Kimono Tee mit Lieblingsstoffen von Art Gallery Fabrics

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor 7 Jahren aktiv zu nähen begann und regelmäßig an dem mehr als überschaubaren Angebot an schlichten Stoffen scheiterte. Ich investierte viel Zeit, diverse Online-Shops zu durchsuchen und schlug sofort zu, sobald ich einen Stoff sah, der endlich mal aus der kindlichen und altbackenen Masse herausstach.

Wenn ich in die lokalen Geschäfte ging, ging ich früchterlich enttäuscht wieder raus. Überall nur Gardinen und Oma-Stoffe. Fragte ich nach Jersey, schauten mich die Ladenbesitzer groß an und waren felsenfest davon überzeugt, dass sich dieser "Trend" nicht durchsetzen würde. Overlock? Nee, sie nähen jetzt seit 20 Jahren professionell und ne Overlock haben sie noch nie gebraucht.

Dass sich die Zeiten dann allmählich änderten, erkannte ich an dem immer schneller wachsenden Stoffstapel. Plötzlich musste ich nicht immer sofort zuschlagen, sondern konnte aus mehreren Favoriten auswählen. Schöne dezente Muster. Wundervolle Farben. Und eine tolle Stoffqualität. Ich war/bin ja gar nicht soooo anspruchsvoll ...

Zwar muss ich für ein lokales Geschäft mit Stoffen nach meinem Geschmack immer noch eine Stunde fahren, aber dort bin ich dann wirklich auch im Paradies angekommen. In Arnstadt bekommt man vom Plastik-Faschingsstoff über schönste Birch-Stoffe einfach alles, was das Nähnerd-Herz begehrt.

Mittlerweile ist mein Stoffregal also gut gefüllt. Es liegen noch mindestens 6 schöne Jerseys bereit, die ich für neue Shirts vorgesehen habe und auch an Baumwollstoffen und Sweats ist noch genügend vorhanden.

Als ich dann letztens so durch meine Jerseys stöberte, um mir ein neues Shirt zu nähen, fiel mir auf, dass ich unwissentlich fast nur von einem Anbieter gekauft hatte: Art Gallery Fabrics.

Oooooooooohjaaaaaaaaa, das sind genau meine Farben und Muster. Wenn ich in Online-Shops direkt nach diesem Hersteller suche, quillt der Warenkorb am Ende über und ich muss ganz tapfer aussortieren, dass wir am Ende das Monats noch Geld für Essen haben.

Als es vor ein paar Wochen noch so brütend heiß war, nahm ich mir endlich zwei meiner schönsten AGF-Stoffe und nähte mir zwei schnelle Kimono-Shirts von dem Schnitt von Maria Denmark.


Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich wirklich der Typ für überschnittene Ärmel bin, aber es ist definitiv tragbar.

Bei dieser Variante habe ich den Ausschnitt vergrößert und ungesäumt gelassen. Der Stoff ist wunderbar dafür geeignet und fällt schön lässig, ohne sich einzurollen. Ich mag diese Frische und Leichtigkeit. Ein wahrer Sommer- und gute Laune Stoff.

Dieses Shirt habe ich mir an meinem letzten Urlaubstag kurz vor einem gemeinsamen Abendessen mit Bekannten genäht. 15 Uhr habe ich angefangen zuzuschneiden. 16:15 Uhr habe ich mit dem neuen Shirt das Haus verlassen. Perfekt!


Die zweite (eigentlich erste, zeitlich gesehen) habe ich für unseren Ausflug in den Leipziger Zoo genäht. Der Stoff liegt schon ein bisschen länger. Bei solch Lieblingsstoffen fällt es mir immer sehr schwer, sie anzuschneiden, aber das geht Euch bestimmt auch so, oder?

Bei dieser Variante ist der Ausschnitt nicht vergrößert und gesäumt. Und mit den gedeckten Farben sieht das Kimono-Shirt gleich viel anders aus.



Ich hatte überlegt, noch weitere schnelle Shirts aus diesem Schnitt zu nähen, hab mich dann aber erst einmal gebremst. Mein Kleiderschrank ist gut gefüllt. Eigentlich brauche ich erst einmal keine Sommershirts mehr. Lieber schaue ich mich jetzt auf den Herbst um, welche schöne Schnitte es noch mit 3/4 Ärmeln und langen Ärmeln gibt.

Mit meinen zwei Shirts hüpfe ich heute endlich mal wieder rüber zum CreaDienstag und zu HandmadeOnTuesday.

Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Kathrin von naadisnaa erzählt


Guten Morgen, Ihr Lieben.

habt Ihr auch das Gefühl, dass die Näh-Bloggerwelt unaufhörlich wächst? Es werden immer wieder neue Blogs ins Leben gerufen, die dann ihre Zeit brauchen, sich zu entwickeln und bekannt zu werden.

Anders bei meinem heutigen Gast. Kathrin rief ihren Blog naadisnaa erst vor kurzem ins Leben und war schon gefühlt über Nacht ein bedeutender Teil der "Nähblogger-Szene". Man sah sie überall. Immer mit den schönsten Nähergebnissen. Farbenfroh und doch nicht überladen. Beeindruckend, wie sie ihren (authentischen) Weg geht.

Liebe Katrin, ich freue mich, Dich heute hier zu Besuch zu haben. Deine Antworten sind so symphatisch, dass ich mich noch mehr darauf freue, Dir bald einmal persönlich gegenüber zu stehen. Ich bin sehr gespannt, wohin Dich Dein Bloggerweg noch verschlägt. Egal, wie es wird, ich bin mir sicher, dass es ganz großartig wird!

1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen? 

Ich bin Kathrin, lebe zusammen mit meinem Mann und unseren vier Kindern in der Nähe von Zürich.

Ich manage den Familienalltag, arbeite also quasi rund um die Uhr, dafür mit vielen Freiheiten, die ich z.B. fürs Nähen und Bloggen nutze oder um zu lesen, zu basteln, draussen zu sein, zu philosophieren und diskutieren. Das Nähen und Bloggen ist in den letzten Monaten vom reinen Hobby immer mehr zu einem eigenen Bereich, ähnlich einem Teilzeitjob, neben der Familienarbeit geworden – so dass ich inzwischen bewusst Zeiten ohne Nähen und Bloggen planen muss und will.

