Cheyenne kariertem Flanell und Gastbeitrag bei Elle Puls

Hier gibt es heute "nur" die Fotos meiner neuesten Cheyenne.

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Meine Gedanken und Erfahrungen zum Nähen von Blusen habe ich bei Elke zusammengefasst. Ich freue mich sehr, wenn Ihr mal bei Ihr vorbei schaut -> Elle Puls.

Grüner Karl

Es passiert mir tatsächlich nur noch selten, dass ich ungeplant Stoffe kaufe. Wenn ich etwas brauche, dann fahre ich mit einem gut strukturierten Einkaufszettel in meine Lieblingsstoffhalle nach Arnstadt und kaufe auch nur das, was geplant war. Alles was mir sonst noch über den Weg läuft, nehme ich als Inspiration mit und lasse es wirken. Bleibt es in meinem Kopf und findet sich spontan ein Projekt, dann wird er gekauft. Das klappt erstaunlich gut … Bis auf dieses eine Mal.


Da lag dieser wunderschöne, grünblaue Strickjersey von Lillestoff. Die Farbe zog mich gleich in ihren Bann und das Muster kitzelte den geometrischen Minimalist in mir. Ich ging x-Mal daran vorbei, fühlte, prüfte den Fall und die Elastizität, legte ihn aber immer wieder zurück.


Am Ende meiner kleinen Einkaufstour erlag ich ihm dann doch. Zu konkret sah ich ihn als Karl vor mir. Nicht als Kleid, dafür ist der Stoff zu leicht, aber als lockerer Pulli. Dafür musste ich ihn haben. Passiert mir schließlich nicht so oft, dass eine Farbe außerhalb meines Farbschemas so schön blaustichig ist, dass sie trotzdem perfekt passt.


Bei der Verarbeitung des doch sehr feinen und auch ziemlich elastischen Stoffes, hatte ich Elkes Ausführungen im Kopf und veränderte den Differenzialtransport, um die Wellenbildung zu vermeiden. Das klappte an den Seitennähten ganz wunderbar. Der Karl war ruckzuck genäht.

Als ich dann aber den Saum nähte, stand ich plötzlich vor einer ziemlichen Herausforderung. Egal was ich probierte, die Naht wollte sich einfach nicht schön legen lassen. Ständig stand der Saum wie eine Art Entenschwänzen ab und wellte sich extrem. Ich probierte ein Bündchen anzunähen und erzeugte noch mehr Wellen. Es war grausam.

Als ich kurz davor war, aufzugeben, fiel mir das faule Bündchen ein. Ein Bündchen, was nur so aussieht, als ob es ein Bündchen wäre und allein durch das Falten des Stoffes entsteht. Da mir mein Karl eh noch zu lang war, probierte ich das Tutorial von MamaHoch2 aus.

Damit Ihr Euch besser vorstellen könnt, was ein faules Bündchen ist, habe ich Euch die Grafik von MamaHoch2 eingefügt. (Bitte beachtet, dass sie nicht von mir ist!)


Ich musste dann zwar durch den Dehnung an den Seitennähten immer noch viel wegnehmen, aber so bin ich nun zufrieden.



Und, hat sich der Spontankauf gelohnt? Ich weiß es nicht so recht. Farbe und Muster gefallen mir weiterhin sehr sehr gut. Aber die Qualität des Stoffes ist wahrscheinlich sein Geld nicht unbedingt wert.

Bis er sich von selbst auflöst, hüpfe ich aber noch gut gelaunt rüber zu den Me Made Mittwoch Mädels.

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Schnitt: Karl von schneidermeistern in Pullilänge
Stoff: Lillestoff - Wolljersey

#myfallessentials: Zwischenstand

Die #myessentials Reihe ist so alltäglich für mich geworden, dass ich bei der Auswahl meiner Nähprojekte schon gar nicht mehr an den Plan denke, sondern einfach meinem Gefühl folge. Erst vor einer Woche fiel mir auf, dass der Zwischenstand naht und ich für Euch doch dokumentieren wollte, was ich seit Oktober alles genäht habe. Vor allem interessierte mich, ob ich meine gefassten Ziele getroffen habe.

