Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Miriam vom Instgram-Profil mecki_macht erzählt




Mit Miriam habe ich eine "Bloggerin" ausgewählt, die sehr aktiv zeigt, was sie näht und sich rege an Sew-Alongs aller Art beteiligt. Sie hat sich bewusst gegen einen Blog entschieden und ist "nur" auf Instagram als mecki_macht aktiv. Dass das im Rahmen des Nähbloggens nicht unbedingt hinderlich ist, erklärt sie in dem folgenden Interview. Ich mag Miriams Stil sehr. Sie trifft mit den schlichten und farblich eher monochromen Kleidungsstücken genau meinen Geschmack. Dabei ist sie immer super gut drauf und absolut herzlich. Auf Ihre Kommentare freue ich mich immer mit am meisten.

Liebe Miriam, ich danke Dir sehr, dass Du Teil meiner kleinen Reihe bis. Ich freue mich, Dich bald wieder bei Instagram zu sehen.

1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen?

Ich bin verheiratet, habe eine 9jährige Tochter und lebe in der schwäbischen Provinz bei Tübingen. Beruflich fahre ich zweigleisig und habe einen 10-Stunden/Woche-Bürojob und arbeite parallel selbständig als Seminarleiterin für eine Unternehmensberatung; diese Tätigkeit als Selbständige ist allerdings recht unregelmäßig und saisonal stark schwankend, so dass ich phasenweise viel Zeit für meine Hobbies habe. Neben dem Nähen probiere ich gerne ganz unterschiedliche andere Kreativ-Techniken aus wie Beton, Zeichnen, Stempelschnitzen und Papierarbeiten, was dann ab und an auch auf Instagram sichtbar wird oder aber sich sogar mit dem Nähen verbindet, wie z.B. meine Stempelliebe. Und ich mag Hausmusik.



2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht? 

Meine erste Hose entstand mit 14/15 Jahren – aus einem dünnen Baumwollstoff und ohne Schnittmuster (es gibt sogar noch Fotos davon ). Dann habe ich in den darauffolgenden Jahren so manche Jeans „umgebaut“ und Stoffe eingesetzt oder aus 70er-Jahre Pullis meines Vaters Miniröcke genäht. Nach der Abizeit folgte eine große Nähpause, da ich ja auch während des Studiums keinen Zugriff auf eine Nähmaschine hatte – Nach einer längeren Pause hat mich das Patchworkthema vor ca. 7 Jahren so gepackt, dass ich mehrere Jahre lang gepatcht habe und erst über Taschen-Täschchen-Deko vor ca. 2-3 Jahren wieder die ersten Kleidungsstücke genäht habe.



Jersey und Sweatware waren für mich eine regelrechte Entdeckung, alltagstaugliche Kleidung in relativ kurzer Zeit produzieren zu können. Parallel habe ich fleißig alle Linkparties besucht und viele Blogs regelmäßig gelesen und fand die Beiträge immer sehr inspirierend. Dennoch: Mir fehlte der Austausch, die Diskussion zu bestimmten Schnittmustern, zu Stoffqualitäten, zu Techniken. Die Kommentarfunktion auf den Blogs fand ich nicht immer geeignet für einen Austausch und häufig zu statisch.

3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel?

Erst letzten Herbst habe ich „Instagram“ als Plattform für einen Austausch entdeckt: Die Fotolastigkeit ist ideal, um Nähergebnisse zu zeigen und dann aber auch bei Bedarf in einem raschen Ping-Pong-Chat zu diskutieren oder gemeinsam Nähprobleme zu durchdenken bzw. Nähtipps auszutauschen. Das ist genau diese Art des Austausches, die ich gesucht habe und sehr schätze: „Unabhängig von Raum und Zeit“ über viele hundert Kilometer hinweg ohne Zeitversatz zu einem bestimmten Thema kommunizieren und sich im besten Falle gegenseitig zu inspirieren! Und wenn dann noch ein „echter“, ganz realer Kontakt zustande kommt, dann ist das wirklich noch spannender und ein echter persönlicher Gewinn für mich.



4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen? Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt?

Ich habe ganz bewusst keinen Internet-Nähblog, obwohl ich generell das Bloggen auch für mich interessant fände. Instagram ist für mich eine gute Alternative: ich muss mich nicht mit Technikfinessen auseinandersetzen, längere textlastige Beiträge verfassen, Bildbearbeitungsprogramme kaufen-verstehen-pflegen, usw. – alles Themen, die mir tatsächlich auch Spaß machen, aber auch echte „Zeitfresser“ sind und für meinen Geschmack im Moment zu statisch für mich. Mit Instagram bin ich schnell, unmittelbar, durch Smartphones sozusagen ständig im Kontakt; so bleibt ziemlich viel Zeit zum Nähen und die Möglichkeit, Vorschläge direkt aufzunehmen und auch sofort umzusetzen. Liebgewonnene Nähblogs lese ich noch immer sehr gerne und empfinde das parallele Lesen und Kommentieren auf diesen verschiedenen Plattformen als ergänzend.

5. Was nähst Du alles selbst? Bist Du eher ein "Seflish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich? 

Ich nähe meist für mich – manchmal auch für meine Familie, oft Geschenke für Freunde und nie zum Verkauf! Zur Zeit nähe ich meist Kleidung, aber immer noch auch ein bisschen Patchwork und natürlich auch phasenweise TaschenTäschchen&Co, v.a. als Geschenke.


6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben?

