Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Steffi von herzekleid erzählt

08:52 Mein gewisses Etwas 7 Comments


Guten Morgen, Ihr Lieben!

Habt Ihr schon bemerkt, dass ich mich leise zurück ins Blogleben geschlichen habe? Wahrscheinlich war wirklich einfach nur eine kleine Pause nötig - aber dazu an anderer Stelle mehr.

Der heutige Beitrag gehört ganz allein und mit ganzer Aufmerksamkeit Steffi und ihrem Blog herzekleid.

Wenn ich Steffis Beiträge lese, dann habe ich immer das Gefühl, dass ich gerade mit einem Kaffee neben einer lieben Freundin sitze und wir einen schönen Nachmittag miteinander verbringen. Ja, Steffi ist eine dieser Menschen, bei denen es mir sehr schwer fällt, dass eine so hohe räumliche Distanz zwischen uns liegt. Wären es unter 100km, ich wäre regelmäßig auf einen Kaffee bei ihr.

Hinzu kommt, dass ich tatsächlich nahezu alle gezeigten Sachen auch so anziehen würde. Es gab schon Situationen auf Instagram, dass meine liebste  Freundin dachte, ich hätte ein Outfit genäht, bei dem sich später rausstellte, dass es eigentlich Steffis Account war.

Meine Mädels lassen mir wieder mehr Zeit, ich plane wieder kleine und große Ausflüge und ganz oben steht ein Besuch in Österreich. Vielleicht verschlägt es uns nächstes Jahr im Urlaub wieder einmal in die Gegend und wir schaffen es endlich. Denn ich mag gar nicht daran denken, dass wir vor 4 Jahren ca. 30km von Steffi entfernt Urlaub machten und Steffi gerade in dieser Woche auch im Urlaub war. Das war sooo ein blödes Timing ..

Nun aber entspannt zurückgelehnt, Kaffee/Tee in die Hand und Steffis Antworten genossen.

Hab vielen lieben Dank für Deine Zeit und die authentischen, langen Antworten.

Ich drück Dich herzlich aus der Ferne, liebe Steffi!


1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen? 

Ich bin Steffi, bin 35 Jahre alt, und lebe mit meiner Familie in Österreich. Meine Kinder sind acht und bald vier Jahre alt. Ich arbeite momentan selbständig von zu Hause aus, ich habe ein kleines Label, erstelle Schnittmuster, führe einen Online-Shop. Meine Arbeitszeiten sind dabei sehr variabel und können und müssen sich auch dem restlichen (Familien-)Leben anpassen. Denn außerdem bin ich Vollzeit-Mama, ganz bewusst und sehr gerne. Neben dem Nähen und Bloggen habe ich noch viele Interessen. Auch wenn ich ein introvertierter und ruhiger Mensch bin, ist es in mir so gut wie nie still, ich habe ständig Ideen und arbeite immer an endlos vielen Projekten. Handarbeit und Handwerk interessieren mich sehr und ich würde noch sehr gerne so vieles ausprobieren. Neben dem Nähen versuche ich gerade, meine Strickkenntnisse zu erweitern, außerdem möchte ich mich unbedingt mehr mit Drucktechniken, Stempeln/Schablonen, mit Mustern und Textildesign beschäftigen. Färbetechniken auszuprobiern, fände ich auch toll, und irgendwann schaffe ich es vielleicht, mich endlich mal wieder dem Buchbinden oder dem Zeichnen zu widmen. Und ich lese wirklich sehr gerne! Backen und Kochen machen mir auch Spaß. Außerdem zieht es mich, sobald es irgendwie geht, (mit meinen Liebsten) in die Natur, in den Wald, in die Berge. So richtig glücklich bin ich irgendwo im Wald, nur wir vier, auf Abenteuer-Expedition. Langweilig ist mir jedenfalls so gut wie nie.

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht? 

Nähen fand ich immer schon gut – weil ich gerne Kleidung nach meinen eigenen Vorstellungen tragen wollte – aber wirklich damit angefangen habe ich erst vor einigen Jahren. Etwa zeitgleich hatte ich durch Zufall Nähblogs entdeckt, zuerst englischsprachige. Ich wusste zuerst gar nicht, dass es so etwas gibt, war aber gleich sehr begeistert davon, dass es da Leute gibt, die Tutorials machen und Schnitte anbieten, ihre Werke präsentieren und Tipps und Tricks austauschen. Irgendwann hat dann mein Mann gemeint, dass ich das genauso gut kann, und plötzlich hatte ich ein Blog und hab einfach mal so drauflos geschrieben, anfangs auch noch mit sehr gemischten Themen, erst später kam die Entwicklung zum Näh-Blog.



