Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Mond von bimbambuki erzählt

11:04 Mein gewisses Etwas 7 Comments


Kennt Ihr das? Normalerweise stehen wir mit den Mädels zwischen 7:30 und 8:00 Uhr auf. Aber ganz selten passiert es, dass die Kinder leise aufstehen, zu spielen beginnen und ich mich tatsächlich noch einmal rumdrehe und erst 9:00 Uhr an die Uhr schaue. Sehr merkwürdige Tage, aber auch so wichtig. Und nun ratet mal, warum ich heute ein bisschen später dran bin ..

Dabei freue ich mich soooo sehr, dass ich Mond von bimbambuki für meine kleine Reihe gewinnen konnte. Auch sie gehört zu meinen Bloggerbekanntschaften der ersten Stunde und ist gleichzeitig ein so wundervolles Unikat wie Steffi von herzekleid. Besonders mag ich Monds Spagat zwischen Privatem und Kreativem. Man erfährt eher zwischen den Zeilen, dass sie nach St. Petersburg gezogen ist und kann ein bisschen nachfühlen, wie es ihr dort ergeht, wenn sie jeden Monat ihre "12 von 12 Bilder" zeigt. Ich mag diese besondere Stimmung auf ihrem Blog sehr und schicke ein ganz herzliches Dankeschön in den Norden Russlands. Vielen vielen Dank, liebe Mond.

1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen? 


Ich heiße Mond (nicht im wahren Leben, das ist nur mein Blogger-Pseudonym), bin Anfang vierzig, verheiratet, habe eine siebenjährige Tochter und einen fünfjährigen Sohn und lebe mit meiner Familie seit letztem Sommer in St. Petersburg. Von Beruf bin ich Architektin. In Berlin, wo wir davor gelebt haben, habe ich 30 Stunden pro Woche in einem Architekturbüro gearbeitet, aber hier in Russland ist es für mich leider nahezu unmöglich, einen Job zu finden. Seit einem Jahr bin ich deshalb zu Hause und arbeite nur ab und zu an kleinen Projekten. Auch, wenn ich die Arbeit als Architektin vermisse, genieße ich es doch, zum ersten Mal richtig viel Zeit für das Nähen und alle möglichen anderen Projekte zu haben. Ich liebe es, neue Techniken zu lernen: Sticken, Patchworken, Quilten, Stempel schnitzen, Buchbinden, Siebdrucken – auf vieles bin ich durch das Bloggen, zum Beispiel durch Projekte von anderen Bloggerinnen, gekommen. Und es gibt noch so viel auszuprobieren... Neben dem Bloggen und Nähen genieße ich es, St. Petersburg kennenzulernen. Die Stadt ist so spannend und schön. Alleine, mit meiner Familie oder mit Bekannten unternehme ich Touren, besuche Paläste, Museen und Galerien, entdecke neue Cafés und Restaurants. Nebenbei lerne ich russisch, was eine große Herausforderung ist, da ich mit der Sprache und Schrift vorher nie etwas zu tun hatte. Außerdem interessiere ich mich für Fotografie, mag Filme und amerikanische Serien, wandere gern und mache Yoga und Pilates.

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht? 


Zum Nähen bin ich über eine liebe Freundin gekommen, die wunderbare bunte Kleidungsstücke für ihre damals noch ganz kleinen Kinder genäht hat. Ich fand das toll und bewundernswert. Sie hat meinen Mann auf die Idee gebracht, mir 2010 zum Geburtstag meine erste Nähmaschine zu kaufen. Das war der Anfang meiner Nähleidenschaft. Als Teenagerin habe ich mal einen Nähkurs gemacht, aber viel mehr als einfädeln und vorwärts oder rückwärts nähen konnte ich nicht. Alles andere habe ich mir im Laufe der Jahre mehr oder weniger selbst beigebracht. Jetzt kann ich mir gar nicht vorstellen, jemals mit dem Nähen aufzuhören. Den Blog habe ich ein gutes Jahr später begonnen. Er war anfangs eine Art Fotoalbum von meinen für die Kinder genähten Sachen – damit sie, wenn sie meinen Kindern nicht mehr passten, nicht in Vergessenheit gerieten. Mittlerweile gibt es auf meinem Blog mehr Themen als zu Anfang. Das Besondere am Bloggen ist für mich, dass Dinge wieder eine Rolle spielen, die mir mal viel bedeutet haben, aber im Laufe des Lebens etwas verloren gegangen waren. Die Fotografie, das Briefeschreiben, das Experimentieren und Werkeln mit Stoff, Papier und Farben zum Beispiel. Diese Tatsache liebe ich einfach.