Im Oktober schrieb ich, dass mir mein Stil noch ein wenig zu lässig ist und dass ich noch schicker werden möchte. Blusen hatte ich im Sinn und auch Kleider. Dazu ein paar zusätzliche Farben zu blau und grau. Den Bowline Sweater wollte ich unbedingt nähen und noch eine HappyMe mit langen Ärmeln.

Ich habe einiges genäht und auch einiges gehen lassen. In einem Artikel las ich, dass das eine gute Vorgehensweise ist, mit jedem Neuzugang zu überprüfen, was man wirklich aktiv trägt. Alle Wackelkandidaten sollen rigoros aussortiert werden. Das funktioniert richtig gut. Denn so bleibt alles überschaubar und attraktiv. Außerdem habe ich im November kurzerhand alle Sommerteile aus dem Schrank genommen, um einen besseren Überblick über die aktuellen Teile zu haben.

Aber nun zur Bestandsaufnahme. Was hat sich verändert?

Shirts

Stand Oktober: 15
Stand heute: 15


Das Blümchenshirt durfte ausziehen, dafür ist ein neues mintfarbenes 3/4-Arm-Shirt eingezogen. Ich brauche noch immer dringend einfarbige schlichte Shirts. Schwarzer, dunkelgrauer und hellgrauer Jersey liegt vorgewaschen bereit.

Blusen / Kleider

Stand Oktober
3 Teile: 2 Blusen, 1 Langarmkleid




Stand heute 
6 Teile: 4 Blusen (+2), 2 Kleider (+1) 

Ich habe mir zwei Cheyenne Blusen genäht und ein außergewöhnliches Kleid nach dem Schnitt "Karl" von schneidernmeistern.


Die zweite Cheyenne in wunderschönstem Flanell zeige ich Euch am Donnerstag.

Cardigans

Stand Oktober
7 Teile:  4 Strickjacken, 3 Blazer




Stand heute
8 Teile:  5 Strickjacken (+1), 3 Blazer




Pullover


Stand Oktober
6 Teile: 2 Hoodies, 2 Langarmshirts, 2 Pullover

Hier habe ich den Bestand komplett überarbeitet. Hoodies sind einfach überhaupt nicht mein Ding. Und so durften nur Tante Hertha und meine Else bleiben. Dafür ist aber einiges Neues eingezogen.



Stand heute
7 Teile: keine Hoodies (-2), 2 Langarm"shirts" (-2, +2), 5 Pullover (+3) 

Von den schicke Langarmshirts habe ich Euch schon den Bowline Sweater gezeigt. Ein weiteres nach dem Schnitt Toaster poste in ich demnächst.



Pullover waren echte Mangelware bei mir. Mit den Hoodies wurde ich nicht so richtig warm, aber dafür umso mehr mit sogenannten Turtelnecks. Meine Entdeckung dieser Saison.


Dem grünen Karl als Pulli widme ich diese Woche noch einen separaten Post.

Tücher
Stand Oktober: 8 / Stand heute: 5

Die bunten Tücher durften gehen. Ich hab sie ja doch nie getragen.



Und endlich eine neue Handtasche.


Zu meiner Boyfriend-Jeans und meiner ganz engen Jeans hat sich noch eine Jeans mit normalem Schnitt gesellt. Damit bin ich für jedes Outfit gerüstet.

Mit meiner Winterjacke bin ich absolut zufrieden. Die trage ich täglich bei Temperaturen von -15°C - 10°C hält sie richtig schön warm und lässt auch Sturmböen eiskalt abblitzen. Das Thinsulate als Zwischenschicht hat sich mehr als bewährt!!


Das ist heute zwar erst der Zwischenstand, aber ich denke, das wird es für mich schon fast für den Winter gewesen sein. Ich fühle mich mit meinen Kleiderschrank pudelwohl und müsste jetzt nicht unbedingt noch aufstocken. Dafür ergeben sich nebenbei schon die ersten Frühlingsideen und -projekte. In der Geschwindigkeit, wie ich meine Projekte schaffe umzusetzen, ist es auch besser frühzeitig anzufangen.