Was das Nähen für mich besonders macht? Warum ich das Nähen liebe? Darüber könnte ich so endlos lange erzählen, das würde den Rahmen hier sprengen. Aber, im Versuch einer Kurzfassung:

Ich liebe es, Einzelstücke nach meinen Vorstellungen herzustellen, für mich, für uns, nach meinen Ideen, mit meinen Händen, durch meine Arbeit. Ich mag es, mit schönen Materialien zu arbeiten, mit Farben, Mustern, Stoffkombinationen, Formen und Schnitten zu spielen. Ich liebe den kreativen Prozess, wenn ein Nähwerk entsteht – ja, natürlich freue ich mich über ein gelungenes Resultat, aber auch das Nähen (und Schnitt erstellen) an sich macht mir große Freude. Wenn ich Kleidung für mich selber nähe, betrachte ich einen Schnitt meist nur als Ausgangspunkt – wie das fertige Kleidungsstück aussieht, wird erst während des Nähens entschieden, ich mache Anproben und Änderungen, füge hier noch was dazu oder schneide doch noch was ab... Dieses – etwas großspurig ausgedrückt - „Schöpferische“ ist es, was mich beim Nähen am meisten fasziniert.


Ja, ich nähe auch bewährte Schnitte ohne große Experimente immer wieder und inzwischen sozusagen „im Schlaf“, aber selbst dieses „Runternähen“ macht mir Freude. Ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, denn, was ich nähe, wird normalerweise von uns benutzt und gebraucht. Außerdem kann ich beim Nähen entspannen, ich kann abschalten, ich kann ganz konzentriert und fokusiert sein, ich kann ganz bei mir sein, ich kann aber auch meine Gedanken schweifen lassen und Platz machen für neue Ideen. Also ja, ich würde sagen, Nähen ist mir wichtiger als Bloggen. Trotzdem mag ich auch das! Am Anfang war beim Bloggen vor allem das Feedback der Leser sehr spannend und motivierend – das ist auch jetzt noch so. Ich finde es einfach gut, wenn jemand sich die Mühe macht, ein paar wertschätzende oder auch konstruktiv kritische Worte zu hinterlassen. Außerdem weiß ich die Kontakte und die Vernetzung hinter den Kulissen sehr zu schätzen. Ich habe über das Bloggen einige Frauen kennengelernt, die ich einfach nicht mehr missen möchte, da sind richtige Freundschaften entstanden. Der gegenseitige Austausch kann sehr inspirierend sein und ich finde es sehr spannend, wenn immer wieder Gemeinschaftsprojekte entstehen. Nicht immer ist die Blogwelt aber eine so heile Welt – ich versuche allerdings, für mich das herauszuholen, was mich weiterbringt und den Rest nicht so stark an mich heranzulassen.

3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel?

Anfangs habe ich mein Blog rein privat geführt und auch ohne ein großes Ziel. Ich wollte gerne meine Erfahrungen mit dem Nähen mit jemandem teilen und Feedback erhalten. Schon immer wollte ich auch das, was ich weiß oder gelernt habe, weitergeben, Anleitungen schreiben usw. Später sind mein Label und mein Shop dazugekommen und auch dieser Bereich hat einen Platz auf meinem Blog bekommen. Allerdings würde ich herzekleid auch jetzt nicht als rein geschäftlich bezeichnen. Ich berichte zwar z.B. über meine Schnittmuster, diese sind eben ein Teil des Ganzen, ich zeige aber auch viele andere Sachen, die gar nichts damit zu tun haben.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen?  Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt?

Beim Nähen und Bloggen vermischen sich bei mir Berufliches und Privates. Seit etwa einem Jahr geht unser Sohn vormittags in den Kindergarten, unsere Tochter geht in die Schule. Das heißt, ich kann (wenn nicht gerade wie jetzt Ferien sind) einen Teil der Arbeit, die ich vorher so gut wie nur abends gemacht habe, ungestört und (halbwegs) ausgeschlafen am Vormittag erledigen. Ich halte es so, dass ich meist vormittags alle „geschäftlichen“ Dinge erledige – Arbeit an Schnittmustern und E-Books, Betreuung des Shops, Beantworten von Kundenanfragen, Buchhaltung usw. Auch das Nähen von Designbeispielen oder Teststücken gehört dazu und oft auch das Bloggen.


 Abends, wenn nicht noch Arbeit übrig geblieben ist, genieße ich dann das „private Nähen“, also das Nähen für mich oder auch meine Kinder. Ich nähe nicht jeden Abend – aber doch an vielen. Natürlich vermischt und verschiebt und überschneidet sich das Ganze auch oft. Manchmal nähe ich auch tagsüber, zwischendurch, wenn sich die Gelegenheit gerade ergibt, wenn auch vielleicht nur für 10 Minuten. Ich habe meine Nähsachen in unserem Arbeitszimmer immer griffbereit und irgendein Projekt ist immer in Arbeit. Und ja, ich gestehe, manchmal fühlt es sich schon so an, dass das Bloggen dem Nähen die Zeit stiehlt. Oft gebe ich dem Nähen dann den Vorzug. Deshalb dokumentiere ich auch nicht alles, was ich nähe, auf dem Blog, oder zeige Sachen manchmal erst sehr viel später.