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht?

Ich habe mich schon immer gerne kreativ betätigt – aber irgendwie habe ich dies immer wieder vernachlässigt. Eine schwere persönliche Krise hat mich zu meiner Kreativität zurückgebracht und ich habe bewusst angefangen, dieser Raum zu geben. Bei einer Freundin sah ich dann ein selbstgenähtes Täschchen, und weil ich das so toll fand, dachte ich, das schaffe ich auch. Naadisnaa sind so kleine Sachen wie Täschchen etc. entstanden, irgendwann ein erstes Shirt für den Sohn und ein paar Beanies für die Rasselbande. Hätte mir vor zwei drei Jahren jemand gesagt, dass heute ein Grossteil meiner Garderobe selbstgenäht ist, hätte ich ihn wohl für verrückt erklärt. Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich dann meinen Instagram-Account aktiviert, um mich zu vernetzen und aktiv in der virtuellen Nähwelt mitzutun – und dann ging alles ziemlich schnell. Die Idee zum Blog trug ich schon länger mit mir herum, letzten Herbst war die Idee dann so reif, dass sie anfing, Gestalt anzunehmen. Inzwischen bin ich mit meiner Blog-Schnecke seit einem halben Jahr unterwegs. Diese Reise ist spannend, aufregend, schön, aber manchmal auch anstrengend und herausfordernd. Nähen und Bloggen hat für mich auch viel damit zu tun, dass und wie ich meinen Weg suche und finde. Ich kann dadurch viele Dinge, die in mir drin sind, ausleben und mich in ihnen ausprobieren: meine Kreativität, den sozialen Austausch, das Schreiben.

3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel? 

Die Idee des Bloggens trug ich ja schon länger mit mir herum, eigentlich schon bevor ich mit dem Nähen angefangen hatte. Motivation dahinter war, meine Erfahrungen zu teilen, auch mich hinzustellen und zu sagen, das bin ich, und meiner Erkrankung (Postpartale Depression) ein Gesicht zu geben. Auch wenn die Idee zum Blog dann erst mit dem Nähen spruchreif wurde, so ist das Heraustreten aus dem stillen Kämmerlein und aktiv von meinem Weg zu berichten immer noch ein Motivationsgrund. Manchmal rückt das Leben und Philosophieren hinter dem Nähen mehr in den Hintergrund, manchmal darf es mehr Platz einnehmen. In meinem Blog möchte ich von Nähten, Tagen und Schritten erzählen, die ich mache, erlebe, bewältige und meistere. Es ist mein Weg und der Weg ist mein Ziel, auch für den Blog ;-) Mein Blogname naadisnaa (nach und nach) umschreibt eigentlich ganz gut, was das Bloggen für mich bedeutet.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen? Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt? 

Ich nähe und blogge zu 90% tagsüber – denn ich bin definitiv keine Eule und versuche relativ zeitig offline und in den Ruhemodus zu wechseln. Ich bin kein Nachtmensch und brauche sehr viel Schlaf. Daher hat mein Tag gefühlt einfach weniger Stunden, die für mehr reichen müssen: Familie, Kinder, Haushalt, Nähen, Bloggen, … Es ist immer wieder ein Balanceakt, eine Frage der Prioriätensetzung, wie ich alles unter einen Hut bzw. in die Stunden zwischen Frühstück und Abendessen bringe. Haushalt wird da immer mal wieder sträflich vernachlässigt, die Kinder machen ihre Hausaufgaben nicht selten neben bzw. zwischen meinen Nähmaschinen. Das Nähen und Bloggen gehört für mich inzwischen irgendwie zusammen, die Kombination ist sehr zeitintensiv – und stiehlt dann eher dem Leben 1.0 die Zeit.

Gerade wenn dann noch Probe- oder Designnähen, Blogtouren und „Abgabetermine“ anstehen, erhält das Bloggen eine Art Jobcharakter. Das ist auch okay so. Für mich stellt sich dadurch mehr die Frage nach Abgrenzung und Prioritätensetzung. Und so entscheide ich oft sehr situativ und intuitiv, was ich gerade mache – oder nicht. In der Zeiteinteilung bin ich relativ unstrukturiert und chaotisch, weiss aber inzwischen, dass ich so ticke – im Alltag, im Haushalt, beim Nähen und Bloggen – und so am effizientisten bin, auch wenn es zuweilen definitiv nicht danach aussieht. Und so fügt sich dann das meiste irgendwie und irgendwann. Alles stiehlt sich gegenseitig die Zeit und doch auch wieder nicht. Manchmal ist das für mich selbst am schwersten auszuhalten ;-) naadisnaa ist auch da Programm.

5. Was nähst Du alle selbst? Bist Du eher ein "Seflish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich?

 Ich nähe für die ganze Familie, am meisten wohl für mich, aber auch für unsere drei Töchter und sehr gerne für unseren Sohn und meinen Mann.



Ich mag diese Vielfalt und bin froh, dass ich so viele benähen darf. Ich nähe auch mal für den Freundeskreis und nähe für Freunde auf Anfrage auch schon mal auf Auftrag – je nach Lust und Zeit, was der Freundeskreis auch weiss und entsprechend Geduld hat. Ich nähe vieles selber oder hätte zumindest Lust, es bei Bedarf zu versuchen, Ausnahmen bestätigen die Regel. Mit der ersten selbstgenähten Jeans habe ich diesbezüglich eine grosse Hürde gemeistert, da ich immer der Überzeugung war, dass ich das nie selber nähen würde.

6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben? 

Nähen ist Ausgleich, Entspannung, manchmal auch Therapie, meine Form, mich kreativ auszutoben. In Kombination mit dem Bloggen ist es Vergnügen und Arbeit, mein Ding neben der Familie, und zu einem wichtigen Teil in meinem Leben geworden.



7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht? 