Da ich sehr ländlich wohne und mein Hobby in meinem Bekanntenkreis keinen Austausch findet, ist mir der Austausch auf Instagram inzwischen sehr lieb geworden - zumal die ab und an stattfindenden Begegnungen „liveundinFarbe“ so nette Bekanntschaften ergeben haben, dass ich es tatsächlich als echte Bereicherung empfinde und nicht missen möchte.



Das Nähen ist für mich eine Mischung aus sinnvoller handwerklicher Beschäftigung mit nützlichem Ergebnis. – Kaufkleidung ist für mich häufig zu sehr an Modelmaßen und kurzfristigen Modeerscheinungen orientiert, zusätzlich häufig von unterirdischer handwerklicher und textiler Qualität; „selfish sewing“ macht mich von der industriellen Bekleidungsindustrie ein Stückchen unabhängig und ermöglicht es mir, meinen modischen Geschmack auf mich passend umzusetzen und gleichzeitig meine Freude am kreativen Ergebnis auszuleben.

7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht?

Die Freude am Teilen und Mitteilen von kreativem Schaffen und die dahinter stehende Motivation kann ja sehr verschiedene Perspektiven beinhalten. Die unterschiedlichen „Spielwiesen“ und Plattformen bieten vielfältige Möglichkeiten und Ansatzpunkte der Auseinandersetzung und Veröffentlichung – ich hoffe sehr, dass sich da eine Variante für dich ergibt, die zu dir passt. Ich würde dich und deinen persönlichen Stil – nicht nur den modischen – sehr vermissen!

Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Katharina von Fröbelina erzählt





Es vergeht keine Woche, in der Katharina nicht irgendein aufwändiges selbstgenähtes Kleidungsstück auf ihrem Blog Fröbelina vorstellt. Ich glaube, es gibt nichts, was Katharina noch nicht probiert hat. Sie strickt raffinierte Strickjacken, näht alles vom BH, über Kleider bis hin zu Taschen und Sachen für ihren Mann. Und das konstant seit einiger Zeit. Wenn ich dann lese, wie interessiert sie auch an anderen Sachen ist, werde ich misstrauisch und bin schon fast davon überzeugt, dass Katharina einen 48h-Tag gefunden hat.

Ich freue mich sehr, dass Katharina meine Fragen beantwortet hat und mir mit ihren Antworten bewiesen hat, dass sie für mich wirklich die produktivste und detaillierteste Nähbloggerin ist.

Liebe Katharina, ich wünsche Dir weiterhin viel Freude beim Nähen und Bloggen und hoffe, dass Du noch lange mit so viel Herzblut beschreibst was Du genäht hast und swelche Änderungen Du an Deinen Nähprojekten vorgenommen hast.


1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen? 

Ich bin Katharina, 26 Jahre alt und lebe in der Nähe von Karlsruhe. Vor 2 Jahren bin ich zusammen mit meinem Freund, nachdem wir beide unser Studium beendet hatten, hierhin gezogen. Seit dem bin ich noch einmal umgezogen und lebe mit besagtem Freund, der inzwischen mein Mann geworden ist in Weingarten. Ich habe ein Studium zur Bauingenieurin in Essen absolviert, schnell hinter mich gebracht und arbeite mittlerweile als Softwareentwicklerin in Stuttgart, wohin ich 3 Tage die Woche pendle, 2 Tage arbeite ich von zu Hause aus. Ich arbeite in Vollzeit und ich liebe meinen Job. Manchmal höre ich von Leuten, dass ich den falschen Beruf gewählt habe, weil ich so viel nähe und stricke. Aber das ist nicht so. Es ist mehr so, dass ich, wenn ich etwas mache auch den Anspruch habe mit ganzem Herzen dabei zu sein.



Das bedeutete dann auch, dass ich meinen ersten Job nach dem Studium nach nicht mal einem Jahr aufgegeben und mir einen neuen gesucht habe. Und das bedeutet auch, dass Marvin (also der besagte Mann) und ich umziehen mussten. Dafür finde ich jetzt meinen Job super, wohne toll und denke dass ich genau das mache was ich gerne machen möchte und worin ich gut bin. Aber das gleiche gilt für mein Hobby, ich liebe mein Hobby. Und deshalb investiere ich so viel Zeit, aber es ist nicht das einzige was ich gerne mache. Wobei ich unter 'mein Hobby' jetzt vom Nähen spreche und Stricken und was ich sonst so kreatives mache. Ich habe angefangen zu spinnen letztens. Das finde ich auch super. Bloggen ist für mich aber ein separates Hobby, das gehört zu den kreativen nicht dazu. Außerdem hab ich noch so allerwelts-Hobbies. Ich wandere gerne, mache Krafttraining, ich lieg gerne am Baggersee, ich fahre gerne Fahrrad, gucke mir gerne Städte und Natur an, gucke unglaublich viele Serien, lese und ich campe gerne. Marvin und ich besitzen einen ganz kleinen Wohnwagen, der ist super!

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht?

