Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Maarika von Liivii und Liivii erzählt

09:32 Mein gewisses Etwas 7 Comments


Guten Morgen, Ihr Lieben.

Ich würde mal ganz kess behaupten, jede, die schon einmal Probe genäht hat, kennt Maarika von liivi und liivi. Mir ging es jedenfalls bisher so. Ich habe zwar noch nicht sooo viel Probe genäht, aber immer war auch Maarika mit im Boot. Und auch bei Sew-Alongs oder Linkpartys ist sie meist mit von der Partie, liefert perfekte Nähergebnisse und schönste Fotos.

Da war es für mich besonders spannend zu erfahren, wie sie das zeitlich hinbekommt und woraus sie ihre Motivation zieht.

Ich freue mich daher sehr, dass Maarika so offen und ausführlich geantwortet hat. Das klingt alles so entspannt und gelassen, als ob das Nähbloggen genau für sie erfunden wurde.

Hab vielen Dank, meine Liebe, dass Du Dir mitten im Urlaub die Zeit für meine Fragen genommen hast. Ich bin gespannt, bei welcher Näh-Aktion wir uns das nächste Mal über den Weg laufen.

Sei lieb gegrüßt!


1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen?


Ich bin Maarika, 42 Jahre alt, und lebe mit meiner Familie (Mann und zwei Töchter – 6,5 und 2 Jahre alt) zur Zeit in Jerusalem, da mein Mann dort vor drei Jahren eine Stelle an der Deutschen Schule angenommen hat. Kürzlich haben wir den Vertrag verlängert und werden mindestens noch ein Jahr bleiben. Da ich von Beruf auch Lehrerin bin, habe ich in der Anfangszeit auch einige Stunden als Lehrerin an der Deutschen Schule gearbeitet. Leider haben sich die Arbeits- und Ferienzeiten sowie die verschiedenen Feiertage (bei drei dominierenden Religionen ganz schön verzwickt) so gar nicht mit den Betreuungszeiten unserer Tochter gedeckt, so dass wir bereits während meiner zweiten Schwangerschaft entschieden haben, dass ich für unsere restliche Israelzeit in Elternzeit gehe. Das hat sehr viel Stress aus dem Alltag herausgenommen – und mir einige kreative Freiräume geschenkt, die ich in dieser Form wohl nie wieder haben werde. Diese nutze ich hauptsächlich für meine Nähleidenschaft und das Bloggen. Ich genieße das sehr! Wenn der Tag 48 Stunden hätte, würde ich gerne meine Häkel- und Strickfertigkeiten ausbauen, mehr über das Fotografieren lernen und mich in Stoffdrucktechniken ausprobieren. Mehr Sport und Musizieren stünden auch noch auf der Wunschliste – du merkst, mir wird (und würde) nicht langweilig!

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht? 

Zum ersten Mal genäht habe ich in der Schule, im Textiles Gestalten Unterricht der 9. Klasse. Am Ende des Halbjahres hatte ich (wie übrigens jeder in meiner Klasse) eine karierte Kochschürze mit Rüschen genäht und Blut geleckt. Eine AG folgte, in der ich eine Hose und eine Bluse (damals noch mit SCHULTERPOLSTERN) fabriziert habe. Danach war dann lange Schluss - es gab damals einfach keine Stoffe, die mir gefallen haben. Erst als sich in der engeren Familie das erste Kind ankündigte habe ich den Wunsch verspürt wieder das Nähen anzufangen.

Ich habe mir eine Nähmaschine gewünscht, ein Schnittmuster gekauft und die für einen Anfänger viel zu komplizierte Burda-Schnitt Hose für das Baby begonnen - diese liegt im Übrigen bis heute unfertig in der Schublade. Die Maschine stand dann 10 Jahre (!!!) im Keller - bis ich selber ein Kind bekommen habe. Ich habe einen Auffrischungskurs an der VHS gemacht, mir hübsche Stoffe gekauft (der Markt hat sich zum Glück geändert) und seither nicht aufgehört zu nähen. Das ist jetzt gut 6 Jahre her. Die Idee über mein Hobby zu bloggen kam relativ schnell auf. In meinem Umfeld gab es damals niemanden, mit dem ich mich über dieses Thema hätte austauschen können. Die einzige Person, die mir bis heute Austauschpartnerin ist, ist weggezogen. Ein Blog schien mir ein guter Weg zu sein, sie weiterhin auf dem Laufenden zu halten.