Ich bin tatsächlich eine, die Pro- und Kontra-Listen schreibt – um diese dann aber im Moment der Entscheidung zu ignorieren und den Bauch entscheiden zu lassen. Meine Erfahrung ist, wenn die Zeit reif ist, klärt sich die Frage meist von alleine und ich entscheide dann ganz intuitiv aus dem Bauch heraus – und es fühlt sich richtig an. Ich habe mir die Sinnfrage in Bezug aufs Bloggen tatsächlich auch schon gestellt, auch wenn mein Blog noch ein Baby ist. Solange es mir gelingt, meinen Weg zu gehen, wohin er auch führt, ich mir treu bleiben, Neues wagen kann und es mir Freude macht – und es mir nicht nur noch um Likes, Followers und Statistiken geht, werde ich naadisnaa in meinem Tempo und Stil weitermachen. Für mich gehört da auch dazu, auf das zu fokussieren, was ich habe, was ich kann, was ich an Möglichkeiten, Kontakten und kreativem Austausch gewinne und mir bewusst zu machen, dass ich nicht alles können und nicht für alle interessant sein muss. Ich bin ich, naadisnaa ist naadisnaa und das ist genau so gut. Und Schnecken ziehen sich auch mal in ihr Häuschen zurück – auch dies darf sein ;-)


Ich mag gerade deine unaufgeregte und authentische Art sehr und würde mich natürlich freuen, weiter von dir zu hören, lesen und sehen. Ich bin gespannt, wie dein Weg weitergeht.

Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Steffi von herzekleid erzählt


Guten Morgen, Ihr Lieben!

Habt Ihr schon bemerkt, dass ich mich leise zurück ins Blogleben geschlichen habe? Wahrscheinlich war wirklich einfach nur eine kleine Pause nötig - aber dazu an anderer Stelle mehr.

Der heutige Beitrag gehört ganz allein und mit ganzer Aufmerksamkeit Steffi und ihrem Blog herzekleid.

Wenn ich Steffis Beiträge lese, dann habe ich immer das Gefühl, dass ich gerade mit einem Kaffee neben einer lieben Freundin sitze und wir einen schönen Nachmittag miteinander verbringen. Ja, Steffi ist eine dieser Menschen, bei denen es mir sehr schwer fällt, dass eine so hohe räumliche Distanz zwischen uns liegt. Wären es unter 100km, ich wäre regelmäßig auf einen Kaffee bei ihr.

Hinzu kommt, dass ich tatsächlich nahezu alle gezeigten Sachen auch so anziehen würde. Es gab schon Situationen auf Instagram, dass meine liebste  Freundin dachte, ich hätte ein Outfit genäht, bei dem sich später rausstellte, dass es eigentlich Steffis Account war.

Meine Mädels lassen mir wieder mehr Zeit, ich plane wieder kleine und große Ausflüge und ganz oben steht ein Besuch in Österreich. Vielleicht verschlägt es uns nächstes Jahr im Urlaub wieder einmal in die Gegend und wir schaffen es endlich. Denn ich mag gar nicht daran denken, dass wir vor 4 Jahren ca. 30km von Steffi entfernt Urlaub machten und Steffi gerade in dieser Woche auch im Urlaub war. Das war sooo ein blödes Timing ..

Nun aber entspannt zurückgelehnt, Kaffee/Tee in die Hand und Steffis Antworten genossen.

Hab vielen lieben Dank für Deine Zeit und die authentischen, langen Antworten.

Ich drück Dich herzlich aus der Ferne, liebe Steffi!


1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen? 

Ich bin Steffi, bin 35 Jahre alt, und lebe mit meiner Familie in Österreich. Meine Kinder sind acht und bald vier Jahre alt. Ich arbeite momentan selbständig von zu Hause aus, ich habe ein kleines Label, erstelle Schnittmuster, führe einen Online-Shop. Meine Arbeitszeiten sind dabei sehr variabel und können und müssen sich auch dem restlichen (Familien-)Leben anpassen. Denn außerdem bin ich Vollzeit-Mama, ganz bewusst und sehr gerne. Neben dem Nähen und Bloggen habe ich noch viele Interessen. Auch wenn ich ein introvertierter und ruhiger Mensch bin, ist es in mir so gut wie nie still, ich habe ständig Ideen und arbeite immer an endlos vielen Projekten. Handarbeit und Handwerk interessieren mich sehr und ich würde noch sehr gerne so vieles ausprobieren. Neben dem Nähen versuche ich gerade, meine Strickkenntnisse zu erweitern, außerdem möchte ich mich unbedingt mehr mit Drucktechniken, Stempeln/Schablonen, mit Mustern und Textildesign beschäftigen. Färbetechniken auszuprobiern, fände ich auch toll, und irgendwann schaffe ich es vielleicht, mich endlich mal wieder dem Buchbinden oder dem Zeichnen zu widmen. Und ich lese wirklich sehr gerne! Backen und Kochen machen mir auch Spaß. Außerdem zieht es mich, sobald es irgendwie geht, (mit meinen Liebsten) in die Natur, in den Wald, in die Berge. So richtig glücklich bin ich irgendwo im Wald, nur wir vier, auf Abenteuer-Expedition. Langweilig ist mir jedenfalls so gut wie nie.

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht? 

Nähen fand ich immer schon gut – weil ich gerne Kleidung nach meinen eigenen Vorstellungen tragen wollte – aber wirklich damit angefangen habe ich erst vor einigen Jahren. Etwa zeitgleich hatte ich durch Zufall Nähblogs entdeckt, zuerst englischsprachige. Ich wusste zuerst gar nicht, dass es so etwas gibt, war aber gleich sehr begeistert davon, dass es da Leute gibt, die Tutorials machen und Schnitte anbieten, ihre Werke präsentieren und Tipps und Tricks austauschen. Irgendwann hat dann mein Mann gemeint, dass ich das genauso gut kann, und plötzlich hatte ich ein Blog und hab einfach mal so drauflos geschrieben, anfangs auch noch mit sehr gemischten Themen, erst später kam die Entwicklung zum Näh-Blog.



Was das Nähen für mich besonders macht? Warum ich das Nähen liebe? Darüber könnte ich so endlos lange erzählen, das würde den Rahmen hier sprengen. Aber, im Versuch einer Kurzfassung:

Ich liebe es, Einzelstücke nach meinen Vorstellungen herzustellen, für mich, für uns, nach meinen Ideen, mit meinen Händen, durch meine Arbeit. Ich mag es, mit schönen Materialien zu arbeiten, mit Farben, Mustern, Stoffkombinationen, Formen und Schnitten zu spielen. Ich liebe den kreativen Prozess, wenn ein Nähwerk entsteht – ja, natürlich freue ich mich über ein gelungenes Resultat, aber auch das Nähen (und Schnitt erstellen) an sich macht mir große Freude. Wenn ich Kleidung für mich selber nähe, betrachte ich einen Schnitt meist nur als Ausgangspunkt – wie das fertige Kleidungsstück aussieht, wird erst während des Nähens entschieden, ich mache Anproben und Änderungen, füge hier noch was dazu oder schneide doch noch was ab... Dieses – etwas großspurig ausgedrückt - „Schöpferische“ ist es, was mich beim Nähen am meisten fasziniert.