Ich habe viele Sachen ausprobiert bis ich zum Nähen gekommen bin. Ich habe mal so richtig Handball gespielt und in einer Band, mit der ich ein paar Mal aufgetreten bin, habe ich Gitarre gespielt. Dazu hatte ich dann spätestens während meines Studiums keine Zeit mehr. Es ist immer etwas schwierig Hobbies zu haben bei denen andere von dir abhängig sind, finde ich. Hast du ne Band musst du zur Probe kommen und dasselbe gilt für eine Handballmannschaft. Ich hatte während des Studiums dann nur das Fitnessstudio und brauchte dringend noch ein Hobby das mir abschalten hilft. Und Marvins Mutter hat mir dann im richtigen Moment eine Häkelnadel in die Hand gedrückt. Das war echt ganz lustig. Ich habe nur mal ganz kurz Interesse an der Decke gezeigt, die sie da häkelte und zack hab ich auch eine gehäkelt. Aus Sockenwolleresten so eine Patchworkdecke. Und dann gings los. Ich habe gehäkelt ohne Ende und das geht ja auch enorm gut, wenn man gerne Serien guckt. Und ich glaube was für mich das beste an dem Hobby war, war dass man abschalten kann und nichts tut, am Ende aber was vorzuweisen hat. Ich finde es irgendwie enorm schwierig mich einfach hinzusetzen und mal nichts zu tun, dabei tut das ja echt gut. Es ist aber für mich immer okay mich hinzusetzen, nicht mehr nachzudenken und dabei was zu schaffen. Dann fühlt sich die Zeit nicht so 'verloren' an. Was sie natürlich nicht ist, wenn man nichts macht, aber auch das habe ich erst durchs Nähen und Stricken gelernt. Naja, nach dem Häkeln kam dann in logischer Konsequenz das Stricken, bei dem mir Marvins Mutter viel geholfen hat und dann wollte ich nähen! Ha! Und das habe ich dann einfach gemacht. Gab Leute die haben gesagt 'das schaffst du nicht', aber da gibt es nichts nicht zu schaffen finde ich.



3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel? 

Aufs Nähen bin ich nur aufmerksam geworden, weil ich Blogs gelesen habe. Und von Anfang an hat mir das gefallen mich auszutauschen über das was ich mache. Wie man an der Länge meiner Antworten bisher sieht schweife ich auch gerne aus. Ich rede so gerne! Also echt! Und schreiben tue ich auch gerne. Ich habe dann meinen Blog gestartet. Ich denke vielleicht war das so eine 'in your face' Sache, weil man mir gesagt hatte, dass ich Nähen und sowas nicht schaffe und es stellte sich heraus, dass man nur Zeit investieren muss und das dann auch schafft. Und da wollte ich andere, die sowas auch zu hören bekommen auch motivieren. Ich war und bin so begeistert von meinem Hobby, dass ich glaube dass alle anderen nur deshalb nichts kreieren, weil sie nicht wissen, wie toll das ist und wie viel Spaß und Selbstbewusstsein und Weisheit man daraus ziehen kann :)



Mein Blog hat kein Ziel, ich zeige einfach was ich mache und schreibe ellenlange Texte darüber in der Hoffnung jemand anderem der mir nacheifern will, die ganze Sache etwas einfacher zu machen. Aber es macht mir auch einfach Spaß zu schreiben. Ich übersetze auch jeden Post 'von Hand' auf englisch und das hat mein Englisch verbessert denke ich und ich finde es toll mit Leuten aus aller Welt über's Nähen und Stricken und so zu schreiben.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen? Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt? 

Ich habe ein Nähzimmer, also eigentlich ist es ein Büro, ich arbeite ja 2 Tage die Woche von zu Hause. Es ist also halb voll mit Maschinen und Stoffen und halbvoll mit Bücher und Bildschirmen. Naja, eher 2/3 zu 1/3 ;) Das erlaubt mir mal eben für eine halbe Stunde zwischendurch zu nähen.

Ich nähe also wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und am Wochenende und immer wenn ich Zeit und Lust habe. Bloggen ist etwas schwieriger. Ich schreibe gerne einen Post komplett zu Ende und mache das nicht in Abschnitten. Deshalb schreibe ich meistens Sonntags meine Posts und mache die Fotos. Die macht Marvin, der Liebe und es war am Anfang schwierig herauszufinden wie und wann und wie oft wir die Fotos machen, so dass wir beide damit zufrieden sind. Ich würde sogar sagen, dass die Fotos mich am meisten aufhalten und die meiste Arbeit sind. Außerdem hängt das ja auch immer vom Wetter ab.



Im Sommer können wir auch abends schonmal welche machen, im Winter nur am Wochenende. Und wenn es dann regnet ist das echt blöd. Ich kann nicht sagen, dass das Bloggen dem Nähen die Zeit stiehlt. Das sind halt zwei Hobbes, die ich beide gerne machen möchte und manchmal muss ich da Prioritäten setzen. Ich meine ich kann ja auch nicht sagen, dass mir das Schlafen die Zeit fürs Nähen stiehlt. Schlafen tue ich auch echt gerne übrigens, das kommt auch auf die Liste von Sachen die ich gerne mache! ;) Oder das Arbeiten, das stiehlt mir ja auch nicht die Zeit. Ich würde aber schon sagen, dass mir Putzen und Waschen die Zeit stiehlt ;) Hehe. Also ich denke, dass wenn man etwas wirklich gerne macht, man nicht das Gefühl hat, dass es einem Zeit stiehlt, die man besser woanders investieren könnte. Wenn man das Gefühl hat, dann tut einem das Hobby vielleicht nicht gut und man muss grundsätzlich überdenken, ob das noch was für einen ist, oder es halt nicht mehr ins Leben passt, finde ich.