Habt Ihr vielleicht Fragen, auf die ich im Finale näher eingehen könnte? Ich beantworte sie gern!

Mit mir zusammen berichten heute zum Zwischenstand folgende Bloggerinnen:

Elke von EllePuls
Marina von Metterlink
Steffi von Herzekleid
Lena von Fantastisch
Eveline von Frölein Tilia

Und als Special-Guest: Dominique von kreamino

Habt viel Freude beim Lesen!

Karlhorst aus wunderschönstem Stoff von Lebenskleidung

Und schwuppdiwupp ist der Dezember rum und das neue Jahr hat begonnen. Statt der herzlichen Weihnachtsgrüße gibt es nun nicht weniger herzliche Wünsche zum neuen Jahr. Ihr Lieben, macht das Beste draus und hört auf Euer Herz. Das weiß, wo es lang geht!

Ich hab im Dezember dem Leben 1.0 den Vortritt gelassen. Ein Vorsatz aus der Blogpause, den ich nur zu gerne umgesetzt habe. Diesmal haben sogar nur noch die Blogbeiträge zu den Fotos gefehlt. Aber die wollten einfach nicht entstehen. Nun ja, dann eben jetzt.

Der heutige Karlhorst (Synonym für einen abgewandelten Karl) ist der tollen Inspiration von Instagram geschuldet. Als ich dort ein Beispiel aus dem schönen Stoff von Lebenskleidung sah, hatte ich sofort ein Bild von diesem Kleidungsstück im Kopf.

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Der Karl hat es mir einfach angetan. Wollte er erst so gar nicht zu mir passen, haben wir mittlerweile die perfekte Wellenlänge. Ich weiß auch nicht, wie ich es beschreiben soll. Er passt einfach in meinen Kleiderschrank. Egal in welche Länge, aus welchem Material. Er hängt dort, als ob er nie weggewesen wäre.


Und dazu noch dieses wundervolle Blau.


Es war wirklich nicht einfach, einen Stoff für 30€/m zu kaufen, den es dann auch nur meterweise gibt. Mein Karlhorst hat so mal locker 60€ gekostet. Ich weiß nicht, wann ich mir mal einen Pullover in diesem Wert gekauft hätte. Und beim Nähen bleibt ja dann auch immer noch das Risiko, dass man das gewählte Projekt komplett in den Sand setzt. Aber egal, ich fand den Stoff so toll, dass ich es einfach wagte.

Kurz gab es dann auch den riesen Schreckmoment als sich plötzlich ein Granatapfel auf meinem Karlhorst verteilte. Ich war total verzweifelt und dachte, das war's. Merkwürdigerweise aber nicht wegen der vielleicht verlorenen 60€, sondern wirklich nur, weil man allerliebster Liebllingspulli in Gefahr war. Das zeigt mal wieder, dass es am Ende doch irgendwie nur um die Qualität geht, oder?


Bei meiner Arbeit hieß es dann, mein Longpulli hat etwas von Star Trek. Pff .. Banausen. Aber weil ich finde, dass die beiden schon irgendwie recht haben und ich immer für einen Spaß zu haben bin, habe ich mir einen Communicator bestellt. Den werde ich dann zusammen mit meinem Karl tragen.

Ach, ich freue mich auf das neue Nähjahr und auf Euch!!


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Schnitt: Karl von schneidernmeistern
Stoff: Lebenskleidung z.B. über Eulenmeisterei

Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Ulrike von Moritzwerk erzählt


Mein letzter Gast in meiner Sonntagsrunde musste ganz schön geduldig sein. Erst kam das Weihnachtsfest mit ganz viel Familienzeit dazwischen und dann ein plötzlicher Krankenhausaufenthalt meines "Babys". Aber auch wenn heute nicht Sonntag ist, darf nun endlich Ulrike von Moritzwerk zu Wort kommen.