Darüber hinaus wollte ich gerne bei diversen Linkparties, Sew Alongs und auch Probenähaufrufen mitmachen - dafür war ein Blog nötig - und Liivi&Liivi geboren. Ich bereue diesen Schritt, der gut 4 Jahre zurückliegt, keine Sekunde - der Austausch und Kontakt mit anderen nähbegeisterten Menschen erfüllt mich jeden Tag mit Freude. Ich durfte bereits einige Bekannte aus der Bloggerwelt persönlich kennenlernen, durfte die unterschiedlichsten Schnitte im Vorfeld testen, wunderschöne Stoffe zu Designbeispielen vernähen, einen frühen Blick in spannende Nähbücher werfen und – wie heute hier – in Bezug auf mein Hobby Rede und Antwort stehen. Das sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Zum Glück ist es dafür ganz egal, wo ich wohne. Das WorldWideWeb kennt diesbezüglich keine Grenzen.

3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel? 


Mein Blog ist mein persönliches Nähtagebuch. Nicht viel mehr, aber auch nicht weniger. Ab und zu unternehme ich kleine kreative Abstecher in andere Bereiche (wie Kreativ sein mit Kindern) oder berichte aus dem Alltag, aber in erster Linie geht es um das Nähen, um neue und alte Schnittmuster, den kreativen Umgang mit diesen und um schöne Stoffe. Mein Ziel war und ist es meine genähten Werke zu zeigen, Schnittmuster zu besprechen, anderen eventuell eine Inspiration zu sein und mich auszutauschen.

Zugegeben, der Austausch ist im Blog nicht zuletzt wegen der stetig wachsenen Anzahl an Kreativblogs etwas schwieriger geworden. Es wird weniger kommentiert als noch vor ein paar Jahren. Facebook oder Instagram sind da sehr viel schneller, direkter - aber auch flüchtiger, finde ich. Ich lese immer wieder, dass der Rückgang an Kommentaren, aber auch fehlende Likes auf den anderen Kanälen zu viel Frust, Selbstzweifel und Unsicherheiten führt. Das kann ich durchaus nachvollziehen. Ich habe mich selbst aber von Anfang an von diesen Zahlen frei gemacht. Ich guck da gar nicht hin, studiere keine Statistiken. Das kann ich, weil ich 'nur' für mich schreibe, keinem verpflichtet bin und schon gar nicht meinen Lebensunterhalt mit meinem Blog bestreiten muss. Ich führe meinen Blog bewußt privat. So kann ich über das Schreiben, was gerade anliegt und vor allem dann, wann es passt. Das kann täglich oder mehrmals die Woche sein, aber auch – wie jetzt in der Ferienzeit nur ein Mal pro Woche oder weniger. Wenn die Familie mich braucht, geht sie immer vor, ohne, dass ich ein schlechtes Gewissen zu haben brauche.

Ich befürchte, dass mir das Bloggen keinen Spaß mehr machen würde, wenn ich ein bestimmtes Soll erfüllen müsste. (Das ist z.B. auch der Grund, warum ich keine selbstgemachte Kleidung verkaufe.) Auch wenn mir Zahlen und Klicks relativ egal sind, so wünsche ich mir natürlich wie jeder andere auch positives Feedback.Ich würde lügen, wenn ich das abstreiten würde. Positives Feedback ist Balsam für die Seele, auch meine! Ich freue mich immer noch über jedes einzelne nette Wort, das man mir hinterlässt, über jedes Angebot, über jede Einladung die man ausspricht (auch wenn ich nicht alles wahrnehme). Zum Glück habe ich bisher NUR positive Erfahrungen in der Blogwelt gemacht, ich weiß, dass das auch anders sein kann.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen? Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt? 