3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel?

Das Bloggen gehört seit mittlerweile fast fünf Jahren zu meinem Leben und ist ein wichtiger Teil meines Alltags geworden. Nicht nur, weil es mir unheimlich viel Spaß macht, Beiträge zu schreiben und zu merken, dass einige Leute sie auch gerne lesen. Einer meiner liebsten Posts ist das wöchentliche Rebus, das ich jeden Freitag veröffentliche. Die vielen lieben Kommentare dazu lassen mein Herz hüpfen und versüßen mir den Tag, jede Woche aufs Neue. Großartig finde ich auch, dass ich durch das Bloggen einige Menschen kennengelernt habe (manche tatsächlich auch im realen Leben, manche „nur“ virtuell), die ich wirklich mag und mit denen zu kommunizieren mir Freude macht. Gerade in der Ferne, wo man nicht so viele Freunde hat wie zu Hause, fühlt sich das warm und vertraut an. Ein konkretes Ziel hat mein Blog nicht. Ich mag es, meine kleinen Werke zu teilen und damit vielleicht zu inspirieren, so wie mich Andere inspirieren. Ab und zu nähe ich etwas zur Probe oder teste ein Schnittmuster. Das mache ich aber nur für Bloggerfreunde bzw. Labels, deren Schnitte mir wirklich gut gefallen. Richtige Werbung zu machen, Kooperationen einzugehen und mit dem Blog Geld verdienen, war bisher kein Thema für mich. Bisher blogge ich aus Spaß an der Freude.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen? Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt? 


Für mich sind das zwei verschiedene Dinge. Für das Nähen kann ich mir in meiner jetzigen Situation viel Zeit nehmen. Das ist etwas, das ich vorher nicht konnte und deshalb sehr genieße. Ich habe den Luxus, mich einen gemütlichen Vormittag lang mit einer Stickerei beschäftigen oder an größeren Projekten wie einer Jacke oder einem Mantel in Ruhe über mehrere Tage arbeiten zu können. Die Fotos von meinen für mich selbstgenähten Sachen mache ich in der Regel selbst, mit Selbstauslöser. Nur manchmal bitte ich meinen Mann, mich am Wochenende zu fotografieren. Kindersachen knipse ich sowieso immer ohne Modell. Das alles erledige ich bei tagsüber, zwischendurch. Zwischen dem Abendbrot und dem Kinder-ins-Bett-bringen ist meine Blogger-Zeit. Von längeren Beiträgen abgesehen, die bei mir eher selten vorkommen, blogge ich meistens dann, denke mir das nächste Rebus aus, bearbeite Fotos und bereite Texte vor. Pro Woche veröffentliche ich in der Regel drei Posts. Das ist ein Rhythmus, der sich im Laufe der Zeit so ergeben hat und der für mich perfekt ist. Durch ihn ist das Bloggen ein Teil meines Alltags, ohne dass ich das Gefühl habe, dass es stressig wird. Wenn ich gerade viel zu zeigen habe, werden es auch mal vier Posts pro Woche, wenn es wenig gibt, nur zwei – ich blogge so, wie es kommt. Im Sommer mache ich mindestens einen Monat Urlaub vom Bloggen. Auch diese Auszeit genieße ich sehr. Außergewöhnlich wichtig ist mir der monatliche 12-von-12-Post. Egal, auf welchen Wochentag er fällt – an diesem Tag laufe ich mit der Kamera herum und mache Fotos, um sie abends zu veröffentlichen. Mein Mann weiß dann schon, dass es wieder soweit ist und er sich diesem Abend ums Abendessen kümmern muss. ;-) Es ist das fünfte Jahr, in dem ich an dieser Aktion teilnehme. Ich liebe es, an jedem 12. nachzuschauen, was ich vor einem oder vor zwei, drei, vier Jahren an diesem Datum gemacht habe. Durch die Fotos kann man sich erstaunlich lebendig an die jeweiligen Tage erinnern.