Ja, ich nähe auch bewährte Schnitte ohne große Experimente immer wieder und inzwischen sozusagen „im Schlaf“, aber selbst dieses „Runternähen“ macht mir Freude. Ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, denn, was ich nähe, wird normalerweise von uns benutzt und gebraucht. Außerdem kann ich beim Nähen entspannen, ich kann abschalten, ich kann ganz konzentriert und fokusiert sein, ich kann ganz bei mir sein, ich kann aber auch meine Gedanken schweifen lassen und Platz machen für neue Ideen. Also ja, ich würde sagen, Nähen ist mir wichtiger als Bloggen. Trotzdem mag ich auch das! Am Anfang war beim Bloggen vor allem das Feedback der Leser sehr spannend und motivierend – das ist auch jetzt noch so. Ich finde es einfach gut, wenn jemand sich die Mühe macht, ein paar wertschätzende oder auch konstruktiv kritische Worte zu hinterlassen. Außerdem weiß ich die Kontakte und die Vernetzung hinter den Kulissen sehr zu schätzen. Ich habe über das Bloggen einige Frauen kennengelernt, die ich einfach nicht mehr missen möchte, da sind richtige Freundschaften entstanden. Der gegenseitige Austausch kann sehr inspirierend sein und ich finde es sehr spannend, wenn immer wieder Gemeinschaftsprojekte entstehen. Nicht immer ist die Blogwelt aber eine so heile Welt – ich versuche allerdings, für mich das herauszuholen, was mich weiterbringt und den Rest nicht so stark an mich heranzulassen.

3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel?

Anfangs habe ich mein Blog rein privat geführt und auch ohne ein großes Ziel. Ich wollte gerne meine Erfahrungen mit dem Nähen mit jemandem teilen und Feedback erhalten. Schon immer wollte ich auch das, was ich weiß oder gelernt habe, weitergeben, Anleitungen schreiben usw. Später sind mein Label und mein Shop dazugekommen und auch dieser Bereich hat einen Platz auf meinem Blog bekommen. Allerdings würde ich herzekleid auch jetzt nicht als rein geschäftlich bezeichnen. Ich berichte zwar z.B. über meine Schnittmuster, diese sind eben ein Teil des Ganzen, ich zeige aber auch viele andere Sachen, die gar nichts damit zu tun haben.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen?  Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt?

Beim Nähen und Bloggen vermischen sich bei mir Berufliches und Privates. Seit etwa einem Jahr geht unser Sohn vormittags in den Kindergarten, unsere Tochter geht in die Schule. Das heißt, ich kann (wenn nicht gerade wie jetzt Ferien sind) einen Teil der Arbeit, die ich vorher so gut wie nur abends gemacht habe, ungestört und (halbwegs) ausgeschlafen am Vormittag erledigen. Ich halte es so, dass ich meist vormittags alle „geschäftlichen“ Dinge erledige – Arbeit an Schnittmustern und E-Books, Betreuung des Shops, Beantworten von Kundenanfragen, Buchhaltung usw. Auch das Nähen von Designbeispielen oder Teststücken gehört dazu und oft auch das Bloggen.


 Abends, wenn nicht noch Arbeit übrig geblieben ist, genieße ich dann das „private Nähen“, also das Nähen für mich oder auch meine Kinder. Ich nähe nicht jeden Abend – aber doch an vielen. Natürlich vermischt und verschiebt und überschneidet sich das Ganze auch oft. Manchmal nähe ich auch tagsüber, zwischendurch, wenn sich die Gelegenheit gerade ergibt, wenn auch vielleicht nur für 10 Minuten. Ich habe meine Nähsachen in unserem Arbeitszimmer immer griffbereit und irgendein Projekt ist immer in Arbeit. Und ja, ich gestehe, manchmal fühlt es sich schon so an, dass das Bloggen dem Nähen die Zeit stiehlt. Oft gebe ich dem Nähen dann den Vorzug. Deshalb dokumentiere ich auch nicht alles, was ich nähe, auf dem Blog, oder zeige Sachen manchmal erst sehr viel später.

5. Was nähst Du alle selbst? Bist Du eher ein "Seflish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich?

Ich denke, es hält sich die Waage – ich nähe sowohl für mich als auch für meine Kinder (mein Mann wurde bisher nur ein Einzelfällen beglückt), und beides mag ich auch gleich gerne. Meine Garderobe besteht inzwischen fast gänzlich aus selbstgenähten Kleidungsstücken. Das hat sich eigentlich von selbst so ergeben, denn Nähen macht mir einfach viel mehr Spaß als Shoppen. Ich habe mir zwar kein Kaufverbot o.ä. auferlegt, aber es reizt mich gar nicht mehr, Kleidung einkaufen zu gehen. Beim Nähen suche ich inzwischen auch die Herausforderungen: Schnelle T-Shirts nähen ist super, aber kompliziertere Sachen und größere Projekte finde ich besonders spannend. Ich versuche, meine selbstgenähte Garderobe gut zu planen und mir Zeit dafür zu nehmen, mit Sorgfalt zu arbeiten. Für meine Kinder nähe ich auch sehr viel von dem, was sie brauchen, fast alles eigentlich. Hier kaufe ich aber auch manche Stücke, und wir kriegen auch immer wieder mal was geschenkt. Was ich nicht nähen mag - hier und auch bei Kleidung für mich – sind Sachen, für die sich der Aufwand für mich nicht lohnt bzw. die Materialkosten und die Mühe, das Material zu beschaffen größer sind als der Nutzen für uns. (Stichwort: Schneeanzug, Bikini...)

6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben? 

Ich glaube, diese Frage habe ich weiter oben schon mitbeantwortet. Ja, das Nähen ist wichtig für mich zu diesem Zeitpunkt meines Lebens (es gibt aber Wichtigeres) und es ist oft eines der Dinge, die mich glücklich machen. Das Bloggen hat für mich eher den Stellenwert einer „positiven Begleiterscheinung“.