5. Was nähst Du alle selbst? Bist Du eher ein "Seflish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich?

Ich denke, es hält sich die Waage – ich nähe sowohl für mich als auch für meine Kinder (mein Mann wurde bisher nur ein Einzelfällen beglückt), und beides mag ich auch gleich gerne. Meine Garderobe besteht inzwischen fast gänzlich aus selbstgenähten Kleidungsstücken. Das hat sich eigentlich von selbst so ergeben, denn Nähen macht mir einfach viel mehr Spaß als Shoppen. Ich habe mir zwar kein Kaufverbot o.ä. auferlegt, aber es reizt mich gar nicht mehr, Kleidung einkaufen zu gehen. Beim Nähen suche ich inzwischen auch die Herausforderungen: Schnelle T-Shirts nähen ist super, aber kompliziertere Sachen und größere Projekte finde ich besonders spannend. Ich versuche, meine selbstgenähte Garderobe gut zu planen und mir Zeit dafür zu nehmen, mit Sorgfalt zu arbeiten. Für meine Kinder nähe ich auch sehr viel von dem, was sie brauchen, fast alles eigentlich. Hier kaufe ich aber auch manche Stücke, und wir kriegen auch immer wieder mal was geschenkt. Was ich nicht nähen mag - hier und auch bei Kleidung für mich – sind Sachen, für die sich der Aufwand für mich nicht lohnt bzw. die Materialkosten und die Mühe, das Material zu beschaffen größer sind als der Nutzen für uns. (Stichwort: Schneeanzug, Bikini...)

6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben? 

Ich glaube, diese Frage habe ich weiter oben schon mitbeantwortet. Ja, das Nähen ist wichtig für mich zu diesem Zeitpunkt meines Lebens (es gibt aber Wichtigeres) und es ist oft eines der Dinge, die mich glücklich machen. Das Bloggen hat für mich eher den Stellenwert einer „positiven Begleiterscheinung“.



7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht?

Alles, was über längere Zeit Druck und Stress verursacht, ist schlecht. Vor allem ein Hobby darf nicht zur Belastung werden. Wenn sich das Bloggen wie ein Zwang anfühlt, dann lass es sein und mach Dich frei davon. Ansonsten, wie Du es gerade tust: Luft holen. Eine Pause einlegen, so lange, wie nötig. Mal nachfühlen, ob Du etwas vermisst. Wenn dann doch der Spaß und die positiven Seiten überwiegen, dann mach „Dein Ding“, in Deinem Rhythmus, mit Deinen Themen, so lange und so oft Du willst.

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Kommentare:

  1. Anonym14/8/16

    Danke für diesen schönen Beitrag, Steffi; danke, Cindy, für diese tolle Runde. Ich lese sie so gerne, entdecke Neues und Bekanntes, lasse mich von dem einen oder anderen inspirieren und schätze die verschiedenen, oft ähnlichen, aber auch unterschiedlichen Antworten der Bloggerinnen.
    Wie schön, dass dieser Blog lebendig bleibt!
    Mit liebem Gruß
    Regina

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  2. Ja. Ich habe es bemerkt, dass der Blog wieder lebt. Freue mich darüber. Herzekleid mag ich auch gern. Glaube, dass Ihr Euch gut versteht. Interessant zu lesen. Ich liebe lesen und oft verliere ich mich beim Lesen und nähe dann wieder nicht... Viele Grüsse

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    1. Das nehme ich dir sofort ab ;-) möchte deine Kommentare aber keinesfalls missen

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  3. Liebe Sindy, Danke noch mal für die Einladung! Und WIE würde ich mich freuen, wenn wir uns tatsächlich mal treffen könnten! :-)
    Alles Liebe, Steffi

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  4. Jetzt habe ich die Woche schön begonnen mit diesem Sonntagsbeitrag- danke euch beiden;-) und: ich bin gespannt, was du, liebe Steffi, für den Herbst/Winter bereithältst- an neuen Ideen, an Schnittmustern und mehr... LG Miriam "Mecki macht"

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  5. Liebe Steffi, liebe Cindy!
    Vielen Dank für die Einblicke! Ich habe es sehr gerne gelesen und ich wüsche euch viel Spaß für eine mögliches Treffen!
    Gruß, R

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  6. Ein schöner Blog und so viele gute Ideen und Impressionen, viele Grüße, Kathi

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