Liebe Ulrike, ich danke Dir für Deine Geduld und freue mich sehr, dass Du es trotz drei kleiner Hüpfer zu mir in die Sonntagsrunde geschafft hast.

1. Erzähl ein bisschen von Dir. Wer bist Du? Wie lebst Du? Was machst Du beruflich und wie viele Stunden arbeitest Du in der Woche? Welche anderen Hobbys hast Du neben Bloggen und Nähen? 

Hallo, Ihr Lieben, ich hoffe, Ihr hattet einen guten Rutsch in das neue Jahr?
Ich freue mich besonders, dass Ihr den Weg zu Sindys Sonntagsrunde gefunden habt, denn heute darf ich über meinen Sinn des Nähbloggens philosophieren. Vielen Dank für die Einladung, liebe Sindy! Na dann, kommt mal mit:



Moin, ich bin Ulrike, Designerin und Betriebswirtin, zur Zeit hauptberuflich Mama und nebenbei Bloggerin. Auf moritzwerk.de berichte ich über meine kleinen und großen kreativen Projekte. Mit meinem Mann, unseren zwei Töchtern (3 und 4 Jahre) und unserem Söhnchen (heute genau zwei Monate alt) lebe ich in einem alten Haus am Moritzberg in Hildesheim. Neben Haus, Garten, drei Kindern und dem Nähbloggen bleibt wenig Zeit für weitere Hobbies. Früher habe ich gern und viel gemalt und gezeichnet. Aber Stift und Pinsel schwinge ich jetzt fast nur noch, um Wände zu streichen und den weiteren Ausbau unseres Hauses zu planen oder um geplante (Näh-)Projekte zu visualisieren. Ich hoffe, das wird irgendwann mal wieder mehr!

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas besonderem für Dich macht? 

Mich hat ES ganz klassisch gepackt, als meine Töchter da waren. Überall sah ich die tollen Werke der kreativen Nähmuddis, deren Blogs ich gespannt verfolgte. Das wollte ich auch! Ich habe mir also die alte Veritas von meiner Mama "ausgeliehen" und einfach losgelegt. Die ersten Kleidungsstücke, die ich aus ausrangierten Shirts von Herrn Moritzwerk upcycelte, waren keineswegs perfekt (Halloho - die Veritas hatte nicht mal einen Stretchstich!), aber meine Töchter haben sie mit Freude getragen. Irgendwann hatte ich es endlich geschafft die Veritas zu schrotten und eine neue Maschine (Jerseystich, olé!!!) zog hier ein. Das war im Dezember vor zwei Jahren. Seitdem nähe ich (fast) täglich. Und ich liebe es! Weil ich es nämlich liebe, etwas mit meinen Händen zu erschaffen. So ganz analog und echt. Und ganz meins! Wenn aus einem rechteckigen Stück Stoff plötzlich eine Bluse wird, ist das nicht jedes Mal wie ein kleines Wunder?! Irgendwann geriet ich mit dem Nähen und Lesen von Nähblogs aber an einen Punkt, an dem ich nicht mehr nur passiv zuschauen und die Ideen der anderen aufsaugen wollte. ich wollte mit anderen nähenden Mädels (und Jungs?) in Dialog treten, meine Arbeiten präsentieren und bestenfalls selbst andere inspirieren. Eine ganze Zeitlang habe ich geplant, verworfen, überlegt, gezweifelt und nachgedacht, bis mein Mann endlich Nägel mit Köpfen gemacht und mich in mein Moritzwerk geschubst hat. Das Moritzwerk ist dabei gar nicht als Nähblog gestartet sondern als Kreativblog. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich in so kurzer Zeit so anspruchsvolle Kleidungsstücke würde nähen und präsentieren können. Das hätte ich ohne den Blog und die damit verbundenen Kontakte und Projekte wohl nicht geschafft. Und so wird das eine vom anderen gepusht: das Bloggen motiviert mich, auch schwierigste Projekte in Angriff zu nehmen und mit dem nächsten Projekt füttere ich wieder den Blog. Der Betriebswirt in mir würde sagen: eine Win-Win-Situation.