7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht?

Alles, was über längere Zeit Druck und Stress verursacht, ist schlecht. Vor allem ein Hobby darf nicht zur Belastung werden. Wenn sich das Bloggen wie ein Zwang anfühlt, dann lass es sein und mach Dich frei davon. Ansonsten, wie Du es gerade tust: Luft holen. Eine Pause einlegen, so lange, wie nötig. Mal nachfühlen, ob Du etwas vermisst. Wenn dann doch der Spaß und die positiven Seiten überwiegen, dann mach „Dein Ding“, in Deinem Rhythmus, mit Deinen Themen, so lange und so oft Du willst.

Lieblingsschnitte drüben auf dem Blog von FinasIdeen

Heute darf ich Euch bei Fina von Finas Ideen meine Lieblingsschnitte präsentieren.
Ähm ja .. es ist etwas ausgeufert, aber es machte einfach zu viel Spaß von meinen Erfahrungen zu berichten.

Ausnahmsweise zeige ich den gleichen Beitrag auch hier bei mir. Es steckt so viel Herzblut drin, das musste einfach sein. Danke, liebe Fina, dass das für Dich ok ist.

Los geht's:

Ich sah den Teaser zu Finas kleiner Reihe der Lieblingsschnitte auf Instagram und wusste, da mag ich dabei sein. Sofort kamen mir 2-3 Schnitte in den Sinn, die ich ohne groß nachzudenken als Lieblingsschnitt betiteln würde. Je mehr ich jedoch über meine Schnittwahl nachdachte, desto mehr Schnitte kamen hinzu. Am Ende wurden alle Schnitte, die derzeit umgesetzt in meinem Kleiderschrank hängen zu meinen Lieblingen. Eigentlich eine schöne Erkenntnis, aber ja nicht wirklich zielführend für diese Blogreihe.

Aber lasst uns drei Schritte zurückgehen. Der Schnitt, der tatsächlich als erstes in meinem Kopf erschien, war der auf meine Maße angepasste Shirt-Grundschnitt, den ich mir vor ein paar Jahren erstellte. Ich weiß wie viel initiale Arbeit und auch Nacharbeit in diesem Schnitt stecken. Den entwirft man als Hobbynäherin nicht einfach mal so nebenbei. (Zumindest ich konnte ich das nicht.) Doch der Aufwand lohnt sich definitiv. Denn wenn ich heute einen neuen Schnitt ausprobiere, lege ich gleich zu Beginn meinen Grundschnitt auf und vergleiche die Schnittführung. Dann gibt es hinterher kein böses Erwachen ..

Vielleicht seid ihr auch in der glücklichen Lage, die „normalen“ Schnitte ohne Anpassungen tragen zu können. Ich scheine so individuell ausgestattet zu sein, dass wirklich noch nie ein gekaufter Schnitt auf Anhieb passte. Mein Oberkörper besteht aus verschiedenen Konfektionsgrößen und die Länge meines Dekolletés ist 2cm länger als bei einem Standardkörper. Abnäher eines Baumwollkleides werden also weder auf der richtigen Höhe sein, noch kann ich den Schnitt an der dafür vorgesehenen Stelle verlängern, weil sich die vorgegebene Linie meist auf Höhe der Taille befindet.

Da ich gern nahezu all meine Kleidungsstücke selbst nähen mag, ist es beruhigend zu wissen, dass wenn ich ein normales Shirt brauche, ich einfach nur auf meinen Grundschnitt zurückgreife und mir in kürzester Zeit ein neues Shirt nähen kann. Letztens fehlte mir zu einem Rock ein einfaches dunkelblaues Shirt zur Kombination.

Die Ärmel sollten so knapp wie möglich sein. Ich holte meinen Grundschnitt hervor, googelte Tutorials zu Kappärmeln und legte los. Am Ende hielt ich das perfekte Shirt in den Händen, das genauso war, wie ich mir das vorstellte. Kein Kaufshirt hätte das erreichen können. Wenn Ihr also noch keinen Grundschnitt habt, kann ich ihn Euch nur wärmstens empfehlen!

Mein Lieblingsschnitt Nummer 1 ist also mein eigener, nahezu perfekt passende Grundschnitt.

Art Gallery Shirt

Da ich grundsätzlich eher schlichte Stoffe mit unauffälligem Muster wähle, lege ich besonderen Wert auf einen Schnitt mit dem gewissen Etwas. Ein bisschen ausgefallen, aber nicht zu sehr. Ein bisschen weiter geschnitten, aber immer noch figurbetont. Ja, ich bin anspruchsvoll..

Viele Schnitte, die neu auf den Markt kommen, sind mir zu tüdelig. Ein richtig guter Schnitt kommt für mich mit einfachen Linien aus und erzielt damit trotzdem eine große Wirkung.

Am liebsten mag ich aus dieser Kategorie Fledermausshirts.

Der folgende Burda-Schnitt ist für ein klassisches Fledermausshirt und mit ein paar Anpassungen (Weite und Länge) für mich ein Lieblingsschnitt.

Schnitt Burda
DER Schnitt aus dieser Kategorie ist aber derzeit das Batwing von named. Dort ist genau das umgesetzt, was ich weiter oben beschrieb. Die Idee an sich ist nicht neu. Aber die Umsetzung ist genial. Gerade eben ist dieses Shirt mein absoluter Liebling.  Das Shirt passt zu engen Jeans, aber auch zu meiner neuen Entdeckung: Boyfriend-Hosen. Der Schnitt ist nicht zu extravagant, aber trotzdem ein bisschen auffälliger als ein normales Fledermausshirt. Das mag ich sehr.


Batwing von named
Ein weiterer Schnitt, den ich ohne nachzudenken wieder nähen würde ist FrauAiko / FrauKarla. Ich habe für mich im Stoffbruch einiges an Weite rausgenommen und um 5cm verlängert. Aber da ich solche Anpassungen oft vornehmen muss, ist das für mich kein Makel.