Als ich mit dem intensiveren Nähen und Bloggen angefangen habe, habe ich noch gearbeitet und konnte daher immer erst nach getanem Tagwerk an die Maschine. Ich habe oft nachts im Keller gesessen und die Zeit komplett vergessen (und auch die Tatsache, dass ich um 6 Uhr wieder aufstehen musste). Gebloggt habe ich nur, wenn es gerade passte. Auch jetzt kommt es noch häufig vor, dass ich spät abends an der Maschine sitze und nähe. Wir haben hier keinen Fernseher, nähen ist daher häufig mein Unterhaltungsprogramm. Meine Blogposts schreibe ich in der Regel morgens, wenn beide Kinder in der Betreuung sind. Dazu fehlt mir am Abend oft die Muße. Wenn ich dann noch Zeit habe klebe ich Schnittmuster oder setze mich noch ein Weilchen an die Maschine, bevor ich die Kleine mittags wieder abholen muss. Die Nachmittage gehören in der Regel der Familie. Im Großen und Ganzen fügen sich Näh- und Blogzeiten ganz gut. Ich blogge nicht an jedem Tag in der Woche, dadurch habe ich ausreichend 'Luft' zum Nähen. Nur wenn zu viele Probenähergebnisse in der Pipeline stehen und gezeigt werden wollen, kann die Blogzeit die Nähzeit einmal übertreffen. Das kommt aber eher selten vor.

5. Was nähst Du alles selbst? Bist Du eher ein "Selfish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich?

Ich habe tatsächlich schon fast alles selber genäht, von Socken über Unterwäsche, Bademode und Alltagskleidung über Handtaschen, Utensilos und Kuscheltieren.



Bei einigen Projekten haben sich Zeitaufwand und Kosten nicht unbedingt gerechnet, so dass sie einmalige Aktionen waren. Ich nähe immer noch am liebsten für meine beiden Mädchen. In ihrer Größe habe ich immer ausreichend Stoff im Schrank und in der Regel am selben Tag ein befriedigendes Ergebnis in der Hand. Das macht Spaß! Seit einiger Zeit nähe ich aber auch sehr gerne für mich und meinen Mann. Dabei reizen mich neben schnellen Basics mittlerweile auch etwas kompliziertere und aufwändigere Schnitte. Der Stoffmarkt hat sich was erwachsenentaugliche Stoffe angeht zum Glück sehr zum Positiven verändert. Ich muss mich nur noch daran gewöhnen größere Stoffmengen zu bestellen!

6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben? 

Ich sag's mal mit ein paar gängigen Insta-Hashtags: #nähenmachtglücklich #nähenistmeinyoga #nähenistwiezaubernkönnen und #nähenverbindet. Das trifft auf mich (zumindest im Moment) hundertprozentig zu. Mein Beruf ist in großen Teilen sehr kopflastig. Ob meine Arbeit Früchte trägt, sehe ich häufig erst sehr spät, manchmal auch nie. Das ist mitunter frustrierend. Mit dem Nähen ist das zum Glück anders. Da halte ich oft noch am selben Tag ein zufriedenstellendes Ergebnis in den Händen. Das macht mich glücklich.



Wenn ich an der Maschine sitze bin ich ganz entspannt und in mich versunken. Ich höre häufig Hörbücher nebenher und vergesse so Raum - und leider viel zu häufig auch die Zeit. Zudem lerne ich bei jedem neuen Nähwerk etwas dazu, entwickle mich weiter und kann mich kreativ austoben. Und das Schönste daran ist – ich bin mit dieser Leidenschaft nicht allein!

7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht? 

Für mich hat es Steffi von Fabelwald sehr gut auf den Punkt gebracht: 'Alles, was über längere Zeit Druck und Stress verursacht, ist schlecht. Vor allem ein Hobby darf nicht zur Belastung werden.' Grundsätzlich macht es Sinn nachzufühlen, woher die Zweifel rühren. Ich lese in letzter Zeit sehr häufig von einer Blogmüdigkeit und habe selber durchaus etwas ähnliches verspürt. Täglich spülen neue Blogs mit einem vermeintlich besseren Design, besseren Fotos, kreativeren Ideen, interessanteren Beiträge und vor allem spritzigeren und gehaltvolleren Beiträge die Blogwelt. Da fällt es schwer 'mitzuhalten'. Aber muss man das überhaupt? Ich denke nicht! Der Druck, den – ich sag jetzt einfach mal WIR – beim Hobbybloggen spüren, ist meiner Meinung nach hausgemacht. Wir müssen uns doch vor niemandem rechtfertigen, kein Soll erfüllen. Wenn du also keine Lust zum Bloggen hast, dann lass es. Poste nur wann du magst, was du magst. Ein Nähblog darf auch andere Themen enthalten, wenn dir danach ist. Wir entwickeln uns alle weiter, Interessen können sich verschieben. Ich bin mir sicher, dass jeder, der deinen Stil mag, sich über jeden einzelnen Post freut – egal wann und worüber. Ich tu's!