3. Was bedeutet das Bloggen für Dich? Warum nimmst Du Dir Zeit Blogposts zu verfassen? Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel? 

Auf der einen Seite macht es mir einfach Spaß. Ich habe schon zu Schulzeiten gern geschrieben (wenn ich nicht Design studiert hätte, wäre ich vielleicht Journalistin geworden) und fotografiert (meine erste Spiegelreflexkamera bekam ich mit 15), dazu noch ein bisschen Layout, Bildbearbeitung und ein wenig Marketing - das alles mache ich gern! Für mich ist das Moritzwerk aber noch mehr: Ich bin eine Mama mit drei kleinen Kindern. Das bin ich gern und das ist schön so. Aber das allein reicht mir nicht. Ich bin eben auch Designerin und Betriebswirtin und hätte gern Karriere gemacht, aber leider (oder zum Glück?!) blieb mir das bisher verwehrt. Anspruchsvolle Teilzeitstellen, wo seid ihr? Der Blog hilft mir zum einen, beruflich nicht einzurosten (Stichwort Online Marketing, Software etc.), außerdem verschafft er mir ein Gefühl von "Arbeit". Ich kann Mama sein und habe dank meiner Posts und vor allem dank des Probenähens gewisse "Termine" und "Deadlines". Und gleichzeitig rastet kein kinderloser Chef aus, wenn sich mal ein Projekt verschiebt oder ganz ausfällt. Ich habe mir quasi meinen Traumjob selbst gebastelt und vielleicht werde ich ihn so weiter entwickeln, dass ich eines Tages sogar damit Geld verdienen kann. Wenn meine Posts am Ende dazu führen, meine Leser zu unterhalten, zu inspirieren oder zu motivieren, haben alle was davon.

4. Wann findest Du Zeit zum Nähen und wann zum Bloggen? Hast Du manchmal das Gefühl, das Bloggen stiehlt dem Nähen die Zeit? Oder fügt sich das für Dich perfekt? 

Bisher habe ich immer tagsüber genäht, wenn die Kinder in der Kita waren. Das ist der pure Luxus, denn ich hatte täglich fünf bis sechs Stunden, die ich mir ganz frei einteilen konnte. Jetzt wo ich ein Baby zuhause habe, beschränkt sich meine Nähzeit auf seine Schlafzeit oder zumindest die Zeit, in der er wach aber friedlich ist. Momentan ist das gleich Null, aber irgendwann werden wir schon einen Rhythmus finden. Blogposts bereite ich in der Regel abends vor, wenn die Kinder im Bett sind und ich ohnehin keinen "Krach" mehr machen kann. Ich habe nämlich kein Nähzimmer (mehr) und nähe und arbeite wahlweise im Schlafzimmer, im Wohnzimmer oder in der Küche. Das Bloggen raubt mir also keine Nähzeit, es ergänzt das Nähen.



5. Was nähst Du alle selbst? Bist Du eher ein "Seflish Sewer" oder nähst Du doch mehr für andere als für Dich? 

Angefangen habe ich wie beschrieben mit Kinderkleidung. Noch immer macht das einen großen Teil meiner Näharbeiten aus. Aber ich nähe inzwischen mehr und mehr auch für mich selbst. Und sogar Herr Moritzwerk greift hin und wieder mal ein Teil ab. Mein Ziel ist es, möglichst alles selbst nähen zu können. Tatsächlich habe ich im letzten Jahr keine Kleidung für mich selbst gekauft (mit Ausnahme einer Umstandshose aus dem Second Hand Laden) und mir alles, was ich brauchte oder wollte selbst genäht habe. Nur bei den Kindern komme ich nicht immer mit dem Nähen hinterher. Die wachsen gerade schneller aus den Sachen raus, als ich neue produzieren kann. Inzwischen kann ich behaupten so ziemlich alles nähen zu können. Jeanshosen möchte ich noch ausprobieren und Unterwäsche wäre interessant.



6. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben? 