Ihr seht schon, gerade bin ich eher an weiteren Sachen interessiert. Das liegt aber wirklich daran, dass ich bis jetzt weder Kaufkleidung noch Schnitte fand, die dann nicht aussehen wie ein Sack. Richtig enge Kleidung war noch nie so mein Ding. Für mich ist es extrem wichtig, dass ein weiteres Shirt trotzdem ein wenig figurbetont ist oder perfekt fällt.

Bei perfektem Fall denke ich sofort an Tante Hertha von echtknorke. Auch hier stimmt der Fall und das Gefühl eines Sackes ist gaaaaanz weit weg. Ich glaube, Fina und ich sind nicht die einzigen, die dieser Schnitt so richtig überzeugt hat.

Tante Hertha
Und über die Shirts gibt es DIE Strickjacke: Lola von Schnittchen.

Lola von Schnittchen
Oh ich liebe diesen Schnitt. Die Jacke ist einfach mein Ding. Ein bisschen extravagant, perfekter Fall und super kombinierbar. Mit den beiden Varianten in blau und grau, komme ich schon gut hin, aber ich denke, da werden noch 1-2 weitere Jacken folgen.


Bei den Hosen bin ich noch in der Findungsphase. Ich habe Jenna von pattydoo und Velara von Schnittgeflüster ausprobiert, bin aber bei beiden noch nicht ganz zufrieden. In dieser Kategorie kann ich leider noch keinen Lieblingsschnitt benennen. Ebenso bei Kleiderschnitten. Da muss ich einfach noch ein bisschen probieren. Für den Winter mag ich mir aber endlich ein paar schöne warme Kleider nähen. Ich sage Bescheid, wenn ich fündig geworden bin ..

Dafür weiß ich genau, welche Schnitte ich nähe, wenn ich mal wieder einen neuen Rock brauche.

Lange bevor ich perfekte Shirts für mich nähte, wagte ich mich mit Amy von farbenmix an meinen ersten Rock. Und ich glaube wirklich, dass mich das Rocknähen so begeistern konnte, liegt tatsächlich an diesem Schnitt. Ich nähte in 6h meinen ersten perfekten Rock. Etwas, was ich bei Kaufmode nie erreichte. Egal welchen Rock ich probierte, er passte nie zu mir. Mit Amy hatte ich endlich die Möglichkeit, einen passenden Rock nach meinen Vorstellungen zu nähen.

Amy von farbenmix

Mittlerweile habe ich den Schnitt schon einige Male abgeändert und für mich verfeinert. Dazu kann ich auch nur das Freebie von Schneidernmeistern "Rock-It" empfehlen. Mit ein bisschen Erfahrung, wie man einen Schnitt auf die eigenen Maße anpasst, ist der Schnitt wirklich klasse.

Rock Chambray nach Schnittmuster "Rock It" von scheidernmeistern
Ein ganz fixer, aber wunderschöner Schnitt für einen Jerseyrock ist FrauAntje von schnittreif. Ich habe ihn erst diesen Sommer für mich entdeckt und bisher zwei perfekt sitzende Varianten genäht.


Na, habt ihr bis hierher durchgehalten?
Gefühlt hätte ich noch mind. 10 weitere Schnitte erwähnen können. Und gerade jetzt, da ich die Schlussworte formuliere, schießen mir schon wieder Schnitte durch den Kopf, die auch hierher gepasst hätten .. Aber es hieß ja „Lieblingsschnitte“, da muss man ja auch irgendwann mal aufhören.

Ganz wichtig ist für mich noch, dass jeder Schnitt eine bestimmte Art Stoff bevorzugt. Das sollte man immer im Hinterkopf haben und dafür auch mit der Zeit eine gewisses Händchen entwickeln oder einfach mal experimentieren. Für die Fledermausshirts eignen sich z.B. am besten fließende Stoffe. Ein Viskosejersey ist perfekt. Ein festerer Interlock wird wohl eher merkwürdig aussehen.

Früher habe ich den Stoff zu seinem Schnitt gezwungen. Das Ergebnis war dann dementsprechend nicht zufriedenstellend. Heute sehe ich den Schnitt und entscheide dann, welchen Stoff ich dafür benutze. Am liebsten schaue ich mir dazu verarbeitete Beispiele über die google-Bildersuche an. Darüber kann man sehr schön erkennen, welche Stoffqualität am besten passt.

So, nun höre ich aber auf ..

Liebe Fina, vielen Dank, dass ich dabei sein durfte! Ich bin schon sooooo auf die nächsten Lieblingsschnitte gespannt :*

Zurück! - mit FrauMarlene und 'ner coolen Boyfriend-Jeans

[...] Es gibt diesen Satz im Schauspiel: Den König spielen immer die anderen.

Ich glaube es würde nicht funktionieren, wenn ich mich auf ein Podest stelle und rufe:

Leute, ich mach was vor, so solltet ihr das auch machen! 

Ich glaube, es ist eher wie eine Beziehung. Ich gebe was von mir preis und dann gibt es Leute die sagen: Ok, das ist interessant, wie sie denkt. Und in den Emails, die ich bekomme, sagen mir schon Leute: Oh man, das hat mich voll ermutigt. In der Hinsicht, dann schon.

Wenn ich ein Vorbild für andere sein kann, [...] dann finde ich das schön. [...]

Es bestärkt mich [...]. So ehrlich wie möglich zu sein und zu leben und so wahrhaftig wie möglich zu versuchen, man selber zu sein und auch anderen zu zeigen, dass das ok ist.

Quelle Business Punk

Das Zitat von Julia Engelmann, deren Worte ich sehr mag, fand mich und ich wusste, DAS löst den Knoten. Denn genauso, wie sie es in Bezug auf ihre Weg beschreibt, so wird es auch mit meinem Blog funktionieren. 



Ich ahnte, dass die gefühlte Sinnlosigkeit nicht im Bloggen an sich liegt, sondern in dem, was ich selbst daraus gemacht habe. Es muss nichts geändert werden. Ein Besinnen auf das was ich bin und nicht auf das was ich sein sollte, um scheinbar dazuzugehören, das ist der Schlüssel. 

Mein Blog begleitet mich nun fast 7 Jahre.
7 Jahre, in denen viel passiert ist.
Angefangen mit der Vorstellung von gelesenen Büchern,
über viel Gebackenes bis hin zum heutigen Nähblog.
Das alles - und noch viel mehr - war und bin ich.

