Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Kathrin von naadisnaa erzählt

09:32 Mein gewisses Etwas 7 Comments


Guten Morgen, Ihr Lieben.

habt Ihr auch das Gefühl, dass die Näh-Bloggerwelt unaufhörlich wächst? Es werden immer wieder neue Blogs ins Leben gerufen, die dann ihre Zeit brauchen, sich zu entwickeln und bekannt zu werden.

Anders bei meinem heutigen Gast. Kathrin rief ihren Blog naadisnaa erst vor kurzem ins Leben und war schon gefühlt über Nacht ein bedeutender Teil der "Nähblogger-Szene". Man sah sie überall. Immer mit den schönsten Nähergebnissen. Farbenfroh und doch nicht überladen. Beeindruckend, wie sie ihren (authentischen) Weg geht.

Liebe Katrin, ich freue mich, Dich heute hier zu Besuch zu haben. Deine Antworten sind so symphatisch, dass ich mich noch mehr darauf freue, Dir bald einmal persönlich gegenüber zu stehen. Ich bin sehr gespannt, wohin Dich Dein Bloggerweg noch verschlägt. Egal, wie es wird, ich bin mir sicher, dass es ganz großartig wird!

1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen? 

Ich bin Kathrin, lebe zusammen mit meinem Mann und unseren vier Kindern in der Nähe von Zürich.

Ich manage den Familienalltag, arbeite also quasi rund um die Uhr, dafür mit vielen Freiheiten, die ich z.B. fürs Nähen und Bloggen nutze oder um zu lesen, zu basteln, draussen zu sein, zu philosophieren und diskutieren. Das Nähen und Bloggen ist in den letzten Monaten vom reinen Hobby immer mehr zu einem eigenen Bereich, ähnlich einem Teilzeitjob, neben der Familienarbeit geworden – so dass ich inzwischen bewusst Zeiten ohne Nähen und Bloggen planen muss und will.

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht?

Ich habe mich schon immer gerne kreativ betätigt – aber irgendwie habe ich dies immer wieder vernachlässigt. Eine schwere persönliche Krise hat mich zu meiner Kreativität zurückgebracht und ich habe bewusst angefangen, dieser Raum zu geben. Bei einer Freundin sah ich dann ein selbstgenähtes Täschchen, und weil ich das so toll fand, dachte ich, das schaffe ich auch. Naadisnaa sind so kleine Sachen wie Täschchen etc. entstanden, irgendwann ein erstes Shirt für den Sohn und ein paar Beanies für die Rasselbande. Hätte mir vor zwei drei Jahren jemand gesagt, dass heute ein Grossteil meiner Garderobe selbstgenäht ist, hätte ich ihn wohl für verrückt erklärt. Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich dann meinen Instagram-Account aktiviert, um mich zu vernetzen und aktiv in der virtuellen Nähwelt mitzutun – und dann ging alles ziemlich schnell. Die Idee zum Blog trug ich schon länger mit mir herum, letzten Herbst war die Idee dann so reif, dass sie anfing, Gestalt anzunehmen. Inzwischen bin ich mit meiner Blog-Schnecke seit einem halben Jahr unterwegs. Diese Reise ist spannend, aufregend, schön, aber manchmal auch anstrengend und herausfordernd. Nähen und Bloggen hat für mich auch viel damit zu tun, dass und wie ich meinen Weg suche und finde. Ich kann dadurch viele Dinge, die in mir drin sind, ausleben und mich in ihnen ausprobieren: meine Kreativität, den sozialen Austausch, das Schreiben.

3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel? 

Die Idee des Bloggens trug ich ja schon länger mit mir herum, eigentlich schon bevor ich mit dem Nähen angefangen hatte. Motivation dahinter war, meine Erfahrungen zu teilen, auch mich hinzustellen und zu sagen, das bin ich, und meiner Erkrankung (Postpartale Depression) ein Gesicht zu geben. Auch wenn die Idee zum Blog dann erst mit dem Nähen spruchreif wurde, so ist das Heraustreten aus dem stillen Kämmerlein und aktiv von meinem Weg zu berichten immer noch ein Motivationsgrund. Manchmal rückt das Leben und Philosophieren hinter dem Nähen mehr in den Hintergrund, manchmal darf es mehr Platz einnehmen. In meinem Blog möchte ich von Nähten, Tagen und Schritten erzählen, die ich mache, erlebe, bewältige und meistere. Es ist mein Weg und der Weg ist mein Ziel, auch für den Blog ;-) Mein Blogname naadisnaa (nach und nach) umschreibt eigentlich ganz gut, was das Bloggen für mich bedeutet.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen? Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt? 

Ich nähe und blogge zu 90% tagsüber – denn ich bin definitiv keine Eule und versuche relativ zeitig offline und in den Ruhemodus zu wechseln. Ich bin kein Nachtmensch und brauche sehr viel Schlaf. Daher hat mein Tag gefühlt einfach weniger Stunden, die für mehr reichen müssen: Familie, Kinder, Haushalt, Nähen, Bloggen, … Es ist immer wieder ein Balanceakt, eine Frage der Prioriätensetzung, wie ich alles unter einen Hut bzw. in die Stunden zwischen Frühstück und Abendessen bringe. Haushalt wird da immer mal wieder sträflich vernachlässigt, die Kinder machen ihre Hausaufgaben nicht selten neben bzw. zwischen meinen Nähmaschinen. Das Nähen und Bloggen gehört für mich inzwischen irgendwie zusammen, die Kombination ist sehr zeitintensiv – und stiehlt dann eher dem Leben 1.0 die Zeit.