Ich denke, es ist rüber gekommen, dass Nähen und Bloggen inzwischen wichtige Aspekte meines Lebens sind. Ich habe aber auch gelernt, die Prioritäten so zu setzen, dass ich mich vom Nähbloggen nicht stressen lasse. Anfangs tendierte ich schon dazu mich zeitlich zu überfordern. Hier ein Probenähen, da eine Blogtour und zusätzlich noch ein Beitrag für RUMS oder Creadienstag und und und... im Rausch der Freude am Nähen und Bloggen habe ich oft unterschätzt, wie viel Zeit tatsächlich in einem Post steckt, sodass es auch mal stressig und ungemütlich wurde. Inzwischen weiß ich, was und wie viel ich mir (und meiner Familie) zumuten kann. Ich habe gelernt, nein zu sagen. Klar, manchmal bricht es mir fast das Herz, wenn ich eine Anfrage ablehnen muss. Und es nervt, wenn Facebook mir erzählt, dass meine Abonnenten schon seit drölfzigmillionen Tagen nichts mehr von mir gehört haben. Ich musste erst mal lernen, mich davon nicht verrückt machen zu lassen. Reichweite, who cares?! Dafür konzentriere ich mich jetzt umso mehr auf eine handverlesene Auswahl an Projekten. In die stecke ich aber mein ganzes Herzblut.

7. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht? Muss es denn Sinn machen? 

Schokolade hat ja aus ernährungstechnischer Sicht auch wenig Sinn und ist trotzdem - Sorry! - leider geil. Ich persönlich habe meinem Blog so viel Schönes und Gutes zu verdanken, dass ich nicht freiwillig auf ihn verzichten würde. Ob Bloggen dem Einzelnen etwas bringt, hängt meiner Meinung nach sehr von der individuellen Situation und dem Charakter des Bloggers ab. Wer Mühe beim Fotografieren und Texten hat, nicht gern mit anderen (fremden) Personen interagiert und die sozialen Medien (verab-)scheut, wird als Blogger nicht glücklich werden. Außerdem darf man den eigenen Blog nicht zu wichtig nehmen und sich von seinen Statistiken nicht verrückt machen lassen, sonst erleidet man in kürzester Zeit den Bloggerburnout und ist ganz schnell wieder weg vom Fenster. Wer aber Spaß hat am Schreiben, gern kommuniziert und den Blog mit Herzensprojekten füllt, wird eine schöne Zeit haben.

Apropos "schöne Zeit": Raus mit Euch und habt ein wundervolles neues Jahr! Macht das Beste draus! Ich freue mich, Euch bald im Moritzwerk wieder zu sehen.

Sonntagsrunde zum Sinn des Nähbloggens - Betty von Staharbeit erzählt


Guten Morgen, Ihr Lieben!

Heute muss ich gar nicht viel sagen, Bettina macht das schon selbst am besten und hat einfach mal meine Fragen auf ihre Bedürfnisse umgestellt. Ja, so ist sie, ein richtiger Wirbelwind mit äußerst sonnigem Gemüt.

Ich freue mich sehr, dass Du bei meiner Sonntagsrunde dabei bist, liebe Bettina!

1. Erzähl ein bisschen von Dir! 

 „Grüezi, Servus und guten Tag, ich heisse Bettina und habe ein klitzekleines Suchtproblem.“ So beginnt jedenfalls der Text, mit dem ich mich auf meinem Blog „Stahlarbeit“ vorstelle. Na, kommt Euch das bekannt vor? Es geht noch weiter: „Wenn ich ohne Stoff bin, dann geht's mir schlecht. Da man als echter Junkie vorbeugen muss, besitze ich so drei, vier Meter von der besten Ware. Okay, es könnten auch fünf bis sechzig Meter sein. Grob geschätzt. Vom Jersey. Dann noch die Webware, die Bündchen, die Wachstücher...“ Abgesehen davon bin ich relativ normal. (Ich rede mir das jetzt schön, merkt Ihr’s?) Tagsüber verdiene ich meine Brötchen als Journalistin und habe mich dort im Laufe der Jahre auf Familien- und Gesundheitsthemen spezialisiert. Abends und nachts mache ich mein Nähgedöns. (Leider war der Blogname „Das mach’ ich nachts“ schon vergeben. Mist! Es hätte so gut gepasst.)