Das Nähen hat eine lange Zeit meine Kreativität komplett ausgefüllt. Ich habe viel probiert und einiges gelernt. Vor ein paar Monaten noch hätte ich die Nähmaschine einem guten Buch vorgezogen. Ebenso wie Papier und Backofen. Nun merke ich, wie sich meine Gedanken wieder ausbreiten. Bücher schaffen es nicht nur in mein Bücherregal, nein, sie werden sogar gelesen. Mit Hingabe und viel Gefühl.

Meine Mädchen sind jetzt 3 und 7 Jahre alt. Sie brauchen mich nicht mehr so intensiv und geben mir wieder Raum für ein bisschen mehr Ich. Ich merke, wie ich wieder aktiver werde. Raus aus dem Haus. Hin zu Kultur. Hin zu neuen Gedanken. Die Welt entdecken und intensiv spüren.


Das war das, was ich nicht erkannt hatte. "Mein gewisses Etwas" wird nicht mehr nur ein Nähblog sein. Mein kuscheliges, kreatives Zuhause wird sich wieder mehr in die Breite entwickeln. Denn am Ende ist mein Blog manchmal authentischer als ich selbst.

Und so geht es hier locker flockig weiter. Nicht geplant, nicht jede Woche, dafür mit viel Herz.

Passend zu "geht voran, bleibt alles anders" zeige ich Euch heute meine neueste Entdeckung für mich: Boyfriend-Hosen. In der Blogpause hatte ich mir schon eine Velara von Schnittgeflüster genäht und festgestellt, dass mir die Weite unglaublich gut gefällt und ich mich freier fühle, als mit engen Hosen.


Natürlich hatte ich erst einmal den Plan, mir eine Boyfriend-Jeans selbst zu nähen. Aber ganz ehrlich? Bei Hosen bin ich noch lange nicht an dem Punkt, an dem ich mit dem Ergebnis wirklich zufrieden bin. Selbst wenn ich mir Hosen kaufen gehe, nehme ich von gefühlt tausend zur Auswahl stehenden maximal eine - wenn überhaupt. Meine Ansprüche sind einfach extrem hoch. Zu hoch, als dass jetzt schon genau wüsste, wo ich wie welche Naht bei einer selbstgenähten Hose setzen müsste, dass sie am Ende dann wirklich 100% passt.

Aber nicht schlimm. Dafür gibt's ja schließlich Jeansläden oder ähm Zalando ..

Ich bin jedenfalls mit meiner neuen Jeans seeeeehr glücklich und habe einen neuen Stil für mich entdeckt, der mir gerade extrem gut gefällt. Ganz nach dem Motto lässig, aber trotzdem ein bisschen schick.

Am liebsten kombiniere dazu mein neues Shirt nach dem Schnitt "Batwing" von named, aber auch enge Shirts gefallen wir sehr gut. FrauMarlene von schnittreif ist da ein gutes Beispiel.

Die Kontraste an der Schulter und an den Ärmeln gefallen mir sehr gut. Aber so richtig sicher, ob das nun genau mein Stil ist, bin ich mir nicht.


Auch musste ich am Schnitt einiges verändern, dass er mir passt ..

Vor allem bei der Weite an Brust und Taille habe ich den Schnitt wieder an meinen Grundschnitt angepasst, Obwohl die bei den Beispielbildern auch nicht anders aussehen, bin ich mit den Armkugeln auch noch so gar nicht zufrieden. Auch die Falten auf dem Brustkorb sind nichts, was mir jeden Tag gefällt. Vermutlich sind meine Proportionen aber auch einfach nicht wirklich für den Schnitt gemacht. Der Übergang von der Brust zu einem eher knochigen Dekolleté ist schon immer meine Problemzone. Ich könnte das Shirt noch enger nähen, aber dann wäre es mir über der Brust wieder zu eng. Damit muss ich mich wirklich noch einmal intensiv beschäftigen.

Nichtsdestotrotz ist das Shirt natürlich definitiv tragbar und macht mit dem leuchtenden Türkis einfach gute Laune.

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Schnitt: FrauMarlene von schnittreif über dawanda
Stoff: Art Gallery vom Stoffmarkt letztes Jahr

Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Lena vom Blog fantantisch erzählt




Auf die heutige Sonntagsrunde war ich ganz besonders gespannt. Lena von fantantisch ist eine der wenigen Blogger, die sich auch beruflich mit 40 und mehr Stunden verwirklicht und trotzdem die Zeit findet, zu nähen UND zu bloggen. Da war ich natürlich ganz besonders neugierig, wie sie das so macht.

Liebe, Lena, ich danke Dir für Deine Zeit und die ausführlichen Antworten. Vieles deckt sich mit meinen Ansichten. Vor allem die Aussage "Für mich zählt das wahre Leben undendlich mal mehr." entspricht genau meiner Vorstellung.

Sei herzlich gegrüßt, ich freue mich schon auf das nächste Nähcamp, auf dem wir uns unbedingt nochmal ein bisschen länger unterhalten sollten.

1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen? 


Ich heiße Lena, bin frische 30, seit sechs Jahren mit dem besten Mann der Welt verheiratet und seit vier Jahren Mama vom Mops. Wir leben in einer Kleinstadt am Rande des Ruhrgebiets in einer gemütlichen Altbauwohnung ganz nah am Wasser. Mein Mann und ich sind beide Ingenieure und arbeiten in Vollzeit, was einen turbulenten Familienalltag bedeutet. Zum Glück haben wir tolle Omas, Uromas, Großtanten, Familien, die uns bei allem großartig unterstüzen! Zeit für Hobbys bleibt trotzdem wenig. Neben dem Nähen und Bloggen mag ich die Fotografie oder Joggingrunden am Fluß. Wenn ich irgendwann meinen Antrag auf drei bis fünf Extrastunden am Tag durchbekomme, würde ich auch gerne wieder mehr Klavier spielen, Singen und Tanzen.

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht? 

