Projekte und ein bisschen ihr Leben verfolgen kann.

Liebe Hella, Deine ausführlichen Antworten zu meinen Fragen haben mich sehr berührt. Du bist mir damit noch sympatischer als ohnehin schon. Ich glaube, wenn wir uns zu einem richtigen Kaffee treffen würden, wir hätten uns viiiiel zu erzählen. Sei ganz herzlich gegrüßt und nochmals vielen lieben Dank für Deine Zeit!

1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen? 

Ich bin Hella, 36 Jahre alt und lebe mit meiner Familie - mein Mann, mein Sohn (4) und meine Tochter (2,5) - am südlichen Stadtrand von Hamburg. Im März diesen Jahres sind wir endlich in eine größere Wohnung gezogen mit einer großen Spieldiele als Herzstück, von der alle anderen Zimmer abgehen. Hier habe ich Platz für ein Nähzimmer gefunden, in dem nun alle Dinge untergebracht sind, die ich und die Kinder zum Kreativsein brauchen. So arbeite ich manchmal am Zuschneidetisch, den man ausziehen kann, und meine Kinder sitzen über Eck und malen z.B. Bilder.


Ich habe Pädagogik auf Diplom mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung studiert und arbeite aktuell mit einer 50% Stelle mit Menschen mit Behinderungen im Bereich der beruflichen Rehabilitation. Glücklicherweise habe ich seit Anfang September einen neuen Arbeitsplatz in der Nähe unseres Wohnortes gefunden, was den Alltag (und mich) entspannter und die gemeinsame Zeit mit den Kindern am Nachmittag einfach schöner macht. Außer Nähen und inzwischen auch wieder Bloggen stricke und häkele ich auch gerne. Ich unternehme gerne kleine Fahrradtouren oder Ausflüge mit den Kindern und mache gerne Yoga, wenn es zeitlich passt (und mein Schatz abends zeitig genug heim kommt, sodass ich zum Kurs fahren kann).

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, dass das Nähen / das Bloggen zu etwas Besonderem für Dich macht? 

Erste Gehversuche beim Nähen habe ich als Kind an der Nähmaschine meiner Mutter unternommen und Zopfbänder genäht. Als Kind reizte mich alles, was es im kreativen und gestalterischen Bereich so gab. Ich habe dauernd Dinge gebastelt und gemalt. Viele Sachen hat meine Mutter noch bis heute in kleinen Schatzkisten aufgehoben. „Richtig“ mit dem Nähen begonnen habe ich 1996, da war ich 16 Jahre alt. Die große Schwester meiner Schulfreundin hat Kleidung genäht. Von ihr und auch in den Stoffläden, wo ich eingekauft habe, durfte ich mir immer wieder Tipps holen, z. B. wie bestimmte Fachbegriffe aus den Anleitungen zu verstehen sind. Dazu kaufte ich ein Nähbuch von Burda zum Nachschlagen. Ich war und bin gerne Autodidakt. Mein erstes Projekt war ein dunkelblauer Wickelrock aus Leinen aus einem Burdaheft, den ich leider nicht mehr besitze. Nach dem Abi haben meine Eltern mir eine Overlock geschenkt, was meinen Output und den Spaß am Bekleidungsnähen deutlich erhöht hat. Der erste Blog, den ich gelesen habe, war der von „The selfish seamstress“.



Meinen eigenen Blog „Miss Margerite“ eröffnete ich, um Feedback zu meinen Werken zu erhalten und Erfahrungen und Tipps weitergeben zu können. Auf anderen social media Kanälen hatte ich damit weniger Erfolg (Burda Community und Facebook), da es Freunde und Verwandte zwar toll fanden, dass ich nähte, aber keinen eigenen Zugang dazu hatten und mir somit wenig dazu sagen konnten. Ich wollte gerne Gleichgesinnten zeigen, was ich mache und etwas zu meinen Werken erzählen.

3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel? 

Geschichten rund um einzelne Projekte und auch Hintergründe zur Entstehung auf dem Blog zu erzählen machen mir viel Spaß. Und die ein oder andere Anekdote zum genähten Stück machen die besondere Würze aus, finde ich. Das lese ich auch selbst gerne noch einmal mit einem gewissen zeitlichen Abstand. Mein Blog machte immer dann eine Pause, wenn ich nicht genug Energie, Zeit und Lust zum Verfassen eines Posts übrig hatte. Das war jeweils der Fall, als ich mit meinen beiden Kindern schwanger war. Die letzte Pause entstand durch unseren Umzug, eine hartnäckige und langwierige Krankheitsphase Anfang des Jahres in der Familie und meine Bewerbungsphase. Wenn ich Zeit fand, nähte ich lieber anstelle zu bloggen.