Okay, Faden verloren. Ähm, ja, ich lebe in der Nähe von Zürich, bin verheiratet, habe zwei Girlies (6 und 8), drei Nähmaschinen und dieses oben erwähnte Stoffproblem. Irgendwie hat BERNINA Wind davon bekommen. Deswegen blogge ich nicht nur privat, sondern auch dort.

Da ich nun noch was zu meinen (allfälligen) anderen Hobbies schreiben soll, sei erwähnt, dass ich leidenschaftlich gerne die Katzenkacke, die alle Stubentiger westlich des Urals in unserem Garten vergraben, wegschaufle. Im Winter ignoriere ich die Kacke und gehe nicht zu den Rosen, nicht zu den Himbeeren und ganz sicher nicht ans Gemüsebeet. So bleibt mehr Zeit zum Nähen. Womit sich der Kreis schliesst.

2. Wie bist Du zum Nähen und zum Bloggen gekommen? Was ist es, das das Nähen / das Bloggen zu etwas Besonderem für Dich macht? 

Obwohl ich sonst gerne den Clown gebe, möchte ich diese Frage ernsthaft beantworten. Seit ich denken kann, war ich immer die, die gut mit Buchstaben, Worten und Sätzen umgehen konnte. Wenn es aber um handwerkliche Dinge ging, wurde ich gerne mit Verweis auf die berühmten zwei linken Händen entschuldigt. Jaja, sie ist eine Künstlerin, sie mag Farben und kann gut zeichnen – aber bitte, gebt ihr NIEMALS ein Werkzeug in die Hand. Und schon gar nix Spitzes. Mann, wie mich das genervt hat. Per Zufall kam ich dann zum Nähen. Das war wie eine Offenbarung. Dieser ganze Prozess des Stoff Auswählens, das Beiwerk, der richtige Schnitt für den richtigen Stoff, die Passform, das Optimieren – ich war entfesselt. Nach und nach wurden die Nähte gerader, die Kleider tragbar – und das Lob grösser. Natürlich mögen wir es, wenn andere unsere Dinge gut finden. Kein Mensch bloggt nur, weil er ein Mitteilungsbedürfnis hat. Wir wollen Anerkennung, wollen Teil einer Community sein, wollen uns beweisen. (Behaupte ich jedenfalls.)

3. Welchen Stellenwert hat das Nähen / das Bloggen in Deinem Leben? 

Sagen wir so: Das Nähen ist im Laufe der Jahre zentral geworden. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht Schnitte klebe/Stoff kaufe und oder schneide/nähe/fotografiere/blogge. Obwohl ich Ferien grundsätzlich toll finde, ist das immer das Einzige, was ich wirklich vermisse. (Ich google gerne nach Stoffgeschäften in Urlaubsortnähe. Aber das bleibt unter uns, okay?)