Meine Mutter hat für uns Kinder viel genäht. Selbst saß ich dann mit vier das erste Mal an der Nähmaschine, um einen einfachen Rock für ein Ballettkostüm zu nähen. Seitdem sind immer wieder mal einzelne Projekte entstanden, unter anderem mein Abiballkleid und meine Brautkleider. Intensiv angefangen zu nähen habe ich, als der Mops eineinhalb war und mit seinen Proportionen nicht in Kaufkleidung passen wollte. Seither sitze ich nahezu jeden Tag an der Nähmaschine. Das Nähen ist für mich etwas besonderes, weil ich am Ende des Tages etwas in der Hand halte, das ich selbst erschaffen habe, das es so nur einmal auf der Welt gibt und das meine Bedürfnisse zu 100% erfüllt. Außerdem weiß ich, wer unsere Kleidung aus welchen Rohstoffen hergestellt hat, was mir für meine Familie und mich ein gutes Gefühl gibt. Meinen Blog hat mein Mann mir vor zwei Jahren zum Geburtstag geschenkt, weil ich schon länger gerne in anderen Nähblogs gelesen hatte und ich diese Welt unheimlich spannend und inspirierend fand. Bis ich meinen ersten Beitrag verfasste, verging allerdings noch ein halbes Jahr. Als ich dann für Monika von schneidernmeistern einen Schnitt testen durfte, war das der Motivationsschub, endlich mit dem Bloggen zu starten. Durch meinen Blog habe ich in den vergangenen eineinhalb Jahren viele tolle Frauen kennen gelernt, von denen ich auch einige schon im echten Leben treffen durfte und mit denen ich voll auf einer Wellenlänge bin. Da mein Job eine wahre Männerdomäne ist, hätte ich sonst nie so viele Gleichgesinnte kennen gelernt, mit denen ich stundenlang über Schnitte und Stoffe fachsimpeln kann. Das finde ich großartig!

3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? 

Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel? Ich liebe ich es, auf Blogs zu stöbern, zu sehen, wie verschiedene Schnitte umgesetzt wurden, welche Probleme es bei der Umsetzung gab, wie die Passform ist, um mich davon inspirieren zu lassen und von der Erfahrung anderer zu profitieren. Davon möchte ich mit meinem Blog etwas zurückgeben. Mir ging es von Anfang an nicht um irgendwie gearteten Erfolg. Mir geht es um Kontakte, ein Netzwerk von Gleichgesinnten und um die gegenseitige Inspiration. Dabei ist es für mich auch zweitrangig, dass tatsächlich jedes Teil, was ich nähe, auf dem Blog landet. Für mich muss jeder Beitrag einen Mehrwert liefern, das wäre beispielsweise beim vierten Tshirt nach dem gleichen Schnitt für den Mops nicht der Fall.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen? Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt? 

Dadurch dass ich so viel arbeite, versuche ich meine gesamte Freizeit mit meinem Sohn intensiv zu nutzen. Daher würde ich mich nie am Wochenende an die Nähmaschine setzen. Ich nähe ausschließlich, wenn er im Bett ist und der Haushalt erledigt. Und das ist derzeit meist reichlich spät. Klar überlege ich mir zweimal, ob ich die fünf bis zehn Stunden, die ich in der Woche maximal an Freizeit für mich habe, lieber mit Nähen als mit Bloggen verbringe. Denn ein Blogpost braucht viel Zeit, jedenfalls wenn man wie ich Wert auf gute Fotos, Bildbearbeitung und informativen Inhalt legt. Aber wenn ich etwas mitzuteilen habe, das anderen weiterhilft und ich nettes und kosntruktives Feedback erhalte, motiviert mich das, mir die Zeit zu nehmen.

5. Was nähst Du alle selbst? Bist Du eher ein "Seflish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich? 


Ich bin ein ausgesprochener Kleidungsnäher. Taschen oder Wohnaccessoires mag ich hingegen gar nicht. Aus diesem Grund beläuft sich die Zahl der Vorhänge in unserer Wohnung auch nach zwei Jahren noch auf ein Minimum. Seit knapp drei Jahren nähe und stricke ich fast die gesamte Kleidung meines Sohnes selbst. Shirts, Hosen, Pullover, Jacken, Puschen. Einzig Regenbekleidung, Unterwäsche, Socken und Schlafanzüge werden teilweise gekauft, dann aber zumindest wenn irgend möglich in Bio- und Fairtrade-Qualität. Wenn noch Zeit bleibt, nähe ich für mich. Seit unserem Capsule Wardrobe Projekt weiß ich, mit wie wenig Kleidung ich tatsächlich auskomme. Deshalb nähe ich ausschließlich nach Bedarf und alle Projekte werden ausgiebig durchdacht und sehr planvoll angegegangen . Ansonsten bekommt mein Mann zum Geburtstag und zu Weihnachten immer etwas selbstgenähtes, ebenso das Patenmädchen und hin und wieder auch die restliche Familie oder gute Freunde, die Nachwuchs bekommen haben. Generell bin ich wohl jemand, der lieber anderen eine Freude macht als sich selbst.

6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben? 


Das Nähen oder zumindest das kreative Handarbeiten wird immer ein essentieller Teil meines Lebens sein. Ich brauche als Ausgleich zu meinem theoretischen, handfesten Job das Kreative und Schöne. Und es macht mich zutiefst zufrieden, meiner Hände Arbeit zu sehen. Der Blog hingegen ist für mich allenfalls nice to have. Es ist mir nicht wichtig, jede Woche einen neuen Beitrag zu posten. Ich lese weder meine Statistiken noch verfolge ich irgendwelche Strategien. Wenn ich schöne Fotos von einem Teil habe und ein bisschen Zeit, blogge ich. Wenn eine Blogaktion mich animiert, ein langgeplantes Projekt endlich in die Tat umzusetzen ist das prima. Wenn nicht dann eben nicht. Das ist völlig ok so. Für mich zählt das wahre Leben undendlich mal mehr.

7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht? 



Warum muss denn alles einen Sinn ergeben? Wenn du Lust hast zu bloggen, wenn du etwas zu sagen oder zu zeigen hast, dann schreib einen Post. Wenn nicht dann bleibt der Blog eben einige Wochen oder Monate liegen. Was verändert sich dadurch? Wer dir folgt, wird dich nicht aus seiner Liste schmeißen, weil es seit einigen Wochen nichts Neues von dir gibt. Und wenn doch ändert das auch nichts. Aber andersrum wird jemand, der deinen Blog und deine Art zu schreiben schätzt, sich über jeden einzelnen Post freuen, egal wie lange der letzte Beitrag zurück liegt. Da spreche ich für mich und sicher auch für viele andere.