Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Eveline von Frölein Tilia erzählt

08:43 Mein gewisses Etwas 5 Comments


Guten Morgen, Ihr Lieben!

Ein Grund, warum ich blogge, sind tatsächlich all die wundervollen Nähbloggerinnen da draußen, die in Echt noch viel viel toller sind, als im Netz. Nicht zuletzt seit dem Lillestoff-Festival letzte Woche, weiß ich, wie schön es ist, wenn man sich von Angesicht zu Angesicht unterhalten kann.

Eveline war leider nicht mit in Langenhagen. Dabei bin ich so ein großer Fan ihres Blogs Frolein Tilia. Ich bin mir absolut sicher, dass wir uns stundenlang unterhalten könnten. Zeit für mich, einen Besuch in der Schweiz zu planen, oder?

Liebe Eveline, ich freue mich riesig, dass Du Dir die Zeit für meine kleine Sonntagsrunde genommen hast. Ich hab so gern Deine Antworten gelesen und ein bisschen mehr über Dich erfahren. Ganz besonders freue ich mich auf unser erstes Treffen, was hoffentlich ganz bald klappt. Ich bin immer noch tief berührt von Deinen lieben Worten. Hab vielen lieben Dank!


1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen? 

Ich bin Eveline und lebe mit meinem Mann und unseren zwei süssen Kindern in der Schweiz in einer kleinen Stadt in der Nähe von Zürich. In meinem Alltag jongliere ich mal sicherer, mal improvisierender die Bälle als Mami, Hausfrau, Teilzeitangestellte, Nähbloggerin und last but not least als Ehefrau.



Gefühlt würde ich sagen, ich arbeite rund um die Uhr. Objektiv habe ich vielleicht einzig zu viele Ideen im Kopf, die ich umsetzten möchte, bin neugierig auf Neues und sehe so viele tolle Menschen und Möglichkeiten an denen ich schwerlich einfach vorbei gehen kann. Da passt vielleicht dazu, dass ich beim selben Arbeitgeber zwei verschiedene Stellen innehabe: Als Soziokulturelle Animateurin für Senioren und Medienmitarbeiterin. Die Liebe zur Sprache, zu Geschichten und die Faszination an der Vielfältigkeit des Menschen begleiteten mich von klein auf. Diese Liebe und Faszination beeinflusste sicherlich auch meine Berufswahl zur Buchhändlerin und später zu einem Studium in praktischer Theologie. Bei meiner beruflichen Ausrichtung erstaunt es nicht weiter, dass Lesen zu einem meiner liebsten Hobbies gehört. Meine anderen Hobbies verliefen irgendwann im Laufe des Lebens als Familie im Sand. Dafür schätze ich Inseln im Alltag umso mehr: Ein Kinobesuch mit einer Freundin, ein Abendessen mit meinem Liebsten, ein Stoffmarktbesuch mit meiner Schwester.

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht?

Nähen hat mir meine Hirnzellen gerettet! Vor vier Jahren stand ich da mit einem Neugeborenen und einem Kleinkind und fühlte mich, als wäre ich mitten in einem Überlebenstraining gelandet. Einem Überlebenstraining, das dich körperlich an deine Grenze bringt, mental jedoch kaum fordert. Ich suchte für mich nach einem Ausgleich der meine Gehirnzellen wieder zum Leben erwecken und sich gleichzeitig in meinem Alltag einbauen liess. Da in meiner Familie von der Grossmutter bis zur kleinen Schwester alle nähen, landete irgendwann die alte Bernina meiner Oma auf meinem Tisch. Zaghaft wagte ich mich an die ersten Nähte und hätte nie gedacht, dass es mir den Ärmel so reinziehen würde: Diese Mischung aus Neuem erlernen, Kreativität sprühen lassen und etwas Einzigartigem erschaffen ist genau mein Ding! Mit dem Nähen begann ich auch Blogs zu entdecken. Am liebsten hätte ich vor vier Jahren gleich mit einem eigenen Blog gestartet. Im Bewusstsein, dass meine freie Zeit mit kaum schlafenden Kleinkindern sehr begrenzt ist, hatte ich mir eine Frist auferlegt. Vor zwei Jahren machte ich dann die ersten tapsigen Schritte in die Bloggerwelt. In diesen zwei Jahren habe ich so viele faszinierende Menschen kennengelernt, die für mich das Bloggen zu einem Schatz werden liessen.

3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Bloggposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel? 



Ich wohne und arbeite in einer Kleinstadt. Da wir kein Auto haben, mache ich auch nicht mal so schnell einen Einkauf oder Ausflug an einen anderen Ort. Mein Universum des Alltags spielt daher auf kleinem Format. Damit ich nicht nach und nach von Kleinformat zu Kleinkariert mutiere, suche ich immer wieder nach Gedankenanstössen, die meinem Universum etwas Neues hinzufügen, es vielleicht gar etwas durchschütteln. Ein solches Mittel oder Tor zur Aussenwelt ist das Bloggen für mich. Ich komme mit Menschen in Kontakt, die ich nicht im Dorflädeli oder beim Metzger getroffen hätte. Mit meinem Blog habe ich mir kein konkretes Ziel gesetzt. Zur Zeit ist es ein schlichtes Nähtagebuch. Ich träume jedoch davon dieses Tagebuch in Zukunft noch farbiger, sprühender zu gestalten und es gleichzeitig in der Ausrichtung noch mehr zu fokussieren.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen?  Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt? 