5. Was nähst Du alle selbst? Bist Du eher ein "Seflish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich? 

Naja, die Frage ist schnell beantwortet, ich bin ein Selfish Sewer. Das Gute ist, dass ich die Klamotten die ich nähe wirklich brauche. Mir passt nichts im Laden, ich bin zu groß. Das macht das Nähen vielleicht auch zu etwas mehr als einem Hobby für mich. Mehr eine Lebensnotwendigkeit und deshalb muss ich auch immer Stoffe kaufen. Hehe. Ne, ich nähe schon um des Nähens willen, nicht um schöne Klamotten zu haben, aber es ist echt ein schöner Nebeneffekt mich nicht mehr so zu fühlen, als hätte ich einen Körper der in unsere Gesellschaft nicht reinpasst. Kein frustrierendes Shopping mehr, kein bauchfrei und keine zu kurzen Hosen.

Ich nähe aber auch immer öfter für Marvin, der geht jetzt nämlich auch nicht mehr shoppen, weil ihn meiner zwingt mitzukommen ;)



Und hin und wieder habe ich für Marvins Mutter was genäht. Aber ich habe michl etzten revangiert für die Häkelnadel und wir haben ihr eine Nähmaschine geschenkt und sie ist ziemlich gut dabei jetzt und näht sich ihre Klamotten und Taschen. Das ist so toll jemand anderem sein Hobby nahezubringen. Und damit sind wir wieder beim Sinn des Bloggens für mich :)

6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben? 

Den Stellenwert eines Hobbies. Und Bloggen kommt nach Nähen würde ich sagen. Es gibt wichtigere Sachen als Hobbies. Aber wichtig ist es dennoch, ich bin viel ausgeglichener, wenn ich Nähen kann und Bloggen macht mich zufrieden und nach einer bestimmten Zeit vermisse ich beides.

7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht?

Ich denke es ist wichtig sich klarzumachen, dass das Bloggen ein zusätzliches Hobby ist. Außerdem muss man sich bewusst sein, dass auch in der Welt des Nähbloggens nicht immer alle nett sind. Die meisten sind nett und es macht viel Spaß mit ihnen zu schreiben. Aber ich bekomme auch viele Kommentare über die ich mich ärgere. Manchmal Leute, die sich irgendwie angegriffen fühlen und mir diese pseudo netten Kommentare hinterlassen á la 'sieht scheiße aus, aber steht dir' und manchmal Leute die meinen Hintern kommentieren. Man muss schon einen Grund haben, damit man das ganze nicht schnell wieder aufgibt, also irgendetwas das einen antreibt und das nicht nur ist, dass man Beifall für seine Werke bekommen will. Das ist natürlich immer ein Antrieb, auch bei mir, aber man bekommt ihn eben nicht immer und sollte dann versuchen nicht enttäuscht zu sein. Das kann man, wenn man sich klarmachen kann, dass man aus einem anderen Grund bloggt. Für sich selber zum Beispiel. Außerdem finde ich es manchmal schwierig mich meinen selbst gemachten Druck zu entziehen, der mich etwas nähen lässt, obwohl meine Lust gar nicht so groß ist, weil ich es gerne noch vor dieser und jener selbst gemachten Deadline bloggen will. Ich denke es ist gut, sich da selber immer wieder zu hinterfragen. Ich habe schon von Leuten gelesen, die haben dann einfach alles auf einmal aufgegeben, weil der Druck zu groß wurde. Auch das Nähen! Und das darf ja nicht passieren, dass der Druck so groß wird, dass man nicht nur das Bloggen aufgibt, sondern das das eigentliche Hobby auch, dann hat man es zu weit getrieben denke ich. Man sollte also die ganze Zeit hinterfragen ob das Nähbloggen noch Sinn für einen macht. Und im Zweifelsfall sollte man kürzer treten und immer das machen was man gerade gerne machen möchte.


Es hat keinen Sinn sich zu etwas zu zwingen. Warum sollte man? Und dann bloggt man halt mal nicht. Nur wenn man den Zwang raus bekommt kann man rausfinden, ob das wirklich noch ein Hobby ist, das man gerne machen möchte. Und wenn nicht, dann halt nicht. Vielleicht macht das Bloggen aber auch noch Spaß, nur muss es einfach weniger werden, dann wäre es doch blöd, alles von heute auf morgen über den Haufen zu werfen. Die Hauptsache ist immer, dass man selber zu dem steht was man tut, dass man selber mit seinen Entscheidungen zufrieden ist. Man ist ja kein anderer Mensch nur weil man bloggt oder nicht bloggt und niemand erwartet das von einem.

Das Leben ist nicht lang genug um Dinge zu tun, die einen nicht erfüllen.

Ein wunderbarer Schlusssatz. GENAUSO sehe ich das auch!

Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Elke von Elle Puls erzählt

Der Blog ruht, aber die Gedanken kreisen.

Es sind noch immer viele Fragen offen. Vor allem die Frage nach dem Sinn ist noch immer offen.

Eure Kommentare und Mails zu meinem letzten Eintrag zeigten mir, dass das Thema präsenter ist, als ich dachte und dass jede(r) seine eigene Meinung dazu hat.

Das hat mich inspiriert, eine kleine Reihe ins Leben zu Rufen. All die Fragen, die sich mir gerade stellen, habe ich lieben (Näh-) Bloggerinnen weitergeleitet und sie gefragt, ob sie sie nicht aus ihrer Sicht beantworten mögen.

Ich finde es sehr spannend und vor allem mega interessant, hinter die einzelnen Blogs zu schauen.


Den Anfang macht eine meiner liebsten Bloggerinnen: Elke von Elle Puls.