5. Was nähst Du alle selbst? Bist Du eher ein "Selfish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich?


Das ist unterschiedlich. Es gibt Phasen, in denen ich nicht viel für mich selbst nähe. Aber gerade arbeite ich mit großem Genuss meine Projekt-Lieblingsstücke-Liste ab. Das geht soweit, dass sich meine Tochter beschwert, dass ich kaum noch für sie nähe. Aber der Herbst steht vor der Tür, die Kinder wachsen wie Unkraut, und ich habe bei unserem sommerlichen Berlinbesuch viele schöne Stoffe gekauft – es wird sich also bald wieder ändern. Nur für meinen Mann nähe ich so gut wie nie. Ich habe nur ein oder zwei Männerschnittmuster. Männertauglich gemusterte Jerseys sind schwer zu finden. Ein unifarbiges Shirt zu nähen würde ich mich weigern. Und Hemden sind so aufwendig... (Lauter Ausreden, um es sein zu lassen ;-)

7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht?

Liebe Sindy, Dein Blog hat eine ganz eigene Art. Deine genähten Sachen gefallen mir sehr, und Du präsentierst sie so natürlich und sympathisch. Ich lese schon lange bei Dir und freue mich über jeden Beitrag. Ganz ehrlich: Dein Blog würde mir fehlen. Aber wenn Du keine Lust mehr hast oder das Bloggen momentan nicht zu Deinem Leben passt, dann verringere doch die Frequenz. Oder mach eine Pause, so lange, wie es nötig ist. Denn Stress bereiten sollte Dir das Bloggen nicht, sondern Spaß machen und Dir leicht fallen. Vielleicht ist es gut, sich einfach mal zurückzuziehen. Und wenn es Dir eines Tages fehlen sollte, kannst Du ja jederzeit zurück kommen. Du hast viele Leserinnen, die sich darüber freuen würden!

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Kommentare:

  1. Liebe Sindy, herzlichen Dank für die Einladung zu diesem Gespräch. Ich freu mich, dass Du weiterbloggst. Und hoffe, Dich irgendwann mal im wahren Leben zu treffen. Wer weiß - vielleicht klappt es ja einmal.

    Viele Grüße!
    Mond

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  2. Herrlich das Interview. Ich lese gerne bei Mond und liebe das Freitagsrebus. Hach. Hat sie wieder begonnen. Muss gleich mal schauen. Viele liebe Grüsse

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  3. Ein spannender Beitrag, besonders die Herausforderung eines solchen Ortswechsels ist ja schon spannend für 10!
    Und ein sehr schönes Schlusswort!
    Lg,
    Jenny

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  4. Schön mal so einem ausführlichen Gespräch mit Mond zu lauschen. War mir eine Freude euch beiden zuzuhören! Diese Phase freier Zeit für geliebte Projekte zu haben, ist einfach toll. Und wie wunderbar, dass sich Mond auch genussvoll darauf einlassen kann statt ohne berufliche Arbeit nur unzufrieden zu sein. Lieben Gruß und dir, liebe Sindy, viel Spaß beim Weiterbloggen oder auch viel Spaß in einer erholsamen Pause! Ghislana

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  5. Schön zu lesen bei Dir, das Gespräch mit Mond.

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  6. Mond ist so eine fleissige und talentierte Bloggerin. Ich mag ihre Sachen super gern!

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