You Might Also Like

Kommentare:

  1. Wieder mal ein toller Beitrag in dieser Runde! Der Blick hinter die Kulissen ist jedes Mal bereichernd. Und man findet doch einige Parallelen untereinander ;)
    Ich wünsche euch beiden einen tollen Sonntag!
    Liebe Grüße
    Fina

    AntwortenLöschen
  2. Schöner Einblick in Hintergründe unf ganz oft genickt. Tolle Werke und auch die Ansichten mag ich als treue Leserin des Blogs. Inspiration für mich. Schönen Sonntag.

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Sindy,
    ich danke dir sehr, dass ich in dieser Runde ein wenig über das Bloggen und Nähen plaudern durfte. Es hat mir großen Spaß gemacht!
    Ich freue mich wie meine Vorredner auch über die vergangenen aber auch auf die noch kommenden Einblicke hinter verschiedene Nähblogger. Immer wieder spannend!
    Danke für die viele Mühe, die du dir hiermit machst. Hab einen schönen Sonntag!
    Liebste Grüße,
    Maarika

    AntwortenLöschen
  4. LiebeSindy, liebe Maarika,
    Ich lese diese Blogbeiträge so gern und besonders deine Worte, Maarika, haben mir gefallen. So herrlich authentisch und entspannt. Vielen Dank für den Einblick, den du uns gewährt hast. Und dir liebe Sindy, mache fleißig weiter mit dieser Blogreihe.
    Liebe Grüße Kirsten

    AntwortenLöschen
  5. Was für ein schöner Beitrag! Ich selbst überlege auch, ob ich einen Blog starten sollte. Aber wenn ich die Masse an den bereits existierenden Blogs sehe, die Professionalität der Nähwerke, die schönen Fotos, die tollen Posts - da weiß ich, dass ich diese ganze Arbeit, die es nun einmal mit sich bringt, leider nicht aufbringen kann und wohl auch nicht möchte. Und voraussichtlich würde mir allem Voran Vieles einfach nicht so gelingen, wie ich es mir wünschen würde. Leider fehlt auch mir derzeit der Austausch mit Nähbegeisterten.
    Aber ich lese mit Begeisterung viele Blogs - meistens eher still als kommentierend - und immer dabei: Liivi&Liivi. So eine liebevolle Stoffauswahl, tolle schlichte Schnitte mit dem gewissen Etwas für bezaubernde strahlende Kinder und auch die Erwachsenenbeiträge gefallen mir sehr. Und Maarika hat so einen angenehmen und netten Schreibstil. Ich freue mich über jeden Post! Weiter so!

    AntwortenLöschen
  6. Ein tolles Interview mit Maarika! Und mit ihren Abschlussworten hat sie so Recht: Ich freue mich über jeden einzelnen Post von lieben Nähbloggerinnen! Natürlich lieber öfter wie weniger oft. Das ist aber ein egoistischer Gedanke. Aber lieber selten anstatt gar nicht mehr ;)
    Liebe Grüße,
    Marina

    AntwortenLöschen
  7. Danke für die ehrlichen Worte, sehr angenehm und interessant zu lesen! Auch hat mich immer interessiert, was genau Marika nach Israel "verschlagen" hat. Als ich au-pair in Stockholm war, gingen alle "meine" Kinder auch auf die Deutsche Schule, daran musste ich sofort denken.

    Sehr interessant auch die Einstellung zum Druck bloggen zu müssen, mittlerweile bin ich auch entspannter, wenn mal wieder keine Bilder zum zeigen sind. Sehr inspirierend!

    AntwortenLöschen

Schön, dass Du vorbeigeschaut hast. Ich freue mich sehr, wenn Du einen Kommentar hinterlässt!