Elke ist für mich so eine Art Vorzeigebloggerin. Sie schafft es anscheinend spielend, immer wieder wunderschöne Outftis zu kreieren und dabei viele nützliche Tipps rund um das Nähen zu geben. Sie hat ein tolles Blog-Design entwickelt. Sie bloggt sehr professionell und wohl überlegt. Da interessierte es mich natürlich brennend, was sie motiviert und wie sie das zeitlich alles schafft.


1. Wer bist du? Wie lebst du? Was machst du beruflich und wie viele Stunden arbeitest du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast du neben Bloggen und Nähen? 

Diese Fragen sind eigentlich leicht zu beantworten. Oder doch nicht? Denn es gibt so viele von mir. Es gibt die Elke, die du aus dem Blog kennst, es gibt Elke als Mutter, als Unternehmerin, als Ehefrau und viele mehr.

In einer öffentlichen Vorstellungsrunde würde ich wohl sagen: „Ich bin Elke, 39 Jahre alt, wohne im Speckgürtel von Berlin, habe Hotelmanagement studiert, schreibe einen Nähblog und verkaufe eigene PDF Schnittmuster. Ich bin Mutter von 3 Kindern und meine Hobbys sind: Nähen, Joggen, Schwimmen, Podcasts hören.“

Interview Ende.

Nein, Quatsch, es gibt natürlich noch viel mehr zu erzählen.



Ich habe schon zwei Mal mein Hobby zum Beruf gemacht, oder besser gesagt zu einem Unternehmen, denn beruflich gesehen (im Sinne von „erlernter Beruf“) hatte ich keine Ahnung von dem was ich mache. Es war alles Learning-by-Doing. Stell dir jetzt bitte kein Riesenunternehmen vor, es ging und geht um eine One-Woman-Show.

Damit fühle ich mich wohl. Damit stoße ich aber auch immer wieder an meine Grenzen, die ich dann versuche durch projektbezogene Zusammenarbeit mit anderen Unternehmer/innen zu überwinden.

Den Unternehmerweg habe ich beide Male schleichend und ungeplant eingeschlagen. Einmal beginnend in 2006, dazu kannst du hier nachlesen.

Und mein jetziges Unternehmen, Elle Puls, kennst du ja schon. Das begann mit dem kleinen Blog pulsinchen in 2012. Ein Blog um Freunden und Familie zu zeigen, was ich so nähe. Mehr war es zu Anfang nicht. Dann kamen die ersten Link Parties und Follower und so nahm das Schicksal langsam seinen Lauf.

Heute betreibe ich den Blog beruflich. Meine PDF Schnittmuster generieren mein Einkommen. Keines mit dem ich unsere fünfköpfige Familie schon ernähren könnte, aber was nicht ist kann ja noch werden. Ich arbeite von zuhause und zwei Mal in der Woche kommt schon mindestens ein Kind um 12 oder 13 Uhr nach Hause, da heißt es die morgendlichen Stunden voll ausnutzen, denn wenn sie erst einmal zuhause sind ist es aus mit der Konzentration. Die Kinder haben bei mir überhaupt erst diesen Wandel von der klassischen Arbeitswelt zum kreativen Unternehmertum bewirkt. Dafür bin ich dankbar, weil ich mich im Konzern oft deplatziert gefühlt habe. Ich mag es, meinen eigenen Weg gehen zu können und für die Familie vor Ort zu sein. Das hat sich für unsere Familie bewährt.

Wie viele Stunden ich in der Woche arbeite? Das ist schwer zu sagen und manch eine Stunde nicht klar als Arbeits- oder Freizeitstunde einzuordnen. Wenn ich nähe ist das meistens Arbeit und Hobby zugleich. Neben Familie, Bloggen und Nähen, bleibt nicht mehr viel Zeit für andere Hobbys, aber ich fange gerade wieder an, abends mal mit Freundinnen auszugehen.

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht? 

Als Kind und Jugendliche habe ich mich manchmal an die alte Singer Nähmaschine meiner Mutter gesetzt und drauf los genäht, ohne Angst etwas zu versemmeln. Kleidung habe ich damals nicht genäht, eher Portemonnaies und Kissenbezüge. Ohne Sorge, den Stoff oder das Leder zu verschneiden bin ich an meine Projekte gegangen. Heute wünsche ich mir manchmal etwas von dieser Unbeschwertheit zurück. Mittlerweile ist viel mehr Kopf im Spiel und macht es mir manchmal schwer, eine Entscheidung zu treffen. Erst 2012 nach der Geburt meines dritten Kindes habe ich mit dem Nähen von Kleidung begonnen. Schnell habe ich gemerkt, dass ich meine Kenntnisse ausbauen muss, denn wie oft habe ich mit meinen 182 cm im Laden gestanden und keine passende Hose gefunden? Selber nähen ist optimal, wenn man aus den Standardmaßen der Industrie herausfällt. 

Beim Nähen kann ich abschalten. In schweren Zeiten war das Nähen für mich auch schon Zufluchtsort. Der Spruch „Nähen ist mein Yoga“ ist nicht umsonst so beliebt. Ich mag es einfach, durch das Nähen etwas greifbares, selbst gemachtes in den Händen zu halten. Etwas, das sonst keiner genau so hat. Dabei geht es mir nicht darum etwas besonders ausgefallenes zu nähen sondern einfach zu mir und mir passende Kleidung herzustellen. Ich mag es, darüber zu sinnieren, was mir steht, was meine vorhandene Garderobe ergänzen kann. Ich versuche jedes Nähprojekt als Teil meiner ganzen Garderobe zu sehen um überflüssige Kleidungsstücke zu vermeiden. Das ist aus meiner Sicht auch eine Form von Nachhaltigkeit.