Die Frage von Sindy, ob ich bei ihrer Interviewreihe mitmachen möchte, brachte einen Stein ins Rollen. Instagram nutzte ich zwischenzeitlich gerne, um mit wenig Aufwand meine Werke zeigen zu können und wieder mehr mit anderen Nähbegeisterten in Kontakt zu kommen. Auf Dauer fehlte mir aber hier die Möglichkeit, etwas mehr erzählen zu können und Links zu setzen. Um meinen Blog wieder zu beleben, musste eine flexible und vor allem mobile Lösung her. Ich installierte eine Blogger-App namens „Blog Touch Pro“ auf meinem Handy, um auch unterwegs und zwischendurch an einem Post arbeiten zu können. Ich wünsche mir, dass ich dadurch wieder mehr zum Bloggen komme.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen? Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt?

Ich nähe am Wochenende in der Mittagspause, wenn die Kinder schlafen oder sich ausruhen. Selten nähe ich nachmittags (oder bereite Schnittmuster vor), wenn die Kinder spielen oder mir dabei zuschauen. Meistens nähe ich abends, wenn die Kinder schlafen. Wenn ich wenig Zeit und Energie habe, nähe ich lieber anstelle zu bloggen. Gebloggt habe ich bisher meistens abends, da ich hier die meiste Zeit am Stück und Ruhe hatte. Umso mehr freue ich mich über die Entdeckung der Blogger App, sodass ich nun auch zwischendurch und unterwegs an einem Post schrauben kann. Fotos mache ich schon lange mit meinem iPhone. Das Übertragen auf den Rechner, Nachbearbeiten und Logo einsetzen kostete viel Zeit. Das spare ich mir jetzt :-) Vielleicht finde ich noch eine App, mit der man die Qualität der Fotos optimieren kann.

5. Was nähst Du alles selbst? Bist Du eher ein "Selfish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich?

Ich nähe aktuell ungefähr gleich viel für mich und die Kinder. Manchmal etwas mehr für die Kinder, weil sie aus den Lieblingsstücken ja wieder rauswachsen.


Ich habe an Bekleidung für mich selbst schon viel ausprobiert (Hosen, Röcke, Overall, Shirts, Blusen, Hüte, Schal, Mäntel, Blazer, Hosenanzug, Unterbüxe). Natürlich auch Taschen, Kissen und kleine Accessoires wie Handyhüllen und eine Geldbörse. Mein Mann, meine Brüder, meine Eltern, Verwandte und Freunde sowie deren Kinder haben natürlich auch schon mal etwas von mir bekommen. Sehr selten nehme ich mal einen Auftrag entgegen, wenn jemand mit einem bestimmten Wunsch auf mich zukommt und ich mir das auch vorstellen kann. Es macht mich glücklich, wenn ich im Familien- und Freundeskreis sehe, dass meine Sachen gut ankommen und benutzt / getragen werden. Daher fällt es mir auch nicht schwer, genähte Lieblingskleider meiner Kinder zu verleihen, die nicht mehr passen. So sehe ich die schönen Stücke wenigstens noch mal in Aktion und sie versauern nicht in einem Karton.

6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben?

Ich liebe den Umgang mit schönen Stoffen. Hier hüpft mein Herz und ich gehe im Selbermachen einfach total auf. Es ist für mich kein Hobby, sondern eher eine Art Lebenselixier. Es macht mir so viel Freude, Dinge nach meinen Vorstellungen fertigen zu können, sei es nun genäht oder gestrickt. Mit Gleichgesinnten darüber zu sprechen und mich auszutauschen, ein Teil einer Gemeinschaft aus kreativen Menschen zu sein, die ihre Werke zeigen, darüber erzählen und Tipps geben, mir Anregungen holen und selbst Ideenquelle zu sein, das macht für mich Bloggen aus. Miss Margerite ist sozusagen meine Nähpersönlichkeit, ob mit oder ohne Blog. Vollständiger fühle ich mich jedoch irgendwie mit Blog ;-)


7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht?

Für mich war es in den letzten Monaten hilfreich, den Blog einfach ruhen zu lassen, ab und zu darin zu lesen und mit mir nahestehenden Menschen darüber zu sprechen, was damit geschehen soll. Ich würde empfehlen, dem eigenen Gefühl zu folgen. Gerade wenn es sich hierbei um einen Teil der eigenen Freizeit handelt und man damit nicht seine Brötchen verdient. Ein Blog lebt von der Persönlichkeit seiner (Näh-)bloggerin. Insofern sollte man schon Lust dazu verspüren, etwas in der Öffentlichkeit über seine Leidenschaft kund zu tun.

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1 Kommentar:

  1. Einer der ersten Nähblogs, die du gelesen hast? Hach, das wusste ich noch gar nicht - wie schön!
    Ja, das mit dem Kaffee in echt hab ich auch schon gedacht, das wäre bestimmt schön! Freue mich, dass ich bei deiner Sonntagsrunde dabei sein durfte! Liebe Grüße! Hella

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