4. Möchtest Du etwas mit Deinem Blog erreichen oder ist es eher ein "einfaches" Nähtagebuch ohne Ziel? 

„Stahlarbeit“ (benannt nach der Arbeit mit Stahlnadeln und Stahlscheren) ist definitiv ein ergebnisorientiertes Projekt. Ich wollte und will viele Dinge erreichen: zeigen, was im kreativen Nähbereich möglich ist, mein Wissen mit anderen teilen, mich vernetzen – und nach und nach mein Blogprofil schärfen. In den letzten zwölf Monaten (so lange blogge ich offiziell) bin ich diesen Zielen ein gutes Stück näher gekommen. Wenn ich mir anschaue, wen ich mittlerweile alles kenne, bei welchen Blogtouren ich dabei sein durfte, welche Kooperationen erfolgreich waren – hey, da wird es mir ganz schwindelig. Vor Glück wohlgemerkt. Was ich auch (nicht immer, aber immer öfter) gut kann, ist Nein Sagen. Ich habe in diesem Jahr einigen grossen Namen einen Korb gegeben. Nicht, weil ich über allem schwebe, sondern weil mir eines bewusst geworden ist: Meine Nähzeit ist unglaublich kostbar. Ich will sie nicht an Schnitte und Stoffen verschwenden, die mir nicht gefallen oder deren Qualität mich nicht überzeugt Ich will nicht von Abgabetermin zu Abgabetermin hecheln, meine Haut zu Markte tragen und von Firmen, die mit uns Bloggern einen riesigen Reibach machen, unter Druck gesetzt werden. Ja, das wäre dann die Schattenseiten des Bloggens. Wer für einen Meter Stoff alles macht, ist schnell ausgebrannt – und vor allem austauschbar. Natürlich bin ich in einer komfortablen Situation mit dem Schweizer Einkommen (und gut geheiratet habe ich auch ;)), aber ich finde, das sollten sich alle Blogger und Blogger in spe zu Herzen nehmen. Wenn wir immer „hier!“ schreien und auf allen Hochzeiten tanzen, tun wir uns keinen Gefallen.



5. Was würdest Du jemandem mitgeben, der gerade, so wie ich, darüber nachdenkt, ob das (Näh-) Bloggen Sinn macht? 

Im Prinzip genau das. Mit dem Bloggen kann man keinen Rappen/keinen Cent verdienen. Zumindest nicht, wenn man seinen Prinzipien treu bleibt und sich nicht verheizen lässt. Weiter oben habe ich davon gesprochen, wie wichtig es ist, das eigene Profil zu schärfen. Auch das gehört dazu. Sich abgrenzen, sich treu bleiben – und eine Nische finden. Bei mir hat sich relativ früh herauskristallisiert, dass meine Follower meine Texte besonders mögen. Ich versuche dort immer wieder Informationshäppchen unterzubringen, etwas Service zu bieten – und vor allem niemanden zu langweilen. Ausserdem höre ich oft, dass meine Nähprojekte aussergewöhnlich farbenfroh und (hoffentlich) auch farbsicher zusammengestellt sind. Da sich viele da draussen kaum über Sternlimuster hinaustrauen, könnte das die Leute inspirieren - oder wenigstens faszinieren. (Zur Erklärung: Ich mag die Sachen von Vivienne Westwood auch nicht wirklich, aber ich liebe die Frau, weil sie so ein bunter Vogel ist. Merkt Ihr, dass ich mich gerade mit Miss Westwood verglichen habe? Talk about Bescheidenheit!)

6. Wo geht Deine persönliche Blogreise hin? 

Wie Ihr alle sehen könnt, trage ich keine Kleidergrösse 38. Ich weiss noch genau, wie schwer es war, mich das erste Mal in meiner ganzen (!) Schönheit zu zeigen. Das Feedback war aber überwältigend. Dafür danke ich den Leuten da draussen von Herzen. Ich möchte in Zukunft mehr für mich nähen, möchte zeigen, was gut zu meinem Figurtyp passt – und was weniger. Jeder von uns ist anders, es gibt Leute, die haben Beine bis zum Hals, andere Affenarme, es gibt die Molligen und die Hüftschiefen, die Busenwunder und die wandelnden Bügelbretter. Insofern ist die Idee, Kleider ab Stange zu verkaufen, echt idotisch. Aber wem sage ich das?



Ich, die Mädchenmutter, versuche diesbezüglich ein Vorbild zu sein. Es kann nicht unser Job sein, einem unerreichbaren Ideal hinterherzulaufen. Wir Frauen (und Männer) sollten vielmehr lernen, unsere Körper zu lieben. Wir haben die Macht, uns Kleider zu nähen, die uns passen und unsere Vorzüge hervorheben. Das ist übrigens das Tollste überhaupt an der ganzen Stahlarbeit.

Herzlich
Bettina

P.S. Wenn alles gut läuft, dann werdet Ihr bald mehr von mir hören. Ich hätte da nämlich eine Idee...