3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel? 

Ich hätte mich nie als prädestiniert fürs Bloggen gesehen, war ich doch früher in der Schule oft die, die die kürzesten Aufsätze geschrieben hat. Oft auf den Punkt, ohne schmückendes Drumherum. Ich bin glaube ich eher für die Berichterstattung als fürs emotionale Geschichten Erzählen geeignet. Als Introvertierte erstaune ich mich oft selbst mit meinem momentanen Werdegang. Dass ich mich auf Instagram, Snapchat, Youtube, Facebook und im Blog zeige ist ein großer Schritt aus meiner Komfortzone heraus, beziehungsweise eine unerwartete Erweiterung meiner Komfortzone. Man kann in vieles hineinwachsen.

Beim Nähen kann ich abschalten und einfach laufen lassen. Beim Bloggen muss ich eine andere Art der Kreativität einschalten. Als jemand, der eigentlich nicht dazu neigt viel von sich preiszugeben, ist das Bloggen eine Möglichkeit, mich persönlich weiterzuentwickeln. Wer mir vor fünf Jahren gesagt hätte, dass ich mal Nähevents organisiere, ich hätte ihm den Vogel gezeigt.

Ohne das Bloggen hätte ich nie diese Entwicklung durchlaufen. Zum Bloggen gehört für mich auch, mir neue Themen zu erschließen und darüber zu berichten. Zum Bloggen gehört für mich das Lesen anderer Blogs, andere Blogger kennenzulernen, mich selbst in Frage zu stellen. Das klingt jetzt alles sehr ernsthaft, macht mir aber sehr viel Spaß. Aus einem Nähtagebuch ist nun ein Blog geworden mit dem ich andere Frauen inspirieren möchte. Inspirieren zu einer nachhaltigen selbstgemachten Garderobe. Inspirieren Dinge zu tun und zu lernen, die sie bisher nicht für möglich gehalten haben. Wie oft lese ich: „Ich traue mich nicht eine Jeans zu nähen.“ Oder: „Das kann ich nicht, dafür kann ich nicht gut genug nähen.“ Einfach machen. Das wird schon. Denn was kann im schlimmsten Fall passieren? Dass man 1 oder 2 m Stoff versemmelt? Verschwendete Zeit ist es auf keinen Fall, denn man lernt dadurch wieder etwas dazu.

Natürlich ist mein Blog auch ein Weg um meine Leser auf meine Produkte aufmerksam zu machen.



4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen? Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt? 

Bloggen und Nähen sind für mich zwei verschiedene Dinge, die ich verknüpfe. Ich brauche auch nicht zwingend etwas Genähtes um einen Blogpost zu schreiben, aber es liegt natürlich in der Natur eines Nähblogs, dass ich über Genähtes schreibe. Bloggen ist eine sehr zeitaufwändige Sache. Nähen auch. Mal steht das ein, mal das andere mehr im Vordergrund. Für mich ist das eine aber nicht mehr oder weniger wert als das andere. Ich glaube da ergeht es mir anders als dir. Du möchtest lieber mehr Zeit mit dem Nähen als mit den sozialen Medien verbringen. Mir ist beides wichtig.

5. Was nähst Du alles selbst? Bist Du eher ein "Seflish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich? 

Ich stehe ganz klar für „selfish sewing“. Ich nähe auch keine Aufträge außerhalb der Familie und selbst die Familienmitglieder müssen manchmal ganz schön lange warten. Wenn ich in meinen Kleiderschrank schaue, ist fast alles selbst genäht bis auf die Unterwäsche, Lederjacke und Daunenmantel.

6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben?

Arbeit und Vergnügen. Es ist Teil meines Lebens, das ich nicht mehr missen möchte.



7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht?

Liebe Sindy, das ist nun die schwierigste deiner Fragen. Wenn du so sehr zweifelst ob du deinen Blog weiterführen sollst, dann wäre es vielleicht wirklich am besten ihn aufzugeben. Aber was spricht dagegen, ihn einfach ruhen zu lassen und zu sehen wie es dir in 3 Monaten damit geht? Alles hat seine Zeit und wenn du dann feststellst, dass du ihn nicht mehr brauchst, kannst du ja deine Entscheidung treffen. Wenn dir der Blog allerdings auf der Seele lastet würde ich ihn löschen. Auch wenn viele dann traurig wären.

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Liebe Elke, ich danke Dir von Herzen für Deine ausführlichen Antworten und wünsche Dir weiterhin so viel Freude beim Bloggen und Netzwerken.

Luft holen.

Welche Bloggerin kennt das nicht: immer mal wieder kommt der Gedanke auf, ob sich das Bloggen wirklich "lohnt", ob das wirklich jemanden interessiert und ob man seine Zeit nicht "sinnvoller" nutzen könnte.

Auch ich hinterfrage in regelmäßigen Abständen den Sinn meines Blogs. Das mach ich mit vielen Bereichen meines Lebens. Das ist auch wichtig, denn nur so kann mich sich weiterentwickeln und halte nicht an bereits verstaubten Dingen fest.