Zeit zum Nähen und Bloggen beginnt bei mir um 21.00/21.30 Uhr wenn die Kinder schlafen. Ich bin zwar schon eher ein Nachtmensch und doch bin ich um diese Uhrzeit nicht mehr ganz so frisch im Kopf wie ich es mir wünschte. Dementsprechend ist der Nahtauftrenner mein treuster Freund und Näh-Begleiter. Ich schätze es, je nach Lust und Laune mich dem Nähen oder dem Bloggen zu widmen. Nähen und Bloggen erfordert so unterschiedliche Kompetenzen, dass ich sie nicht als Konkurrenz, sondern eher als Ergänzung empfinde. Ich habe also nicht das Gefühl, dass das Bloggen mir Näh-Zeit raubt; mir raubt das Bloggen und Nähen eher den Schlaf…

5. Was nähst Du alles selbst? Bist Du eher ein "Seflish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich? 



Ich bin ein Selfish Sewer: Ich nähe für meine Kinder und für mich. Für andere zu nähen löst bei mir zu grossen Stress aus: Ich will, dass das Kleidungsstück so perfekt wie möglich wird und dann auch noch gefällt. Bei den Kindern und mir habe ich mittlerweile ein Gespür was uns steht und sie sagen mir auch klar, was ihnen gefällt. So werden die Kleidungsstücke in der Regel auch intensiv getragen. Inzwischen sind unsere Kleiderschränke von Unterhosen bis Übergangsjacken gefüllt mit selfmade-Kleidung. Einzig für meinen Mann habe ich noch nichts genäht. Irgendwie lockt es mich nur mässig 10 weisse oder schwarze Shirts zu nähen… Aber wer weiss, vielleicht liegt ja mal ein Männerhemd unter dem Weihnachtsbaum.

6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben?  

Wie wichtig mir das Nähen und Bloggen wirklich ist, habe ich vor kurzem an eigenen Leib erfahren. Wir hatten einen Wasserrohrbruch im Haus und der gesamte Keller wurde geflutet. Im Keller befindet sich unter anderem auch mein Nähzimmer… Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, da ich befürchtete meine Nähmaschinen hätten das Unglück nicht überlebt. Gott sei Dank, kam es dann anders und die Maschinen schnurren wieder, einzig neue Stromkabeln und Pedalen musste ich ihnen verpassen.

Nähen und Bloggen ist für mich eine stille Leidenschaft. Still, da ich nicht damit herumposaune, dass ich nähe und vor allem blogge. Eine Leidenschaft ist es, da diese innere Flamme stetig lodert und mir bei welcher Tätigkeit auch immer neue Näh-Ideen im Kopf herumwirbeln.



7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht?

Näh-Bloggen macht keinen Sinn. Es hat niemand auf dich gewartet, du investierst Stunden an Arbeit, kriegst keinen Cent und im schlimmsten Fall nicht mal Kommentare zurück. Doch Näh-Bloggen stiftet Sinn: Du triffst auf andere die deine Leidenschaft verstehen und teilen, erhältst Rückmeldungen, lernst dich selber besser kennen, schärfst deinen Blick und erweiterst deinen Horizont. . Mit dem Blog hast du eine Plattform um deine Ideen weiterzugeben, was Begegnungen mit Menschen schafft, die dich wiederum inspirieren und dein Leben bereichern. Ein solcher Mensch bist du für mich Sindy! Ich lese deinen Blog unglaublich gerne: So viele Male hast du mich schon inspiriert, nicht zuletzt durch die "myspringessentials-Aktion". Zudem würde ich jedes deiner genähten Kleidungstücke sofort in meinen Kleiderschrank beamen. Du bist für mich eine grosse Bereicherung der Näh-Blogger-Szene und ich würde deine Blogg-Posts – würden sie ausbleiben – schmerzlich missen!

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Kommentare:

  1. Ganz lieben Dank für diese Zeilen. Am Sonntagmorgen hatte ich eine schöne Lektüre hier und habe mich sehr unterhalten gefühlt!
    Herzliche Grüße und einen tollen Sonntag!
    Dorthe

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  2. Ein wirklich tolles Interview und ich finde gerade die Antwort auf die letzte Frage wieder sehr spannend und richtig und kann es von daher auch nur unterschreiben!!!
    Liebe Grüße,
    Marina

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  3. Ach, Evi, du bist einfach toll. Ganz besondere Gedanken mal wieder. Tolle Denkanstöße...

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  4. Ich mache das Bloggen erst seit kurzer Zeit. Bin aber immer wieder begeistert wie Kreativ und Einfallsreich Frauen sind. Daher finde ich das bloggen sehr spannend. Für mich sollte der Tag mehr als 24 Stunden haben. Ich habe so viel Ideen.. Ein sehr interessanter Blogg. Dir einen tollen Start in die neue Woche herzlichen Gruß aus Berlin Sylvia

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  5. Eveline du bist ne tolle Frau, mach weiter so. Es ist schön dich persönlich zu kennen & ein paar tolle Nähstunden mit dir zu verbringen. Ich freue mich aufs Nähweekend.

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Schön, dass Du vorbeigeschaut hast. Ich freue mich sehr, wenn Du einen Kommentar hinterlässt!