Gerade wenn dann noch Probe- oder Designnähen, Blogtouren und „Abgabetermine“ anstehen, erhält das Bloggen eine Art Jobcharakter. Das ist auch okay so. Für mich stellt sich dadurch mehr die Frage nach Abgrenzung und Prioritätensetzung. Und so entscheide ich oft sehr situativ und intuitiv, was ich gerade mache – oder nicht. In der Zeiteinteilung bin ich relativ unstrukturiert und chaotisch, weiss aber inzwischen, dass ich so ticke – im Alltag, im Haushalt, beim Nähen und Bloggen – und so am effizientisten bin, auch wenn es zuweilen definitiv nicht danach aussieht. Und so fügt sich dann das meiste irgendwie und irgendwann. Alles stiehlt sich gegenseitig die Zeit und doch auch wieder nicht. Manchmal ist das für mich selbst am schwersten auszuhalten ;-) naadisnaa ist auch da Programm.

5. Was nähst Du alle selbst? Bist Du eher ein "Seflish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich?

 Ich nähe für die ganze Familie, am meisten wohl für mich, aber auch für unsere drei Töchter und sehr gerne für unseren Sohn und meinen Mann.



Ich mag diese Vielfalt und bin froh, dass ich so viele benähen darf. Ich nähe auch mal für den Freundeskreis und nähe für Freunde auf Anfrage auch schon mal auf Auftrag – je nach Lust und Zeit, was der Freundeskreis auch weiss und entsprechend Geduld hat. Ich nähe vieles selber oder hätte zumindest Lust, es bei Bedarf zu versuchen, Ausnahmen bestätigen die Regel. Mit der ersten selbstgenähten Jeans habe ich diesbezüglich eine grosse Hürde gemeistert, da ich immer der Überzeugung war, dass ich das nie selber nähen würde.

6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben? 

Nähen ist Ausgleich, Entspannung, manchmal auch Therapie, meine Form, mich kreativ auszutoben. In Kombination mit dem Bloggen ist es Vergnügen und Arbeit, mein Ding neben der Familie, und zu einem wichtigen Teil in meinem Leben geworden.



7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht? 

Ich bin tatsächlich eine, die Pro- und Kontra-Listen schreibt – um diese dann aber im Moment der Entscheidung zu ignorieren und den Bauch entscheiden zu lassen. Meine Erfahrung ist, wenn die Zeit reif ist, klärt sich die Frage meist von alleine und ich entscheide dann ganz intuitiv aus dem Bauch heraus – und es fühlt sich richtig an. Ich habe mir die Sinnfrage in Bezug aufs Bloggen tatsächlich auch schon gestellt, auch wenn mein Blog noch ein Baby ist. Solange es mir gelingt, meinen Weg zu gehen, wohin er auch führt, ich mir treu bleiben, Neues wagen kann und es mir Freude macht – und es mir nicht nur noch um Likes, Followers und Statistiken geht, werde ich naadisnaa in meinem Tempo und Stil weitermachen. Für mich gehört da auch dazu, auf das zu fokussieren, was ich habe, was ich kann, was ich an Möglichkeiten, Kontakten und kreativem Austausch gewinne und mir bewusst zu machen, dass ich nicht alles können und nicht für alle interessant sein muss. Ich bin ich, naadisnaa ist naadisnaa und das ist genau so gut. Und Schnecken ziehen sich auch mal in ihr Häuschen zurück – auch dies darf sein ;-)


Ich mag gerade deine unaufgeregte und authentische Art sehr und würde mich natürlich freuen, weiter von dir zu hören, lesen und sehen. Ich bin gespannt, wie dein Weg weitergeht.

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Kommentare:

  1. Da ist mir doch gerade eben in den Sinn gekommen, dass ich heute dran bin ;-) Vielen Dank für deine Einladung, liebe Sindy!
    Mit lieben Grüssen
    Kathrin

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  2. Ja, genau so ist es, Kathrin. Gut beschrieben, wo kann ich unterschreiben? :D

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  3. schön geschrieben! Ich danke Euch BEIDEN, Dir liebe Sindy für die Mühe und Kathrin für das sehr authentische Interview. Schön geschrieben und hin- und wieder erkenne ich mich auch!

    Einen dicken Sonntagsgruss
    Nicole / belleprairie

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  4. Liebe Kathrin
    Danke für deine offenen, authentischen Worte! Deine Texte sind immer wieder neu eine Bereicherung, laden zum Innehalten und Nachdenken ein.
    Merci!
    Liebe Grüsse
    Eveline

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  5. Wie gut, dass es das Bloggen gibt! Kathrin würde ich definitiv auch gerne mal persönlich treffen-für mich probegenäht hat sie ja schon. Dich kenn ich ja schon und das Blogbild von dir ist definitv authentisch gewesen. :D Ich persönlich finde es sehr wertvoll, denn ein Blog transportiert in jedem Falle mehr Menschliches/Zwischenmenschliches als Instagram & Co. Worte eben-und es überbrückt die Distanzen- magisch-es tut gut, irgendwie. Liebe Grüße von Nicole

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  6. Liebe Kathrin,
    ich kenne dich nicht persönlich, mochte bisher aber immer deine positive Ausstrahlung und nun, nach dem Interview bist du mir noch sympathischer geworden.
    Vielleicht klappt es ja bald mal und wir laufen uns persönlich über den Weg.

    Alles Liebe
    Paola

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  7. Liebe Kathrin, ich glaube, wir würden uns gut verstehen! ;o)
    Liebe Grüße,
    Jenny

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