Ganz im Vordergrund stand für mich beim Bloggen immer der Spaß an der Sache. Natürlich fand ich auch die Vernetzung großartig, konnte ich mich doch in meiner Kleinstadt wenig mit Gleichgesinnten austauschen. Dazu noch ein bisschen Stolz, die selbstgenähten Sachen zu zeigen und teil der MeMade-Bewegung zu sein. Das ergab bis jetzt ein tolles rundes Gesamtpaket. Alle Faktoren, spielten ganz wunderbar ineinander und ergaben einen Sinn.

Seit einiger Zeit schleicht sich aber ein kritischer Unterton in all das was ich hier so tue. Irgendetwas ist anders. Es scheint, als ob mein Blog mit seinen Themen nicht mehr zu mir passt.

Ich war schon immer ein eher minimalistisch veranlagter Mensch. Viel Besitz verstört mich und ein Kleiderschrank, der einen 30m² Raum einnehmen könnte, würde mich schlichtweg erschlagen. Ich bin kein hipper Mensch. Viele angesagte Sachen interessieren mich nicht. Viele Stoff- und Schnittneuheiten gefallen mir schlichtweg nicht. Meine selbstgenähten Kleidungsstücke, die ich regelmäßig trage, passen auf eine 1,5m lange Stange. 

15 Shirts. 
9 Röcke. 
4 Hosen. 
3 Strickjacken. 
2 Übergangsjacken. 
1 Winterjacke. 

Das Näh-(bloggen) hat mich mit all seinen Randthemen und Aktionen dazu gebracht, an meiner Idee, nur noch selbst zu nähen, dranzubleiben. Vieles habe ich für den Blog ausprobiert und gerade deswegen zu Ende gebracht, weil ich unbedingt zu Sew-Along-Finale das fertige Kleidungsstück zeigen wollte. Mit den #myspringessentials fand ich endlich meinen Stil und finalisierte meine Farben. Damit habe ich mir einen Kleiderschrank aufgebaut, der bedingungslos zu mir passt. Was nicht (mehr) passt, wird zeitnah aussortiert. Da das aber mittlerweile sehr selten passiert, bleibt die Stange gut gefüllt. Kein Grund also, massenweise nachzuproduzieren. Je weiter ich also meinen Weg mit dem Blog gehe, desto weniger nähe ich. Einfach, weil das was da ist reicht. 

Doch was blogge ich dann? Zeige ich Euch jedes neue T-Shirt was nach meinem für den Blog langweiligen Grundschnitt entsteht und noch nicht mal aus einem top angesagten Stoff besteht? Oder zeige ich nur noch komplette Outfits? Und was erzähle ich Euch dazu?

Am Anfang war da dieses Gefühl: das erste selbstgenähte Shirt, was auch wirklich passt. Yeah. Es gab so viele erste Male. So viele Herausforderungen. So viele neue Blogger. Alles war neu. Nun gibt es irgendwie nur noch deren "Abklatsch". Ich habe nicht mehr das Gefühl, das xte T-Shirt zu fotografieren und zu zeigen. Es hat sich einfach so davon geschlichen. Ich habe noch lange probiert, es zu halten. Irgendwann fehlten mir einfach die Argumente.

Das Nähen war die letzten 7 Jahre ein großer Bestandteil meines Lebens und wird es aus heutiger Sicht immer bleiben. Die Idee, meine Sachen ausschließlich selbst zu nähen, ist ein fester Grundpfeiler meines Lebens. Das Nähen macht mich unendlich glücklich und rundet mich perfekt ab. Es ist das Puzzlestück, was ich sehr lange Zeit gesucht habe. Es ist die kreative und zugleich produktive Handarbeit, die meine geliebte kopflastige Arbeit im Büro ausgleicht. Die mich als Kopfmensch ausgleicht.

Das Nähbloggen hat mich zu der wertvollen Erfahrung gebracht, mit dem Nähen eine zeitlang eines Teil des Lebensunterhalts zu verdienen. Das war schon immer ein großer rosafarbener Traum. 1,5 Jahre wurde aus dem leuchtenden Rosa langsam ein graues Rosa. Als sich dann die Möglichkeit bot, mich mit der kopflastigen Arbeit weiterzuentwickeln, war ich nicht wirklich enttäuscht, das gewerbliche Nähen stark zurückzufahren und wieder die Freuden das Nähhobbys in vollen Zügen genießen zu können - jetzt mit der Erfahrung und dem genauen schnellen Nähen bedingt durch die vielen gewerblichen Nähstunden.

Back to Basic.
(.. wie es auch Spunkynelda vor ein paar Tagen so treffend beschrieb. Ein sehr lesenswerter Post übrigens, der nur zufällig das gleiche Thema behandelt.)

Mein Blog und ich nehmen uns nun eine Auszeit. Zur Findung. Zur Erholung. Zur Erneuerung. Ich fühle wie Nele die warme Hand auf meiner Schulter. Ich bin angekommen. Die Phase, in der mich der Blog unterstützt und weitergebracht hat, ist beendet. Das, was der Blog begleiten sollte, ist erreicht. Etwas neues, undefiniertes, noch nicht blogbares hat begonnen.

Es tut gut, nun loszulassen und nicht mehr zu hetzen, bei dem Versuch dranzubleiben, lesenswert zu bleiben, beliebt zu sein. Die Angst, den Kontakt zu verlieren, ist nicht mehr da. Das was geht, darf gehen. Das was bleibt, ist herzlich willkommen.

Mit diesen letzten Worte bedanke ich mich für all den wunderbaren Austausch der letzten Jahre, für Eure lieben Worte im Kommentar oder als Email. Vielen lieben Dank, es war eine wunderschöne, sehr prägende Zeit. Und ich freue mich, Euch auf Instagram wiederzusehen. Denn zu zeigen gibt es noch jede Menge.


Möwiges Wiksten Tank

Heute dreht sich beim MeMadeMittwoch alles um Tierprints.

Normalerweise bin ich eher der schlichte Typ und scheue mich vor Prints aller Art. Wenn ich mich hinreißen lasse, dann eher zu kleinen feinen Motiven. So dachte ich auch erst, dass ich an dieser Aktion nicht teilnehmen kann, bis mir letzte Woche ein Möwenstoff von Kokka über den Weg lief, der auch noch am nächsten Tag da war. Ab da war klar, den versuche ich bis heute umzusetzen.

Im großen FrauAiko Fieber wollte ich zuerst eine solche draus nähen und scheiterte mal wieder an der Stoffbreite von 110cm. Ich hatte nur einen Meter bestellt und damit war die FrauAiko Geschichte.

Mein Schnittordner erinnerte mich dann beim Durchblättern an das Wiksten Tank. Vor ein paar Jahren habe ich es mal genäht, kam aber nicht so richtig damit klar, da mein Körper noch post-schwangerschafts bedingt unförmig aussah und das Tank diesen Eindruck noch unterstütze. Ich befragte Google nach anderen Beispielen und beschloss einen erneuten Versuch zu starten.

Mit ein bisschen Puzzelarbeit (s.u.) reichte der Stoff genau. Puh ..

Leider war die erste Anprobe sehr ernüchternd .. Das Tank war mir viiiiiel zu groß. Ich hab dann tatsächlich an allen Nähten 3cm weggenommen, bis es meinen Vorstellungen entsprach und nicht mehr nach versteckter Schwangerschaft aussah.

Gestern Nachmittag ist es dann leider erst fertig geworden, da ich mich nicht so recht für den richtigen Abschluss der Säume entscheiden konnte. Mehr dazu später.

Nun dürft Ihr Euch erst einmal von einer weiteren Bilderserie von "die Bilder hat mein Mann gemacht, der immer in der falschen Sekunde abdrückt" erheitern lassen.





Mir gefallen sie, bis auf die schlechten Lichtverhältnisse, richtig gut. Und bei dem ersten Bild sieht man, dass sich das Training mit Jillian Michaels auszahlt. Yeah!

Für alle, die sich fragen, wie mein Stoffpuzzel aussieht, die schauen bitte mal hier:


Die Nahtzugabe ist im Schnitt enthalten, so dass man die Schnitteile ganz nah aneinander legen kann. Et voilá, dann reichen auch 1m Stoff mit einer Breite von 110cm.

Erst wollte ich die Abschlüsse mit dunkelgrauem Schrägband einfassen. Das hat aber die Leichtigkeit des Double Gauze total zerstört.


Auch ein weißes Schrägband half dann später nicht. So habe ich letzendlich das Schrägband nach innen umgeklappt und festgesteppt. So gibt es nun gar keinen farbigen Abschluss, was dem Stoff am besten steht. Wahrscheinlich wäre es dann gut, gleich ein bisschen mehr von dem Stoff zu kaufen und daraus das Schrägband zu formen.

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Stoff: von Kokka über limetrees
Schnitt: Wiksten Tank
Dauer: 1h

PaaPii Häschen wecken Frühlingsgefühle

Noch ein Nähcamp-Projekt wartet darauf, gezeigt zu werden ..

Was wäre so ein tragisches Wochenende ohne Mama, wenn die Mama mit leeren Händen wiederkommen würde? Richtig, noch tragischer.

Weil ich ja weiß, wie gern meine Mädels (ja, mittlerweile auch die Große), meine selbstgenähten Sachen tragen, hab ich kurz vor knapp das Stoffbüro gebeten, mir doch bitte ein bisschen was von dem tollen Häschenstoff von Pappii mitzubringen.

Oberteile haben die Mädels genug. So war schnell klar, dass es für jede einen Rock geben würde. Ich entschied mich für den Schnitt "Leni" von schnittreif, den ich noch ein wenig im Bruch erweiterte und mit einem großen bequemen Bündchen versah.

Vor allem für den kleinen Freigeist ist das die beste Lösung.


Nachdem sich nun die Kleinste auch zum Model berufen fühlt, gibt es hier nur noch Partnershootings. Da kann es aus Versehen sogar passieren, dass sie ihre Zankereien vergessen und so einträchtig auf dem Sessel sitzen.


Am liebsten aber wollen sie alles geben. Und wenn ich dann zum "Rockdrehen" aufrufe, sind sie nicht mehr zu halten.


Dann geben sie alles, was sie haben.


Und der kleine Freigeist noch ein bisschen mehr.


Mein großes Mädchen hat schon angemerkt, dass bei ihr, nun mit 7 Jahren, die Zeit der breiten Bündchen vorbei wäre. Ja, ich kann sie verstehen. Ich bin selbst kein Freund der Bündchenröcke. Für uns Heißblüter wir das schnell ne schwitzige Angelegenheit.

Viele haben mich übrigens gefragt, warum ich nicht einmal graue und einmal türkise Häschen vernäht habe. Ganz einfach: natürlich hätte dann die Schwester den viel schöneren Rock gehabt.

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Schnitt: Leni von schnittreif
Stoff: von Pappii aus dem Stoffbüro: Häschen grau, Häschen türkis
Dauer: 30min
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